Von der Rechtfertigung

Diejenigen, die Gott wirksam beruft, die rechtfertigt er auch aus Gnaden, nicht indem er sie mit Gerechtigkeit erfüllt, sondern dadurch, dass er ihre Sünden vergibt und ihre Personen als gerecht erachtet und sie annimmt, nicht wegen irgend etwas, was in ihnen bewirkt oder von ihnen getan worden ist, sondern um Christi willen allein. Weder der Glaube selbst, nämlich der Glaubensakt, noch irgendein anderer evangelischer Gehorsam (wie die Umkehr zu Christus), wird ihnen als Gerechtigkeit angerechnet. Vielmehr erfolgt die Rechtfertigung dadurch, dass ihnen die Gerechtigkeit und die Sühne Christi angerechnet wird, wobei sie sich auf ihn und seine Gerechtigkeit verlassen und diese durch den Glauben empfangen; solch einen Glauben haben sie jedoch nicht aus sich selbst – er ist ein Geschenk Gottes.

Westminster Bekenntnis Artikel 11 – Von der Rechtfertigung

Ressourcen für Ostern

Ligonier hat eine Liste an Ressourcen - Bücher, Artikel, Audio- und Videobeiträge – für die Ostertage zusammengestellt. Warum nicht ein, zwei Stunden für ein Studium reservieren?

This week is Holy Week. Therefore Christians and Christian families all over the world are paying particular attention to the work of Jesus Christ in His life, death, and resurrection.

Das Audiobuch zu “The Truth of the Cross” gibt es zum kostenlosen Download. Die deutsche Buchversion ist günstig zu kaufen.

In der Familie lesen wir zusammen den Bericht zur Kreuzigung und Auferstehung aus dem Markusevangelium.

Aus der Bibliothek (27): Technik der Zukunft

Es ist eine Sache, einen Roman zu verschlingen. Das geht flüssig, einfach darum, weil es so spannend ist. Eine ganz andere Sache ist das Lesen eines Sachbuches. Ich habe meine Söhne schon früh angeregt, Sachbücher zur Hand zu nehmen. Wir haben auch eine Menge Sachbücher in ihrer Reichweite aufgestellt. So nehmen sie gerne eines zur Hand. In einer ruhigen Minute sehe ich sie auf ihren Betten liegen und darin blättern. Manche werden nur kursorisch durchgeblättert und punktuell gelesen.

Bei “Technik der Zukunft” (Untertitel: So funktionieren Netzhaut-Chip, HDTV, Supercomputer, Head-up-Display, Biometrie und vieles mehr) war es anders. Mein Junior las das ganze Buch von vorne nach hinten durch. Manchmal kam er zu mir oder meiner Frau und erklärte in eigenen Worten, was er gelernt hatte. Das Buch ist in vier Kategorien “Alltag”, “Verbinden”, “Freizeit” und “Mobil” aufgeteilt. Auf einer Doppelseite werden anhand von Darstellungen, gespickt mit Erklärungen, die Funtionsweisen von Geräten erklärt.

Alle wollten nur ihre eigene Haut retten – ausser einem

Ich sitze in der Garderobe. Mein Turnkollege: „Jetzt kommt Ostern. Da haben wir vergeblich auf ihn gewartet.“

Danke für den Steilpass. „Wer ist ‚wir‘?“

„Wir Menschen.“

Ich denke einen Augenblick nach. „Eigentlich war es eher umgekehrt“, erwiderte ich, „wir Menschen haben ihn gar nicht mehr erwartet. Sogar seine engsten Vertrauten dachten, nach seinem Tod sei alles zu Ende, vorbei. Dabei hatte Jesus vor seinem Tod angekündigt, dass er nach drei Tagen auferstehen würde.“

Ein verlegenes Lächeln.

