Ankündigung: Serie “Unsere Kinder in die Selbständigkeit begleiten”

Aus meinen Tagebuch-Serien über das Leben als fünffacher Bubenvater sind in den letzten Jahren sechs Folgen mit rund 500 Einträgen entstanden. Der Folgen-Verlag wird sie in nächster Zeit geordnet und leicht überarbeitet als ebooks herausbringen.

Für die nächsten Monate habe ich mir einen neuen Fokus für die siebte Serie vorgenommen. Wie können wir unsere Söhne unterstützen, zunehmend selbständiger zu werden? Ich werde protokollieren, mit welchen Gedanken und Handlungen meine Frau und ich sie in diesem Unterfangen begleiten. Wie bei allen bisherigen Einträgen ist dies keine abgeklärte Angelegenheit eines Vaters, der es bereits geschafft hat. Es geht um das Ringen von zwei Menschen, die sich gleichzeitig ihrer Unzulänglichkeit, aber auch der mächtigen Hilfe Gottes bewusst sind.

Warum ist mir dieses Thema so wichtig? Zum Einstieg empfehle ich “Kinder brauchen Herausforderungen, um als Erwachsene erfolgreich zu sein!” vom Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch und meinen Post “Abschied in Raten”.

Über das verlorene Versmass in der Poesie

Louis Markos, Englischprofessor, deutet den Abschied vom metrischen Versmass als Folge der Verabschiedung von der kosmischen Ordnung:

Though many critics of modern poetry accuse free-verse poets of a lack of discipline, an excess of self-indulgence, and even a streak of laziness, I believe that the post–World War I abandonment of traditional meter masks a deeper shift in the arts. (649-50)

By making use of set aesthetic forms—whether in poetry, the visual arts, or music—the creative geniuses of Europe and America attempted to reflect that cosmic order and balance. (652-53)

For a century now, armies of poets and critics have sought to cast off traditional metrical schemes and stanza forms as they would a straightjacket. They thought that by doing so they would liberate the imagination and allow creativity to thrive. Alas, like most of the utopian promises of the modern world, free verse has more often crushed meaning than enhanced it, turning poets inward and trapping them in a suffocating prison of egocentric, if not narcissistic, self-expression. (759-62)

 Markos sieht das Ideal in “inkarnationaler Poesie”:

Poetry, when it is most worthy of itself, is incarnational, fusing form and content, sound and sense into a two-into-one union. The aesthetically beautiful forms of traditional poetry are good, even as the body God created for us is good. Yes, we, our world, and our arts are fallen, but the hand of the Maker persists, and we pay homage to that Maker when we fashion a beautiful body to house (incarnate) the artistic ideas that he inspires in us. The modern Western world has, in many ways, lost its perception of and belief in a world of order, beauty, and purpose, and that loss is partly reflected, I believe, in the abandonment of traditional meter. (661-62)

Louis A. Markos. Literature: A Student’s Guide. Crossway: Wheaton, 2012. (Kindle-Version)

Fragmente aus Narnia: Experiment House

„Experiment House“ bildet den (negativ besetzten) Hintergrund in der sechsten Folge der Narnia-Chroniken, „Silver Chair“. Es handelt sich um eine geschlechter-gemischte Schule. Der Name deutet darauf hin, dass an der Schule experimentiert wird. Manche vermuten, dass Lewis‘ eigene negative Schulerlebnisse den Hintergrund für diese Buchkulisse bilden. Die einführende Szene ist aufschlussreich:

This is not going to be a school story, so I shall say as little as possible about Jill’s school, which is not a pleasant subject. It was “Co-educational,” a school for both boys and girls, what used to be called a “mixed” school; some said it was not nearly so mixed as the minds of the people who ran it. These people had the idea that boys and girls should be allowed to do what they liked. And unfortunately what ten or fifteen of the biggest boys and girls liked best was bullying the others. All sorts of things, horrid things, went on which at an ordinary school would have been found out and stopped in half a term; but at this school they weren’t. Or even if they were, the people who did them were not expelled or punished. The Head said they were interesting psychological cases and sent for them and talked to them for hours. And if you knew the right sort of things to say to the Head, the main result was that you became rather a favorite than otherwise.

