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Die Bibel ernst nehmen

When people tell me they take the Bible seriously but not literally, I take their words literally but not seriously.

via Twitter (@hershaelyork)

Lasst das Wort des Christus reichlich unter euch wohnen

Vor einigen Wochen habe ich bereits über das Verlangen nach Gottes Wort geschrieben, das Gott nach meiner OP in mir verstärkt hat. In der ersten Zeit waren es einzelne Verse, welche mir Familie, Gemeindemitglieder und Freunde weitergaben, über die ich nachdachte. Zudem kamen mir manche Stellen in den Sinn, die ich nachschlug. Auch das Beten von Psalmen (siehe dieser Post) war mit grosser Freude und Erleichterung verbunden. Es war mir, als ob jemand vor mir schon meine tiefsten Gedanken und Empfindungen aufgeschrieben hätte. Daraus entstanden heilsame Selbstgespräche - heilsam deshalb, weil ich nicht nur in meinen eigenen Gedanken hängen blieb.

So bald es die Kraft zuliess, begann ich in meiner neuen ESV Studienbibel einen neuen Durchgang durch Gottes Wort. Es ist sehr ermutigend, immer wieder einen neuen Anlauf zu nehmen, um Gottes Wort im Zusammenhang zu lesen.

  • Ich begann mit Psalm 119. Was hängen blieb: Korrektur (durch die ständige Konfrontation mit Gottes Wort) und Kontinuität (dranbleiben im Lesen und Reflektieren)
  • Meine Reise setzte ich mit dem Buch Prediger fort. Die schonungslose und detaillierte Analyse eines sinn-entleerten Lebens ohne bzw. eines sinn-erfüllten Lebens mit Gott beeindruckte mich.
  • Parallel dazu las ich das Johannesevangelium. Insbesondere die Reden (z. B. Joh 5 + 8) faszinieren mich und bleiben mir gleichzeitig vom Stil her etwas fremd. Ich hege die Absicht, sie mit dem Kommentar von D. A. Carson erneut vorzunehmen.
  • Ausgelöst durch eine Predigt über Jeremia 1 las ich den gesamten Propheten durch. Ich bin ermutigt und beunruhigt durch seine Botschaft. Ermutigt durch die Treue des Propheten, beunruhigt durch die Menge an falschen Propheten und die Resistenz von Gottes Volk gegen Gottes Botschaft.
  • Das Studium von Esra war ein Aufsteller: Gott bewegt Herzen von Weltherrschern, so wie er “seine gute Hand” (Refrain) über seinem Diener hält.
  • Ebenso ermutigte mich das Buch Nehemia, das einen betenden und handelnden Führer zeigt. Ich teilte die Früchte meines Lesens in einer Andachtsserie mit meiner Familie.
  • Im Buch Esther zählte ich all die vielen kleinen Begebenheiten, die Gottes Wirken bis ins kleinste Detail zeigen. Ein Bericht seines souveränen Wirkens.
  • Die Thessalonicherbriefe ermutigen durch das schöne Zeugnis der Christen (z. B. am Anfang des zweiten Briefes); die Gebete von Paulus (1Thess 3,13; 5,23; 2Thess 1,11; 2,16+17; 3,5; 3,16) sind es wert studiert und nach-gebetet zu werden.
  • Die Psalmen lese ich in Etappen. Es ist wichtig, sich die Gattung des einzelnen Gedichts gut vor Augen zu halten (Dank oder Bitte, persönlich oder gemeinsam etc.).
  • Der Hebräerbrief beeindruckt durch seine Verflechtung mit dem Alten Testament. Er macht mir deutlich, um wen es zuerst und zuletzt geht: Um IHN.

P. S. Ich verstehe diesen Bericht nicht als Selbstdarstellung, sondern als Ermutigung: “Lasst das Wort des Christus reichlich unter euch wohnen!” (Kolosser 3,16)

Nachgefragt: Persönliches

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift des Mitternachtsruf (Mai 2013) durfte ich unter der Rubrik “Nachgefragt” auf sechs Fragen antworten:

Wie sind Sie zum Glauben an Jesus Christus gekommen?

Durch das Zeugnis meiner Eltern, insbesondere meines Vaters. Ich kann mich gut daran erinnern, wie er jeden Morgen in der Stube betete und die Bibel las. Als ich etwa sechs Jahre alt war, fing er mit täglichem Unterricht in der Bibel an.