Ich fahre fort: „Das war ja schon verrückt. Die Soldaten am Grab mussten geschmiert werden, weil es über Nacht ohne sichtbare Fremdeinwirkung leer geworden war. Diese Geschichte durfte niemand erfahren.“

Mein Gegenüber fuhr fort: „Ja, und der Pilatus sagte sogar: ‚Ich finde keine Schuld an ihm.‘“

„Ja, dem römischen Statthalter und Richter in dieser Angelegenheit war auch schnell klar, dass es hier um Neid auf Seite der Ankläger und nicht um Schuld des Angeklagten ging.“

„Das ist ja ähnlich wie heute. Jeder will nur seine Haut retten.“

„Jeder ausser einem. Dieser gab eben seine Haut hin für andere.“

Stille. „Vielleicht ist Gott ja nur Projektion.“

„Wie meinst du das?“

„Im Pfarrblatt habe ich es gelesen: ‚Ist Gott nur Projektion?‘

Ich denke nach. Was mag hinter dieser Frage stecken? Auf jeden Fall muss dieser Gott einerseits weit weg sein, und andererseits lässt er jemanden doch nicht ganz in Ruhe. „Ja, es gibt nur zwei Möglichkeiten für den Zirkelschluss: Entweder wir beginnen bei uns und denken uns Gott als Projektion. Falls es ihn gibt, würde das gar nichts über ihn ändern. Im Gegenteil. Wenn er wirklich existiert und uns geschaffen hat, liegt das Verfügungsrecht über uns gänzlich bei ihm.“

Eine kurze Pause. „Die andere Möglichkeit ist: Wir beginnen bei Gott. Er hat sich uns gezeigt und das, was ihm wesentlich ist über ihn und uns, dokumentiert.“

„Ich bringe dir den Artikel mit. Ein frohes Osterfest.“

Denn ich habe euch zu allererst das überliefert, was ich auch empfangen habe, nämlich daß Christus für unsere Sünden gestorben ist, nach den Schriften, und daß er begraben worden ist und daß er auferstanden ist am dritten Tag, nach den Schriften. (Paulus in der Bibel, 1. Korinther 15,3+4)

Buchbesprechung: Das wichtigste Buch von Francis Schaeffer

Francis A. Schaeffer. Geistliches Leben – was ist das? R. Brockhaus Verlag: Wuppertal/Genf, 1975. 184 Seiten. (vergriffen, aktuelle Angebote um 50 Euro)

Seit ich damit begonnen habe, Buchbesprechungen zu schreiben, war dieses Buch auf meiner inneren Liste. Ich habe es vor einigen Jahren gelesen. Immer wieder greife ich in Familienandachten und Predigten auf einzelne Ausschnitte zurück. „Die grundlegende Frage dieses Buches lautet: Was ist geistliches Leben – wahres geistliches Leben – und wie kann man es im Milieu des 20. Jahrhunderts verwirklichen?“ (9)

Die Vorgeschichte: Eine geistliche Krise

Francis Schaeffer bezeichnete das Mitte der 1970er-Jahre erschienene Buch als sein wichtigstes . Es ist unabdingbar, etwas über die Entstehungsgeschichte zu wissen. Schaeffer schreibt darüber im Vorwort: „In den Jahren 1951 und 1952 musste ich eine geistliche Krise in meinem Leben durchstehen. … ich sagte meiner Frau Edith, dass ich um der Ehrlichkeit willen bis zum meinem Agnostizismus zurückgehen und die ganze Sache noch einmal durchdenken müsste. Dies war für sie eine schwere Zeit, und ich bin sicher, dass sie viel für mich betete. Bei schönem Wetter wanderte ich durch die Berglandschaft, und wenn es regnete, ging ich auf dem Heuboden des alten Chalets, in dem wir damals wohnten, hin und her. Beim Gehen betete ich, durchdachte die Lehre der Bibel und überprüfte noch einmal die Gründe, die mich dazu geführt hatten, Christ zu werden.“ Was war das Ergebnis des Ringens? „Während meiner gesamten theologischen Ausbildung hatte ich nur wenig über das erfahren, was die Bibel über die Bedeutung des vollendeten Werkes Christi für unser jetziges Leben zu sagen hat. Als mir diese Bedeutung nun aufging, kam allmählich die Sonne wieder hinter den Wolken hervor, und etwas in mir begann zu singen. Interessanterweise konnte ich in jener Zeit der Freude wieder dichten…“ Vorerst entstanden Bibelfreizeiten auf Papierfetzen. Spätere Vorträge wurden auf Tonbändern aufgenommen. Zahllose Menschen mit geistlichen und – man höre – psychischen Nöten wurden durch die Botschaften verändert. Es ist höchste Zeit dieses Buch wieder hervorzuholen. Es spricht auch in unsere Zeit hinein.