Die verstreut im Buch auftauchenden Bemerkungen zum “Experiment House” sind auffällig (und erinnern an die aktuelle Schulsituation):

  • Ein gehasster Ort: “Look here, Pole, you and I hate this place about as much as anybody can hate anything, don’t we?” (4)
  • Keine Ermutigung die Bibel zu lesen: “(When I was at school one would have said, “I swear by the Bible.” But Bibles were not encouraged at Experiment House.)” (6)
  • Man rechnet die Wochen Urlaub und Unterricht im voraus aus – ein Audruck der Hoffnunglosigkeit: „They … thought of all the hopelessness of Experiment House (it was a thirteen-week term and there were still eleven weeks to come)…“ (6)
  • Vermeidungsverhalten vor Inhalten: (Owing to the curious methods of teaching at Experiment House, one did not learn much French or Maths or Latin or things of that sort; but one did learn a lot about getting away quickly and quietly when They were looking for one.) (9)
  • Unwissenheit über die biblische Schöpfungsgeschichte: “people at Experiment House haven’t heard of Adam and Eve, so Jill and Eustace couldn’t answer this.” (40)
  • Keine Höflichkeitsformen: “(girls are not taught how to curtsey at Experiment House”) (112)
  • Wenn die Exponenten von Experiment House auf Aslan treffen: “Their faces changed, and all the meanness, conceit, cruelty, and sneakishness almost disappeared in one single expression of terror. … with the strength of Aslan in them, Jill plied her crop on the girls and Caspian and Eustace plied the flats of their swords on the boys so well that in two minutes all the bullies were running like mad, crying out, “Murder! Fascists! Lions! It isn’t fair.” And then the Head (who was, by the way, a woman) came running out to see what was happening. And when she saw the lion and the broken wall and Caspian and Jill and Eustace (whom she quite failed to recognize) she had hysterics and went back to the house and began ringing up the police with stories about a lion escaped from a circus, and escaped convicts who broke down walls and carried drawn swords.” (255-256)

Buchbesprechung: Allgemeine Gnade

Herman Bavinck, trans. R. C. Van Leeuwen, Common Grace,  Calvin Theological Journal 24 (1989), S. 35-63.

Die 1894 von Herman Bavinck gehaltene Rektoratsrede in Kampen gilt als Schlüsseltext des Denkers. Zum Thema der „Allgemeinen Gnade“ haben sich in den vergangenen 100 Jahren zahlreiche weitere Denker in reformierter Tradition zum Teil kontrovers geäussert. Bekannt sind die Ausführungen von Abraham Kuyper, dessen Artikelserie 1902-1904 als erweitertes Werk „De gemeene gratie“ in drei Bänden erschien. Bavinck musste mit den Überlegungen Kuypers, so weit sie bis dahin entwickelt waren, vertraut gewesen sein. Auch wenn der Aufsatz Bavincks nicht isoliert betrachtet werden darf (wichtig sind z. B. die Aufsätze „Calvin and Common Grace“ sowie “The Catholicity of Christianity and the Christian Church“), enthält der Aufsatz gewichtige Argumente. Diese betreffen die Grundspannung jedes Christen zwischen seiner irdischen und seiner himmlischen Berufung (56).

Bavinck bezeichnet die „Allgemeine Gnade“ ausdrücklich als reformierte Lehre (39). Er unterteilt den Aufsatz in vier Schritte: Zuerst die biblisch-theologische Begründung der „Allgemeinen Gnade“; dann die Analyse, weshalb die Lehre im römisch-katholischen System keinen Platz hatte; drittens seine Argumentation, weshalb sie durch die Wende der Reformation, insbesondere durch Calvin, ins Blickfeld geriet; zuletzt, weshalb sie von grösster Relevanz für die Gegenwart ist. Bavinck verfolgt damit seine übliche Vorgehensweise, nämlich eine Darlegung anhand des Alten und Neuen Testaments zu liefern, dann die Entwicklung der Dogmengeschichte aufzuzeigen, um an aktuelle Fragen anzuknüpfen.

Die biblisch-theologische Begründung (39-44)

Zunächst ist Bavinck bestrebt die Kontinuität der göttlichen Offenbarung vor und nach dem Sündenfall herauszustreichen. Offenbarung existierte schon vor dem Fall. Gott sprach zum Menschen (Gen 1,28-30), gab ihm ein Gebot (Gen 2,16) und gesellte ihm die Frau als Hilfe zu (Gen 2,22). Nach dem Fall fürchtete sich der Mensch vor Gott (Gen 3,8+9). Die göttliche Offenbarung dauerte an, erhielt allerdings einen veränderten Inhalt. „Nun kommt die Offenbarung zum schuldigen Menschen, der den Tod verdient hat, als Offenbarung der Gnade.“ (40) Diese Gnade bleibt jedoch nicht einheitlich, sondern teilt sich in allgemeine und spezielle Gnade auf. Deutlich wird dies bei den beiden Söhnen des ersten Menschenpaares: Kain wird aus Gottes Gegenwart vertrieben (Gen 4,14+16). Er und seine Nachkommen beginnen mit der Entwicklung der menschlichen Kultur (Gen 4,15-24). Die Nachkommen Sets hingegen erhalten Kenntnis von Gott und beginnen mit Gottesdienst (Gen 4,25-5,32).