Was sind Ihre drei Lieblingsbücher, abgesehen von der Bibel?

Es fällt mir schwer, mich festzulegen. Sehr geprägt haben mich als Kind mehrere hundert Vorträge zu biblischen Büchern von W. J. Ouweneel, die ich ab Kassette anhörte. Als junger Erwachsener las ich fasziniert die zehn Bände “Der Zweite Weltkrieg” von Winston Churchill. Und wenn ich meine Lektüre der vergangenen Jahre betrachte, dann fallen mir “Unterricht in der christlichen Religion” von Johannes Calvin, die “Bekenntnisse” und “Der Gottesstaat” von Augustinus sowie die “Reformed Dogmatics” von Herman Bavinck ein.

Welches Buch der Bibel lesen Sie am liebsten? Und warum?

Ich kehre immer wieder zum Ersten Buch Mose zurück. Es ist das Buch der Anfänge. In der heutigen nach-christlichen Zeit ist es wichtig, das grosse Panorama von Gottes Heilsgeschichte nicht zu vergessen. Dazu gehört, wie alles angefangen hat.

Welche historische Person des Christentums schätzen Sie am meisten? Und warum?

Wenn unter „historischen Person“ auch ein Christ des 20. Jahrhunderts gemeint sein kann, dann nenne ich Francis Schaeffer (1912-1984). Als „Evangelist der Intellektuellen“ verstand er es, die biblische Botschaft mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. Sein prophetisch anmutendes Reden gegen die Lieblosigkeit unter Christen einerseits und gegen den Liberalismus anderseits ist hochaktuell.

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie das Versprechen Jesu hören: „Ja, ich komme bald“?

Ich sage meinen Söhnen ab und zu: „Stellt euch vor, Jesus kommt heute zurück. Was heisst das für den heutigen Tag?“ Für mich bedeutet es, jeden Tag so zu leben als wäre es der letzte.

Wenn Sie eine Sache in der Welt ändern könnten, was wäre das?

Da fällt mir als Erstes ein: Ich würde mit meiner ganzen Gemeinde in eine Weltgegend gehen, wo Christen stark verfolgt werden. Zurück in Europa, würden wir unsere Prioritäten ganz neu ordnen. Allerdings weiss ich: Solange ich in diesem Leben bin, bleibe ich begnadigter Sünder. Augustinus sagte: „Niemand ist einem anderen so gut bekannt wie sich selbst; und dennoch kennt sich niemand selbst so gut, dass er sich seines Verhaltens am folgenden Tage sicher wäre.“

Der Wiedereinstieg ins Berufsleben (2): Die Arbeit vor der Arbeit

Der Schweizer Volksmund hat den Satz geprägt “mit em lätze Bei zum Bett uus”, um auszudrücken, dass der Start eines Tages entscheidend für den weiteren Verlauf sein kann. Der Evangelist Markus schildert voll bepackte Tage des Dieners Jesus. Er begann sie frühmorgens im Gebet (Markus 1,35). Menschen erzählen mir, dass sie die schönsten Momente des Tages während des morgendlichen Waldspaziergangs erlebten. Wieder andere schildern mir, dass sie am Morgen absichtlich genügend Zeit einplanten, um ausgiebig zu frühstücken. Von D. A. Carson habe ich die Aussage aufgeschnappt, dass er noch nie einen mürrischen Menschen getroffen hat, der ein erquickendes Gebetsleben führt. – All diese Aussagen deuten auf die Wichtigkeit des Tagesstarts hin. Der Wiedereinstieg ins Berufsleben war die ideale Gelegenheit, meine Gewohnheiten vor Beginn der Arbeit zu überdenken und wenn nötig neu zu gestalten.

  • Weiterhin beginne ich den Tag im Gebet zusammen mit meiner Frau.
  • Neu habe ich eine Zeit für die tägliche Bibellese direkt danach eingeplant. Wenn die Zeit reicht, lesen meine Frau und ich uns einen Abschnitt gegenseitig laut vor.
  • Bevor ich mich für den Tag bereit mache, frühstücke ich ausgiebig.
  • Die erste Hälfte der Strecke zur Arbeit ist mit dem zweiten Teil der Bibellese belegt.
  • Neu baue ich den ersten Teil der täglichen Bewegung in Form eines 30-minütigen zügigen Spaziergangs zum Arbeitsplatz ein.
  • Wichtig ist es mir, am Morgen meine Arbeitskollegen persönlich und wertschätzend zu begrüssen.