Der Ausgangspunkt: Das 10. Gebot

Wo beginnt Schaeffer inhaltlich? Er startet mit dem Gesetz und dem Liebesgebot! Der Hintergrund: In den Gesprächsabenden in L’abri hatte er die Erfahrung gemacht, dass junge Leute mit christlichem Hintergrund gerne mit Verbotskatalogen arbeiteten, an der wahre Geistlichkeit erkannt werden konnte. Schaeffer setzt einen Kontrapunkt, indem er auf das 10. Gebot hinweist: ‚Du sollst nicht begehren‘. „Nun geht es allerdings beim christlichen Leben letztlich gar nicht um äusserliche, sondern um innere Dinge. … Es ist aufschlussreich, dass dies das letzte der Zehn Gebote Gottes ist, also gewissermassen der Abschlussstein. Am Ende gelangen wir zu einer inneren Haltung und nicht nur zu äusserlichem Verhalten. Ja, tatsächlich übertreten wir dieses letzte Gebot, das Gebot nicht zu begehren, bevor wir irgendeines der anderen übertreten.“ (13) Geistliches Leben erweist sich also zuerst in einer inneren Haltung. Und, so fährt Schaeffer fort, es ist eine „positive innere Wirklichkeit, die äusserliche Folgen hat.“ (22)

Sechs Wahrheiten, die ich für mein eigenes geistliches Leben mitgenommen habe

Für einen inhaltlichen Einblick gehe ich zu sechs verschiedenen Abschnitten, auf die ich regelmässig zurückgreife. (Eine detaillierte inhaltliche Abhandlung gibt William Edgar in seinem Buch “Schaeffer on the Christian Life”.)

  • Der unterbelichtete Zusammenhang zwischen dem Werk Christi und unserem Leben
  • Die Bedeutung, mit Christus gestorben zu sein
  • Die Auswirkung, als Auferstandene für Christus zu leben
  • Die Haltung der aktiven Passivität
  • Der zentrale Schauplatz unseres Kampfes, nämlich unsere Gedanken
  • Die Frage der Heilung: Substanzielle Heilung

1. Was ist die Bedeutung des Werkes Christi für uns heute?

Die traditionelle orthodoxe Linie der Reformation habe die bewusste Seite des christlichen Lebens nicht ausreichend betont. Als Auswirkung davon ortet Schaeffer fünf Spielarten der Unwissenheit (88f).

  1. Man hat jemandem gesagt, wie jemand gerechtfertigt wird, aber nicht, welche Bedeutung dies für die Gegenwart hat.
  2. Man liess jemanden im Glauben, er müsse, nachdem er Christ geworden sei, das christliche Leben aus eigener Kraft führen.
  3. Wenn jemand Christ geworden ist, ist es gleichgültig, wie er lebt.
  4. Ein Christ wird schon in diesem Leben vollkommen werden.
  5. Es wurde nicht  aufgezeigt, dass es eine Wirklichkeit des Glaubens gibt, nach der bewusst gehandelt werden soll.