Einen weiteren Entwicklungsschritt sieht Bavinck im noachitischen Bund. Nach der Sintflut lebte die neue Menschheit durch Gottes Gnade weiter. Gott schloss einen Bund mit der ganzen Natur und mit jedem lebenden Wesen (Gen 8,21+22, Gen 9,1-17). Dieser Bund markierte den Anfang einer langen Periode der Geduld Gottes (Röm 3,25+26), begleitet durch die Ignoranz des Menschen (Apg 17,30). Gott erlaubte den Völkern in ihren eigenen Wegen zu gehen (Apg 14,16), obwohl er sich nicht unbezeugt liess (Apg 14,17). Der Logos, der alles geschaffen hat und erhält, erleuchtet den Menschen (Joh 1,9). Der Heilige Geist ist der Autor allen Lebens und aller Tugend (Gen 6,17; 7,15, Ps 33,6; 104,30; 139,2; Hiob 32,8; Pred 3,19). Dieses Erhalten der Schöpfung ist ein positiver Akt von Seite Gottes, des ständig wirkenden Vaters (Joh 5,17).

Die spezielle Gnade offenbart Gott durch seinen Bund mit den Nachkommen Abrahams. Er erfüllt seine Verheissungen schliesslich im Gnadenbund durch Christus. Der Unterschied zwischen der Religion Israels und den anderen Religionen liegt somit nicht in der Offenbarung an sich, sondern in der speziellen Gnade. Gott schloss mit Abraham und seinen Nachkommen einen Bund. Der Schöpfergott machte sich ihm als Jahwe, den Gott des Bundes, bekannt. Israels Friede und Heil sind nur in ihm zu finden. Er ist ihr Fels und ihr Licht (Ps 27,1), der Gegenstand ihres Begehrens (Ps 42,1; 73,25). Sein Gesetz ist ihre Wonne (Ps 119,97) und Licht für ihren Weg (Ps 119,105). Ihre Freude ist es – in Davids Worten ausgedrückt – mit einem gereinigten Herzen und einem erneuerten Geist zu leben (Ps 51,10). Israels Glaube findet seine eigentliche Erfüllung in Christus. Er ist der ultimative Inhalt des Gnadenbundes und damit der speziellen Gnade. In ihm treffen die allgemeine und die spezielle Gnade wieder zusammen.

Die eschatologische Optik bildet eine nicht zu überhörende Stimme innerhalb der Melodie des Aufsatzes über die Allgemeine Gnade. (Bavinck kommt allerdings erst im vierten Abschnitt darauf zu sprechen, siehe S. 59.) Erst wenn das Königreich Gottes in seiner Fülle gekommen und Christus es in die Hand des Vaters zurückgegeben haben wird, kann die ursprüngliche Ordnung ganz wiederhergestellt werden. Ja, Christus gibt sogar noch mehr, als die Sünde gestohlen hat. Er stellt den Menschen nicht nur im Stand Adams vor dem Sündenfall wieder her, sondern macht uns zu Menschen, die nicht mehr sündigen (1Joh 3,9) und nicht mehr sterben (Joh 11,25) können. So wie wir im Bild des Irdischen geboren wurden, so werden wir nach unserer Auferstehung das Bild des Himmlischen tragen (1Kor 15,45-49). Ein neuer Gesang wird im Himmel angestimmt (Offb 5,9), auch wenn die ursprüngliche Ordnung der Schöpfung bestehen bleibt.

Das System der römisch-katholischen Kirche (44-49)

Im römisch-katholischen Verständnis schuf Gott den Menschen im Zustand der Unschuld und beschenkte ihn mit dem donum superadditum („überschüssige Zugabe“). Diese Zugabe verlor er durch den Sündenfall, seine natürlichen Gaben behielt er jedoch. Diese Unterscheidung legte den Grundstein für eine doppeltes Ziel des Menschen, nämlich ein höheres und ein niederes. Diese Zweiteilung wirkte sich auf das gesamte Menschsein aus, indem sie zwei getrennte Bereiche, den natürlichen und den übernatürlichen, schuf.

Die (Wieder-)Entdeckung durch die Reformation (49-55)

Nach Bavinck ist es insbesondere Calvin zu verdanken, diesen Dualismus beseitigt zu haben. Calvin unterschied zwischen allgemeiner und spezieller Gnade, zwischen dem (allgemeinen) Wirken des Geistes in der gesamten (sündigen) Schöpfung und dem (speziellen) Werk der Heiligung. Die Reformation konnte jedoch einseitige Entwicklungen nicht verhindern: Die eine Strömung spielte die allgemeine Gnade herunter, während die andere die spezielle Gnade zu wenig klar herausstellte.