Was hindert mich an der Umsetzung? Es gibt mehrere Hemmer: Erstens kommen mir meine eigenen Gedanken in die Quere. Manchmal jagen mir am Morgen schon so viel Überlegungen und Ideen durch den Kopf, dass ich ihn kaum für Gebet und Bibellese frei bekomme. Ich nenne dies “geistliche Spurverengung”, weil ich beginne mich um mich selbst zu drehen. Natürlich hängt dieser Start auch von der Disziplin ab mich am Vorabend rechtzeitig schlafen zu legen. Drittens merke ich, dass die Umsetzung auch einer beherzten Entscheidung bedarf, der ersten Zeit des Tages Priorität in der Planung zu geben.

Was sind die Metabotschaften unserer Predigten und Andachten?

Was sind die übergeordneten Botschaften unserer Predigten und Andachten (siehe Der zweiteilige Slogan von vielen Predigten)? Es ist nötig, dies immer wieder zu überprüfen.

  1. Die beste Prävention ist kontinuierliches, text-zentriertes, auslegendes Predigen. Sonst kommt es zu zwangsläufig zu Wiederholungen der Lieblings-Slogans.
  2. Zweitens ist eine wohlwollend-kritische Haltung der Zuhörer auschlaggebend, die mitdenken: Welche Botschaft vermittelt der Bibeltext? Steht das wirklich da, was gepredigt wird?
  3. Und drittens kann die Prüffrage gestellt werden: Könnte ich dieselbe Botschaft einem anderen Publikum in einem anderen Land, in einer komplett anderen Situation ebenso predigen? (Ich bin überzeugt: Ein Grossteil der Kuschelbotschaften müssten entweder weggelassen oder grundsätzlich überarbeitet werden.)

 

Wollen Sie sich zwei Stunden Zeit nehmen und mit mir einen Panoramaweg beschreiten?

Heute realisierte ich eine lang gehegte Absicht: Ich las gegen Ende des Frühstücks die ersten Seiten aus dem Buch “Der Erste und der Letzte - Heilsgeschichte aus der Vogelperspektive” von Edith Schaeffer vor. Nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten (siehe Familienandachten – du wirst immer um sie kämpfen müssen) gab es Momente, in denen man eine Stecknadel, die auf den Boden fällt, hätte hören können. Mich fasziniert die Idee, die biblische Heilsgeschichte in regelmässigen Abständen mit der Familie zu besprechen (siehe hier). Meine Jungs sollen nicht nur einzelne Stellen oder Geschichten, sondern auch die Zusammenhänge und grossen Linien kennenlernen. Doch meine Intention geht über die Familie hinaus: Wie Edith Schaeffer brenne ich darauf, Menschen, die von Gott in einen ehrlich fragenden und suchenden Zustand versetzt sind, auf ihre Erlaubnis hin ein Panorama der Bibel geben zu dürfen.

Meine Worte haben nur Autorität, insofern sie eine Wiederholung, Entfaltung und Anwendung der Schrift sind

John Piper beschliesst sein 33-jähriges Pastorat mit einem letzten Predigtwochenende (siehe dieser Bericht). Eindrücklich ist die Rückblende auf seine erste Predigt:

If I could choose a symbolic sound that Bethlehem Baptist Church would come to be known for, you know what it would be? The swish of the pages of 500 Bibles turning simultaneously to the morning and evening texts.

The reason is this: the source of my authority in this pulpit is not . . . my wisdom; nor is it a private revelation granted to me beyond the revelation of Scripture. My words have authority only insofar as they are the repetition, unfolding and proper application of the words of Scripture. I have authority only when I stand under authority. And our corporate symbol of that truth is the sound of your Bibles opening to the text. My deep conviction about preaching is that a pastor must show the people that what he is saying was already said or implied in the Bible. If it cannot be shown it has no special authority.

My heart aches for the pastor who increases his own burden by trying to come up with ideas to preach to his people. As for me, I have nothing of abiding worth to say to you. But God does. And of that word I hope and pray that I never tire of speaking. The life of the church depends on it.

Darunter kann ich nur ein kräftiges AMEN setzen.