2. Die harte Worte: Als Christ sind wir der Welt gestorben

Paulus schreibt davon, dass wir mit Christus begraben sind (Römer 6,4) und unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist (Römer 6,6; Galater 2,20). Durch ihn sind “mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.” (Galater 6,14) Das sind harte Aussagen. Schaeffer schreibt dazu (S. 24-25; Hervorhebungen von mir):

Das Wort Gottes lässt … keinen Zweifel daran aufkommen, dass wir in allen Umständen – auch in schweren Lagen – zufrieden sein und Gott danken sollen. Dies ist eine wirkliche Negation: Wir sollen der Herrschaft der Dinge und unseres Ichs unser ‘Nein’ entgegensetzen. … Gefordert wird eine klare Absage. Wir müssen bereit sein, uns selbst zu verleugnen und auf gewisse Dinge zu verzichten, damit das Gebot, Gott und Menschen zu lieben, wirkliche Bedeutung erlangt. … Nun muss an dieser Stelle jeder, der ehrlich mitdenkt, zugeben, dass die Forderung der Heiligen Schrift als harte Zumutung erscheint. Wenn wir von der normalen Lebensanschauung des Menschen geprägt sind und uns dann aufrichtig diesen Forderungen der Bibel stellen, bleiben uns nur zwei Möglichkeiten: Wir müssen sie entweder romantisieren und behaupten, diese Aussagen sollten uns nur ein gutes Gefühl vermitteln, und eines Tages, irgendwann einmal – bei der zukünftigen Herrschaft Christi oder im ewigen Himmel – würden sie praktische Bedeutung erlangen. Oder (wenn wir diese Worte so annehmen, wie sie die Bibel sagt) wir müssen das Gefühl haben, vor einer unüberwindlichen Mauer zu stehen. … Wenn wir von einer Mentalität umgeben sind, in der alles an der Grösse und am Erfolg gemessen wird, und dann plötzlich gesagt bekommen, zum christlichen Leben gehöre dieser starke negative Aspekt des Verzichts und der Selbstverleugnung, dann muss uns das hart erscheinen, sonst haben wir es noch nicht in seiner Tragweite erfasst.

3. Die befreiende Perspektive: Wie Tote, die ins Leben zurückkommen

Daran schliesst sich eine nächste Tatsache an: Wir kommen als Auferstandene ins Leben zurück. „So sollt auch ihr euch als solche ansehen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus, unserem Herrn.” (Römer 6,11) Schaeffer bemerkt (46-47):

Wir sollen also aufgrund unseres Glaubens jetzt schon so leben, als seien wir allem gestorben, damit wir eine lebendige Beziehung zu Gott haben. … Wann soll das geschehen? Jetzt, in diesem Augenblick! … Wir sollen in unserem Denken und Tun jetzt so leben, als seien wir schon gestorben, im Himmel gewesen und als Auferstandene wieder zurückgekommen. … Was kann die Anerkennung der Welt einem Menschen bedeuten, der in der Gegenwart Gottes gewesen war? Was hat die Welt gegenüber den Schätzen des Reiches Gottes noch an Reichtümern zu bieten? Der Mensch strebt nach Macht, aber welche Bedeutung hat irdische Macht noch, wann man die Wirklichkeit des Himmels und die Macht Gottes gesehen hat? … Nun kann echtes geistliches Leben im biblischen Sinn entstehen. Verworfen, getötet, auferweckt: Nun sind wir bereit, in dieser Welt, in Raum und Zeit, gebraucht zu werden. Mehr noch: Nun können wir uns an dieser Welt als Geschöpfe freuen, weil auch die Welt von Gott geschaffen ist. Wir können uns daran freuen, auch wenn wir sie realistisch so sehen, wie sie seit dem Sündenfall nun einmal ist.