Die Bedeutung für die Gegenwart (55-65)

Die Allgemeine Gnade ist Schüssel zum Verständnis der Spannung – nicht aber der Trennung – zwischen „Glaube und Wissen, Theologie und Philosophie, Autorität und Vernunft, Kopf und Herz, Christentum und Menschheit, Religion und Kultur, der himmlischen und der irdischen Berufung, Religion und Moral, des kontemplativen und des aktiven Lebens, von Sabbat und Werktag, von Kirche und Staat.“ (56) Es geht um die Spannung von irdischer und himmlischer Berufung. Bavinck fügt gleich hinzu, dass es in der Jetztzeit keine völlige Ausgewogenheit geben würde. Jede Person und jede Bewegung würde sich einer kleineren oder grösseren Einseitigkeit schuldig machen.

Welche konkreten Auswirkungen hat dies für das Leben des Christen? Bavinck nennt davon fünf (allerdings nicht in einer ausdrücklichen Aufzählung):

  1. Es schiebt allem Separatismus oder Bewegung der Askese den Riegel bzw. entzieht solchen Bemühungen ihren Boden. Sünde ist nicht Substanz (materia), sondern Form (forma). Sünde sit nicht Essenz, sondern Veränderung (privatio).
  2. Der Christ ist nicht aufgefordert, eine neue übernatürliche Ordnung ins Leben zu rufen. „Das Christentum hat kein einziges fremdes Element in die Schöpfung eingeführt. Es bringt keinen neuen Kosmos hervor, sondern macht den Kosmos neu. Es stellt wieder her, was durch die Sünde verdorben worden war. Es versöhnt das Schuldige und behandelt das Kranke; das Verwundete heilt es.“
  3. Für den Einzelnen bedeutet es vor allem, treu seiner irdischen Berufung nachzugehen. „Wenn wir in dieser Gnade stehen, in der Freiheit, mit der Christus uns frei gemacht hat, sollen wir unseren christlichen Glauben in der treuen Ausübung unserer irdischen Berufung leben.“
  4. Im kollektiven Sinn regelt es die Beziehung zwischen Familie und Gesellschaft, zwischen Kirche und Staat. Familie, Staat und Gesellschaft sind nicht von der Kirche abhängig, sondern sind direkt durch den Schöpfer ins Leben gerufen. Jede dieser Institutionen ist von Gott mit eigener Autorität ausgerüstet worden.
  5. Lebensbereiche wie beispielsweise Kunst und Wissenschaft haben ihren Ursprung in der allgemeinen und nicht in der speziellen Gnade. Sie entstammen der Linie Kains. „Die Künste und Wissenschaften haben ihr principium nicht in der speziellen Gnade der Wiedergeburt und Bekehrung, sondern in den natürlichen Geschenken und Talenten, die Gott in seiner Allgemeinen Gnade auch den Ungläubigen gegeben hat.“ Bavinck nennt übrigens als biblische Beispiele: Moses, der in der Weisheit der Ägypter trainiert worden war; Salomo, der die Dienste von Hiram für den Tempelbau in Anspruch nahm; die Israeliten, welche die Stiftshütte mit dem Gold und Silber Ägyptens schmückten; Daniel, welcher in der Weisheit der Chaldäer ausgebildet wurde; die Weisen aus dem Osten, die ihre Schätze vor Jesus niederlegten. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Stellung der Theologie aus der Sicht Bavincks. Sie ist sozusagen der Spezialfall unter den Wissenschaften. Sie verfügt über ein eigenes Prinzip, Objekt und Ziel, das sie ausschliesslich aus der speziellen Gnade bezieht. Sie wurde durch das Zusammenfinden von allgemeiner und spezieller Gnade ins Leben gerufen und gehört darum auch in die Reihe der Wissenschaften. Sie ist nicht Königin der Wissenschaften, sondern herrscht, indem sie den anderen (zu)dient.

Fazit

In diesem Aufsatz wird auf kurzem Raum eine enorme Menge an Überlegungen und Argumenten auf den Tisch gebracht. Auch wenn man Bavinck nicht in allem folgen kann: Die Kombination aus biblisch-theologischen, dogmengeschichtlichen und aktuellen Argumenten regt zur Nachahmung an. Wer in einer anderen Richtung argumentiert, sollte die Argumente in allen drei Bereichen sorgfältig bedenken. Überzeugt bin ich vom Argument Bavincks, dass jeder Mensch die Grundfrage der Beziehung zwischen himmlischer und irdischer Berufung zu klären hat. Ihre Existenz abzustreiten oder sich gar nicht mit ihr zu beschäftigen, führt in meiner Beobachtung zu einer ungleich grösseren Unausgewogenheit entweder in Richtung Weltflucht oder Anpassung. Manchmal scheint mir, dass gerade durch Weltflucht die Hintertür offen gelassen wird für das Eindringen von nicht reflektierten, weltlichen Gedanken und Gewohnheiten.