 

Über der Herzgrenze (10): Verlangen nach Gottes Wort

Genauso, wie ein neugeborenes Kind ´auf Muttermilch begierig ist`, sollt ihr auf Gottes Wort begierig sein… (1. Petrus 2,2)

Ich freue mich über dein Wort wie einer, der grosse Beute macht. (Psalm 119,162)

Seit meinem 10. Lebensjahr hat mir Gott grosse Freude und Interesse an der Bibel gegeben. Dieses Hingezogensein zu seinen Aussagen hat sich seit der Operation verstärkt. Die einen mögen sagen: “Das ist halt deine Krücke.” Ich meine hingegen: Ich betrachte es als Vorrecht, dass der Heilige Geist das Verlangen nach seinen Aussagen intensiviert. Tag für Tag hat er mich an verschiedene Aussagen aus der Bibel erinnert. Zudem haben mir viele Freunde einzelne Verse und Passagen als Botschaften geschickt.

So habe ich mir eine neue Studienbibel (die ESV Study Bible) bestellt – zum Auftakt in einen neuen Lebensabschnitt. Ich schlage alle Aussagen nach, die mir in den Sinn kommen oder die mir zugesandt werden. Ich erwäge sie, bete darüber und mache mir am Rand der Bibel eine kurze Notiz mit Datum. Zwei Stränge gehen zusammen: Das Lesen von Gottes Offenbarung im Zusammenhang (objektive Seite) und das Verweben mit meinem persönlichen Lebensweg (subjektive Seite).

Hinweis: Kevin DeYoung hat hier eine wunderschöne Zusammenstellung zu Psalm 119 gemacht – ein Lesefestmahl.

Die Kinder in die Bibel einführen (5): Heilsgeschichte

Die Bibel bildet in sich ein schlüssiges Ganzes. Gott offenbart darin seine Geschichte, das heisst ein Panorama seines Weges mit der Welt und dem Menschen. Wenn wir vorschnell die Texte “nur” auf unsere persönliche Situation hin abklopfen, entgeht uns Wesentliches. Es lohnt sich, mit den Kindern immer wieder still zu stehen und den Platz eines Textes innerhalb von Gottes Geschichte zu bedenken:

  1. Was sind die grossen Linien von Gottes Geschichte? Es sind Schöpfung, Fall, Erlösung und Vollendung.
  2. Was schildert der Text von Gottes grossartiger Schöpfung? Was erinnert daran, dass die Schöpfung gefallen ist? Wo gibt es Hinweise auf die Erlösung und allenfalls auf die Vollendung?
  3. Insbesondere bei alttestamentlichen Texten: Gibt es Hinweise auf die Mitte der Heilsgeschichte, nämlich die Erlösung bzw. auf den Erretter?
  4. Was lehrt uns der Text über Gott und seine Regierung?
  5. Was sehen wir anders, nachdem wir diese Fragen bedacht haben?

Wie wäre es, wenn wir die Wüstenreise Israels, die Geschichte von Ruth und Esther, das Leben Davids oder gar einzelne Passagen aus den Propheten einmal aus dieser Perspektive in der Familie zu lesen beginnen würden?

Die Kinder in die Bibel einführen (4): Bibelkunde

Wenn ich mit meiner Familie in der Bibel lese, ist es mir ein Anliegen, sie nicht nur mit einzelnen Inhalten, sondern auch mit dem Ganzen vertraut zu machen. Sie sollen die Bibel als Geschehen in Raum und Zeit nachvollziehen und die einzelnen Teile miteinander in Verbindung bringen können.

Fragen, die ich wiederholt zur ganzen Bibel stelle:

  • Aus welchen beiden Teilen besteht die Bibel?
  • Weshalb heisst es Altes und Neues Testament?
  • Welche Bündnisse schloss Gott mit dem Menschen?
  • Was ist das zentrale Ereignis der Bibel? Lesen wir jetzt vor diesem oder nach diesem Ereignis?
  • In welche Büchergruppen können Altes bzw. Neues Testament unterteilt werden?
  • In welchem Zeitraum wurden AT bzw. NT geschrieben?
  • Wer schrieb die Bücher der Bibel?
  • In welchen Sprachen wurden sie geschrieben?
  • Wie sind uns die Inhalte erhalten geblieben?

Zu einem einzelnen Bibelbuch streue ich ab und zu Einleitungsfragen hinein:

  • Wer hat das Buch geschrieben?
  • Wann?
  • Wo?
  • Für wen?
  • Warum?

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