4. Aktive Passivität: Moment für Moment die leeren Hände ausstrecken

Immer wieder ins Gedächtnis rufe ich mir die „existenzielle Jüngerschaft“ (so meine Bezeichnung). Schaeffer beschreibt das so (90-91; 101):

Heiligung geschieht, wie auch das Leben, Augenblick für Augenblick. Der Glaube von heute Morgen reicht nicht für heute Mittag. Das ist die Praxis der ‚aktiven Passivität‘. Das ist die einzig mögliche Art zu leben; niemand kann anders als Augenblick für Augenblick leben. Maria ist dafür ein Beispiel: Nach der Ankündigung, dass sie den Messias gebären werde, antwortete sie: ‚Mir geschehe nach deinem Wort!‘ (Lukas 1,38)

Nicht wir überwinden aus eigener Kraft die Welt. Wir haben kein Kraftwerk in uns, das die Welt überwinden kann. Das Überwinden geschieht durch das Werk des Herrn Jesus Christus… Sieg, praktischen Sieg, kann es dann geben, wenn wir die leeren Hände des Glaubens Augenblick für Augenblick ausstrecken, um die Gabe in Empfang zu nehmen: ‘Das ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.’ Gott hat versprochen, dass es eine Möglichkeit gibt, der Versuchung zu widerstehen; so steht es in der Bibel. Durch Gottes Gnade sollten wir auch widerstehen wollen.

5. Der wichtigste Schauplatz: Der wirkliche Kampf findet im Denken statt.

Das geistliche Leben des Christen ist in seinem Denken verankert. Der wirkliche Kampf um Menschen spielt sich deshalb in der Welt der Gedanken und Vorstellungen ab „und nicht in einem äusseren Bereich.“

Es ist sinnlos, über die Liebe zu Gott zu reden, wenn wir dabei nicht begreifen, dass sie sich in der inneren Welt unserer Gedanken ereignet. Wirkliche persönliche Gemeinschaft bleibt nie äusserlich. Sie verbindet immer das Zentrum einer Person mit dem einer anderen. Das gilt z. B. für die Ehebeziehung: Wenn man nur körperlichen Kontakt hat, hat man noch keine Gemeinschaft auf einer persönlichen Ebene. Der Kontakt muss sich vielmehr bis ins Zentrum der Person erstrecken. (124-125)

6. Substanzielle Heilung

Im 10. Kapitel geht Schaeffer auf den Einfluss des geistlichen Lebens auf psychische Probleme ein. „Seit dem Sündenfall gibt es keine Person, die körperlich wirklich gesund oder psychisch vollkommen ausgeglichen ist. Infolge des Sündenfalls sind wir als Einheit und in allen unseren Teilen entstellt.“ (133) Eine zentrale Frage lautet: Wie weit können wir psychisch und physisch in diesem gegenwärtigen Leben wiederhergestellt werden? Schaeffer hat dazu den hilfreichen Begriff der „substanziellen Heilung“ geprägt.

Aufgrund des vollkommenen Werkes Christi wird bei der Auferstehung des Leibes der Mensch psychisch und physisch vollkommen sein. Diese psychologische Spaltung kann aber schon jetzt, in diesem Leben, substantiell überwunden werden. Es ist keine vollkommene, aber eine wirkliche und substantielle Überwindung. Die Heilung kann und muss wesensmässig sichtbar sein, wenn sie auch noch nicht in diesem Leben vollkommen ist. … Gott kann und wird immer wieder umfassende Heilung schenken, aber er tut es nicht immer. Selbst wenn Gott jemanden von einer bestimmten Krankheit völlig heilt, muss das nicht heissen, dass der Betreffende dann in jeder Hinsicht vollkommen gesund ist.

Der Abschluss

Verändertes Denken führt zu verändertem Handeln. In den letzten Kapiteln geht es um Heilung in persönlichen Beziehungen und in der Gemeinde. „Wenn ich anerkenne, dass ich wirklich nicht Gott bin und dass wir seit dem Fall alle sündig sind, kann ich wirkliche menschliche Beziehungen eingehen, ohne mich selbst völlig aufzureiben, weil sie nicht vollkommen und in sich nicht genug sind.“ (155) „Wenn ich einen Menschen wirklich liebe wie mich selbst, werde ich danach verlangen, dass er ist, was er aufgrund des Werkes Christi sein könnte…“ (157) „Wenn ich in einer wirklichen Beziehung zum dreieinigen Gott lebe, werden meine Beziehungen zu anderen Menschen in gewisser Weise wichtiger, weil ich dann den wirklichen Wert des Menschen sehe, zugleich aber auch wieder unwichtiger, weil ich in diesen Beziehungen nicht mehr Gott sein muss. Nun kann ich zu einem Menschen hingehen und ihm sagen, dass es mir leid tut was ich ihm angetan habe, ohne damit den Integrationspunkt meines Universums zu zerschlagen, weil nicht mehr ich dieser Punkt bin, sondern Gott.“ (162) Dem habe ich nichts mehr anzufügen.