Aus den Medien: Mossul, Birmingham, Nordsudan, Bern

Mossul erstmals ohne Christen

Christen müssen Mossul verlassen, wie die ”Zeit” am Wochenende schrieb (VD: MB). Beachtenswert sind die Leserkommentare.

Tausende christliche Einwohner versuchen in Taxis und Autos die nordirakische Stadt Mossul zu verlassen. Die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) hatte den Christen bis Samstagmittag Zeit gegeben, zum Islam zu konvertieren oder die Stadt zu verlassen. Sollten sie sich weigern, erwarte sie der Tod, teilten die Dschihadisten mit. Nun versuchen die Flüchtlinge in die benachbarten Kurdengebiete zu gelangen.

Koordinierte Agenda des Islams

Die Süddeutsche Zeitung schrieb am Wochenende über eine Untersuchung an den Schulen Birminghams (VD: TS):

Eine breit angelegte Unterwanderung gibt es offenbar nicht an Birminghams Schulen. Was es allerdings laut Peter Clarke gibt, “ist an manchen Schulen eine koordinierte Agenda, den Kindern eine abgrenzende Haltung und Praktiken einer kompromisslosen und politisierten Form des sunnitischen Islams aufzuzwingen”.

Christen im Sudan unter Druck

idea berichtete:

Seit der Ausrufung eines unabhängigen multireligiösen Staates Südsudan im Juli 2011 verstärkt die Regierung in Khartum die Islamisierung des Nordens. Gegen Staatspräsident Umar al-Baschir hat der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (Niederlande) einen Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgestellt. Er hatte nach der Unabhängigkeit des Südsudans angekündigt, dass sein Land den Islam als Staatsreligion und die Scharia als Grundlage des Rechts einführen werde. Laut dem Bericht von World Watch Monitor hat der Minister für religiöse Angelegenheiten, Shalil Abdullah (Khartum), Mitte Juli ein Gesetz wieder in Kraft gesetzt, wonach im Sudan keine neuen Kirchen errichtet werden dürfen. Zur Begründung hieß es, dass die christliche Bevölkerung im Sudan seit der Gründung des eigenständigen Südsudan und der damit verbundenen Abwanderung dorthin stark geschrumpft sei.

Anti-israelische Demo in Bern

SP unterstützt anti-israelische Demo (VD: UW). 20 Minuten:

Herbert Winter, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, zeigt sich «erstaunt und enttäuscht», dass die SP die Demonstration unterstützt.

Im Gegensatz zur Demonstration von letztem Freitag, so die Organisatoren, sollen aber keine israelischen Flaggen verbrannt und keine Hakenkreuze neben das israelische Wappen geschmiert werden. Ein Ehrenkodex, der zu Respekt und Toleranz aufruft, wurde dem Demo-Aufruf beigelegt. Ein Ordnungsdienst soll dafür sorgen, dass der Kodex kein Papiertiger bleibt.

Besorgt blicke ich über die Grenze. Dort haben sich letzte Woche traurige Dinge ereignet. Die “Welt”:

“Ihr Juden seid Bestien”, hatte ein Teilnehmer der Demonstration in Frankfurt auf seinem Schild stehen. Anstandshalber hatte er es wieder halbherzig durchgestrichen und einen anderen Spruch auf die Rückseite geschrieben. Genug Anstand, um das Schild zu Hause zu lassen, hatte er nicht.

Ansonsten wurden Flaggen internationaler Terrororganisationen geschwenkt und “Kindermörder Israel” geschrien, nichts Außergewöhnliches, leider. Bemerkenswert war nur, dass den 2500 Demonstranten nur einige Dutzend Polizisten gegenüberstanden. Als junge Islamisten in Rage gerieten, war die Polizei machtlos. Um zu deeskalieren, überließ man den Demonstranten sogar einen Polizeibus – aus dessen Megafon bald ebenfalls “Kindermörder Israel” tönte.

10 Stellen aus jedem Bibelbuch (10): 2. Korinther

In keinem anderen Brief berichtet der Apostel Paulus so freimütig von seinem eigenen Leben und Dienst. Es stand unter der Überschrift “schwach ihn ihm”.