Die Verleugnung der Schöpfungskraft Gottes

Die vielfältigen Ausdrucksweisen der modernen liberalen Religion fussen im Naturalismus, der bewussten Verleugnung der Schöpfungskraft Gottes (im Unterschied zum gewöhnlichen Lauf der Natur), die wiederum die Wurzel allen christlichen Glaubens ist.

… Inmitten all des modernen und materiellen Umschwungs sollten wir innehalten und uns fragen, ob wir durch den Gewinn der Welt nicht unsere eigene Seele verloren haben.

J. Gresham Machen. Christentum und Liberalismus. 3L Verlag: Waldems 2013. (12+26)

Aus den Medien: Aus den Augen, aus dem Sinn – von allen guten Geistern verlassen – Gehör verschafft

Ein Land versinkt im Chaos

Mich interessiert es, wie es einem Land ergeht, das vor einigen Jahren im Bürgerkrieg versank. Wir haben über Monate für Lybien gebetet. Wie steht es heute um das Land?

Gewalt ist in Libyen alltäglich. Die Machtkämpfe der politischen Kräfte verhindern den Aufbau nationaler Sicherheitskräfte und demokratischer Institutionen. Das Land wird immer unregierbarer. Ohne nationale Vision nützt ausländische Hilfe wenig.

Von allen guten Geistern verlassen

Klaus Kelle übte im Magazin Focus scharfe Kritik an der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Was würde also Martin Luther von dem halten, was die EKD heute so treibt? Wir werden es nie erfahren. Aber ich denke, es würde ihm nicht gefallen. In Deutschland wird viel darüber geschrieben, dass die Kirchenbänke sonntags immer leerer werden und eine wachsende Zahl von Menschen nicht mehr glauben will. Oder kann. Und das ist wahr.

Sich Gehör verschaffen

Ich verfolge die Demonstrationen um den Bildungsplan in BW aufmerksam. “Wir kommen wieder!” schreibt das Komitee “Demo für alle” (VD: UW).

Die rosa-blaue Demo für alle hat Ministerpräsident Kretschmann schließlich zum Handeln gezwungen. Kurzfristig hat er das Thema »sexuelle Vielfalt« im Kabinett beraten und eine Revision des Bildungsplans angekündigt. Mehr als einige Schönheitskorrekturen stehen allerdings nicht zu erwarten. Deshalb heißt es jetzt dranbleiben und weitermachen.

Input: Die neue sexualethische Orthodoxie

Denny Burk punktet bei mir durch seine prägnanten Beiträge. Er schrieb drei Beiträge im Zusammenhang mit der Entlassung des Mozilla-CEO’s.

1. Die Beurteilung des Vorfalls

“There is a culture war being waged in this situation, but not by Eich. Eich’s views on marriage have had no impact on his performance except that opponents view his opinions as bigoted and outside the bounds of rationality. In other words, supporting traditional marriage renders one unfit to lead a major corporation. Notice too that acceptance of gay marriage is the necessary condition of free speech at Mozilla. Yes, one can have free speech at this company as long as it does not conflict with the new orthodoxy on marriage.”