Wir wollen euch, Brüder, nicht in Unkenntnis lassen über unsere Bedrängnis, die uns in [der Provinz] Asia widerfahren ist, daß wir übermäßig schwer zu tragen hatten, über [unser] Vermögen hinaus, so daß wir selbst am Leben verzweifelten. (1,8)

Ich habe euch nämlich aus viel Bedrängnis und Herzensnot heraus geschrieben, unter vielen Tränen. (2,4)

Nicht daß wir von uns selber aus tüchtig wären, so daß wir uns etwas anrechnen dürften, als käme es aus uns selbst, sondern unsere Tüchtigkeit kommt von Gott. (3,5)

Darum lassen wir uns nicht entmutigen; sondern wenn auch unser äußerer Mensch zugrundegeht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. (4,16)

Wir, die wir in dem [Leibes-]Zelt sind, seufzen und sind beschwert. (5,4)

In allem empfehlen wir uns als Diener Gottes: in viel standhaftem Ausharren, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten, unter Schlägen, in Gefängnissen, in Unruhen, in Mühen, im Wachen, im Fasten… (6,4-5)

Als wir nach Mazedonien kamen, hatte unser Fleisch keine Ruhe, sondern wir wurden auf alle Art bedrängt, von außen Kämpfe, von innen Ängste. (7,5)

Gott aber ist mächtig, euch jede Gnade im Überfluß zu spenden, so daß ihr in allem allezeit alle Genüge habt und überreich seid zu jedem guten Werk. (9,8)

Wer sich aber rühmen will, der rühme sich des Herrn! (10,17)

… in Arbeit und Mühe, oftmals in Nachtwachen, in Hunger und Durst; oftmals in Fasten, in Kälte und Blöße. (11,27)

Darum habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Mißhandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um des Christus willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark. (12,10)

Denn wenn er auch aus Schwachheit gekreuzigt wurde, so lebt er doch aus der Kraft Gottes; so sind auch wir zwar schwach in ihm, doch werden wir mit ihm leben aus der Kraft Gottes für euch. (13,4)

Buchreview: Ein aufregendes und konsternierendes Werk

Ich habe das grosse Werk von N. T. Wright nicht gelesen. Guy Prentiss Waters, der unter E. P. Sanders promoviert hat, schrieb eine inhaltlich sehr ansprechende Rezension des umfangreichen Werkes (1600 Seiten).

In conclusion, PFG is at once fascinating and frustrating. In highlighting Paul as a covenantal, narratival, eschatological, and coherent thinker, the core of whose theology is Christ, crucified and raised from the dead, Wright has captured the outlines of the apostle Paul’s teaching. In its formulations on justification, and in the way in which it speaks of sin and salvation, PFG raises serious, material concerns that it does not satisfactorily resolve. Taken as a whole, PFG is less like Paris’s Notre-Dame than Barcelona’s unfinished Sagrada Familia—imposing, singular, and ingenious. And, like Sagrada Familia, PFG will probably be around for quite a while, exciting puzzlement, admiration, and consternation—all at the same time.

Buchbesprechung: Warum kirchliche Bekenntnisse nötig sind

 Carl. F. Trueman. The Creedal Imperative. Crossway: Wheaton, 2012. 208 Seiten. Euro 12,59 (Euro 7,72 Kindle-Format).

Der Anlass: Weshalb ich mir dieses Buch kaufte

Von Zeit zu Zeit lese ich einen Artikel oder eine Buchrezension des Kirchenhistorikers Carl F. Trueman. Nicht nur gefällt mir sein Schreibstil – sachlich, anschaulich, zielorientiert -, sondern auch seine Haltung. Am Anfang dieses Buches legt er beispielsweise gleich die Karten auf den Tisch: Er ist Professor an einer konfessionellen Ausbildungsstätte (Westminster Theological Seminary) und ordinierter Pfarrer der Orthodox Presbyterian Church. Wenn er schreibt, hält er sich die Anfragen anderer Richtungen und Auffassungen stets vor Augen, ja, es scheint einem, als führe er einen ständigen Dialog mit ihnen. 

Die These: Es gibt nur zwei Arten von Gemeinden

Es gibt keine Gemeinde ohne Bekenntnis. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die einen über niedergeschriebene Glaubensbekenntnisse verfügen, die damit öffentlicher Debatte und Evaluation zugänglich sind. Die anderen haben private Bekenntnisse, die ungeschrieben und oft improvisiert sind und darum auch nicht öffentlich zur Debatte stehen können.

Besonders verfänglich ist die Aussage: „Wir stützen uns alleine auf die Schrift.“ Als ob diese je in einem Vakuum gestanden hätte. Es gibt in der Tat niemanden, der nicht auf eine Bibelübersetzung, andere Menschen, Predigten, Bücher oder Bibelkommentare zurückgegriffen hätte.

Trueman plädiert für eine durch die Schrift normierte Tradition im Sinne der Reformatoren. Er geht noch einen Schritt weiter und stellt die These auf, dass Paulus das Verfassen von Bekenntnissen zum nach-apostolischen Normalfall erklärte.

Der Aufbau: Argumente, Dogmengeschichte und biblisch-thematische Erläuterungen

Das Buch besteht aus sechs Kapiteln.

  1. Trueman identifiziert drei mächtige gesellschaftliche Strömungen, welche die Implausibilität von Bekenntnissen fördern.
  2. Es werden biblische Belege zur Notwendigkeit von Bekenntnissen dargelegt.
  3. Dann folgt ein Überblick über die kirchengeschichtliche Entwicklung, welche mit der Bildung von Bekenntnissen zusammenhingen.
  4. Einige bekannte Bekenntnisse werden näher unter die Lupe genommen, um
  5. aufzuzeigen, welch zentralen Stellenwert sie für das kirchliche Leben haben und
  6. die wesentlichen Argumente nochmals geordnet darzulegen

In einem Anhang bespricht Trueman ausserdem über die Möglichkeit der Überarbeitung von Bekenntnissen.

Die Lernpunkte

Bekenntnisse und der Zeitgeist

Ein wichtiger Teil der Vorbehalte gegenüber Bekenntnissen ist – unbewusst – auf zeitgenössische Strömungen zurückzuführen: Erstens eine Abwertung der Vergangenheit, zweitens die Überzeugung, dass Sprache eine ungenügende Transportmöglichkeit für Wahrheit darstelle, drittens der Widerwille gegen jegliche Art von Institutionen. Beispiele von Denkweisen:

  • Sicht des zeitgemässen religiösen Pluralismus: Bekenntnisse wurden durch verstorbene, weisse Männer geschrieben, die anders gekleidet waren, andere Verhaltensweisen bevorzugten, eine andere Sprache sprachen und noch keinen blassen Dunst von Technologie hatten.
  • Sicht der 10-Schritte-Ratgeber: Man sucht in den Bekenntnissen vergeblich nach Hinweisen für eine ausgewogene Ernährung. Was ist der unmittelbare Nutzen davon zu wissen, dass Jesus gestorben, begraben und wieder auferstanden ist?
  • Sicht der Ewig-Jung-Kultur: Lady Gaga hat mehr über Sexualität zu sagen als ein Experte und sicherlich mehr als ein jahrhundertealtes Bekenntnis.

Die biblisch-theologische Grundlage der Bekenntnisse

  • Die biblische Erzählung macht klar, dass göttliches Reden ein fundamentaler Aspekt der Beziehung zwischen Gott und seinen Geschöpfen ist. Gottes Reden war das bedeutendste Mittel seiner Gegenwart.
  • Jede Theologie, welche die Autorität der Bibel anerkennt, muss das Lehren der Bibel in Worten und die verbale Form der Bibel selbst mit grösster Ernhaftigkeit behandeln. Sie muss Worte als normativen und normalen Bestandteil des Christentums sehen. (Pos. 922-23)
  • Die Lehre des Neuen Testament legt Wert auf Alter und Erfahrung, auf Lehre und Verkündigung. Sie artikuliert auch eine hierarchische Struktur der Kirche als Institution.
  • Paulus nahm an, dass korrekte Lehre von Generation zu Generation weitergegeben werden kann. Was in der Vergangenheit geschah, kann in der Form von gesunden Worten weiter gereicht werden (2Tim 1,12-13).
  • Das Neue Testament enthält manche Abschnitte, die den Ton eines Bekenntnisses aufweist (z. B. Phil 2,5-11 oder 1Tim 3,16).

Die Geschichte der Bekenntnisse

  • Ein Kern von Lehraussagen als Zusammenfassung der biblischen Botschaft war für die nachapostolische Phase normal. Sie stimmt mit dem Anliegen von Paulus in den Pastoralbriefen überein.
  • Die Formulierung der Altkirchlichen Bekenntnisse legte die Basis für eine kontinuierliche Diskussion und Verfeinerung. Neue Fragen tauchten auf und wurden erörtert.
  • Die Reformierten Bekenntnisse schlossen sich unmittelbar und ausdrücklich an die frühkirchlichen Bekenntnisse an. Sie sahen sich nicht als Innovation, sondern als Fortsetzung eben dieser Dokumente.
  • Sowohl die Bibel wie auch die Bekenntnisse verdeutlichen, dass die Sakramente (Taufe und Abendmahl) von grundlegender Bedeutung sind.
  • Gute Bekenntnisse schützen eine gesunde Frömmigkeit.

Bekenntnisse und Anbetung

  • Für Paulus waren Lehre und Anbetung nicht getrennt. Nein, die Lehre des Evangeliums trieb ihn wieder und wieder zur Anbetung.
  • Die Trennung von Lehre und Anbetung erfolgte erst im Zuge des theologischen Liberalismus.
  • Die Bibel selbst kann nicht auf eine Anzahl von Lehrsätzen reduziert werden!
  • Zeitgenössische Lieder und Beiträge sind in aller Regel von einer Person geschrieben und nicht gefestigt durch eine grosse Anzahl Christen zu verschiedenen Zeitpunkten der Geschichte.