2. Einschätzung: Bloss ein Anfang

“You can bet its not just Mozilla. Now that the bullies have Eich’s head as a trophy on their wall, they will put the heat on every other corporation and major employer. They will pressure them to refuse employment to those who decline to conform their views to the new orthodoxy. And you can also bet that it won’t end with same-sex marriage. Next, it will be support for the pro-life cause that will be treated as moral turpitude in the same way that support for marriage is treated. Do you believe in protecting unborn babies from being slain in the womb? Why, then: “You are a misogynist. You are a hater of women. You are a bigot. We can’t have a person like you working for our company.” (Robbie George, Princeton)

3. Über die Notwendigkeit des geradlinigen, liebevollen Kommunizierens

“Yes, we must be winsome. We must be kind. We should not be pugnacious. It matters how we say what we say. It is our joy to love our neighbors and even our enemies. When we walk in this kind of generous spirit, it will open up bridges of opportunity that wouldn’t otherwise be open. All of that is true. … No amount of winsomeness will exempt us from the reproach that comes when we speak plainly about what the Bible teaches. If you speak plainly about sin, there will always be some who will vilify you as angry, bigoted, hateful or worse. Jesus told us that it would be this way (John 15:18-21).”

Buchreview: Plantinga und der Glaube als basale Überzeugung

Ich suche gezielt nach guten Besprechungen, um mich an grosse Werke heran zu wagen. Douglas Groothuis rezensierte 2000 das Werk des US-amerikanischen Philosophen Alvin Plantinga „Warranted Christian Belief“.

Plantinga is the leading thinker in a movement known as Reformed epistemology, although not all Reformed philosophers or theologians endorse his views on religious knowledge. Plantinga, however, takes his cue from comments in Calvin and other Reformed thinkers to the effect that the knowledge of God does not require support from other beliefs that we hold because it is directly given by the Holy Spirit.

Plantinga’s key philosophical move in light of the failure of classical foundationalism is to argue that belief in God is one kind of belief that may be properly basic. If it is, we need not argue for God’s existence on the basis of things we already know through differing forms of arguments (reasoning from premise to conclusion). Rather, we come to believe in God “in the basic way.”

He believes that Christian belief can have warrant when our faculty for sensing the divine—what Calvin called the sensus divinitatis—is functioning properly (through the “internal instigation of the Holy Spirit”) such that we believe in “the great things of the gospel”  (Jonathan Edwards) and these truths are “sealed in our hearts” (Calvin) experientially.

If one doesn’t have to play the evidence game, so to speak, one need not be threatened by some anti-Christian arguments. Plantinga goes further in claiming that if one’s Christian belief requires outside evidence for God’s existence and the specifics of Christian orthodoxy, one is at an epistemological disadvantage.

Christian belief is more like memory beliefs: “Everyone . . . accepts memory beliefs. We all remember such things as what we had for breakfast, and we never or almost never propose such beliefs as good explanations of present experience and phenomena. And the same holds for theism and Christian belief in the suggested [A/C] model” (p. 330).

Zu einer näheren Beschäftigung mit Plantinga empfiehlt sich die Dissertation von Ralf-Thomas Klein „Können christliche Glaubensüberzeugungen Wissen sein?“ (2010).

Das Buch von Plantinga ist in die CCEL aufgenommen und kann von dort heruntergeladen werden.

Aus der Bibliothek (26): Schorschi schrumpft

Meine Frau gibt sich Mühe, für jeden Buben passenden Lesestoff auszusuchen. Die Geschmäcker sind ganz unterschiedlich. Unser Zweiter liest zur Zeit “Schorschi schrumpft”. Es sind fantasievolle Lausbubengeschichten. Die Schrift ist relativ klein (auch ein Übungsfeld), das Schriftbild sehr angenehm. Jede Seite ist in sich abgeschlossen und auf der rechten Seite mit einer prägnanten Zeichnung unterstützt. Für junge Leser ist das eine ideale Ergänzung. Anhand dieser Darstellungen lässt es sich auch leichter zusammenfassen. Im Anschluss an die mündliche Zusammenfassung erteile ich Schreibaufträge: Einige Sätze abschreiben (um das Schreiben zu trainieren und sich das Schriftbild von Worten zu merken), dann noch einige Sätze frei schreiben.

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