Die Empfehlung: Informelle durch formelle Liturgie ersetzen

Jede Gemeinde verfügt sowohl über ein Bekenntnis wie auch über eine Liturgie. Leider sind beide nicht oder nur in Ansätzen in schriftlicher Form festgehalten. Was hält uns davor zurück, auf die gesammelten Schätze unserer Vorfahren zurückzugreifen? Ist diese ignorante Haltung nicht eher Anzeichen von Arroganz? Dazu kommt: Erst die Verschriftlichung führt oft zur Rechenschaftsablage. Ich erlebe in vielen “modernen” Gemeinden ein zähes Festhalten an ihren unreflektierten informellen Elementen (z. B. Theaterbeiträge).

Weil ich nicht Sonntag für Sonntag “nur” Erlebnisse oder die immergleichen Appelle (wie z. B. “schau auf dich und deine Bedürfnisse, sonst wirst du unglücklich”) anhören will, schlage ich vor, die “Inputs” durch einen geordneten Gang durch den Heidelberger Katechismus oder den Kürzeren Westminster Katechismus zu ersetzen. Ersterer ist schon in 52 Abschnitte aufgeteilt worden. Ein zweiter, sinnvoller Schritt wäre ein regelmässiger Katechismusunterricht im Anschluss an die Predigt.

Gastbeitrag: Die komplexe Beziehung der Kirche zur Idee von Wohlstand und Bedarf (2)

Thomas K. Johnson hat als Vertreter der Weltweiten Evangelischen Allianz einen Vortrag am Dignitatis Humanae Institute des Vatikans halten dürfen. Er stellte die Frage: Wie soll sich die Kirche zur Armutsfrage positionieren? Seine Schlussfolgerung:

Our western culture is in a difficult situation. It lacks a definition of humanness to guide education, politics, and economic life. People suspect that others do not believe their own words because they know they do not entirely believe their own words. And everyone but a psychopath has a God-given sympathy reaction to people in need. We as Christians have a large duty to show that we really believe what we say we believe about humans being created in the image of God and God’s special concern for people in the most difficult situations. But the moment we treat a person as an object of concern we can hurt that person more. God has chosen to engage us through our consciousness and our subjectivity in redemption; imitating God, we have to engage people in the worst circumstances through their subjectivity, meaning through what they think, feel, and decide. Then we can begin to practice our complex Christian relationship to poverty and wealth.

Hier geht es zum gesamten Text.

Gastbeitrag: Die komplexe Beziehung der Kirche zur Idee von Wohlstand und Bedarf (1)

Mit freundlicher Erlaubnis des Autors

The Church’s Complex Relationship with the Idea of Wealth and Need [1]

I am very glad I was asked to use the word “complex” to talk about our theme this afternoon. Under the influence of our own moral and spiritual blindness it is very easy to be one-sided and miss a balanced and complete perspective. This is a major reason why in Evangelical theology and philosophy today we increasingly talk complementarity, meaning convictions and truth claims that we have to hold together to keep our lives in balance, convictions that might otherwise come apart.  This desire has been a part of Protestantism at least since the time of Martin Luther,  who sometimes used a turn of phrase that sounded completely contradictory in order to get his readers to listen carefully and to think with him. For example, in his essay “The Freedom of the Christian,” he famously wrote, “A Christian is a perfectly free lord of all, subject to none. A Christian is a perfectly dutiful servant of all, subject to all.” My theses lack the eloquence of Luther, but in this spirit let me suggest for your consideration the following complementary theses:

  1. A crucial way to demonstrate to the watching world that we truly believe that both creation and redemption bestow a unique dignity on humanity is to help people in need.
  2. An easy way to destroy the dignity of the poor who are created in the image of God, for whom Jesus gave his life on the cross, is to treat them like objects of charity.

Before clarifying these complementary theses, let me mention two of my background observations that inform how I think about these themes. A key ethical question running through all of western culture, including education, health care, politics, business, law, and the arts, is “what is a human being?” The West is stumbling and tripping because our culture at large does not have a satisfactory answer. As Christians we have real answers about what human nature is that are rooted in the biblical narrative of creation, fall, and redemption. Western culture, probably every culture, urgently needs these answers. A more adequate understanding of humanity can and should have multiple valuable functions religiously and culturally. On the one hand, a better understanding of humanity, with our created dignity and fallen shame, should provide the framework for appropriating the gospel; knowing ourselves properly should lead to knowing God. On the other hand, a better understanding of humanity should also shape how the several spheres of society function, including health care, education, business, law, and government.[2] In order to set the stage both for more people to come to faith in Jesus and for a more healthy future in society, we have to communicate our biblically informed convictions about human nature more clearly.

Background observation number two: our world around us, that is often watching Christians, assumes we do not really believe our own Christian message. People frequently assume we Christians do not believe our own words because they do not completely believe their own worldview or philosophy of life. Many of our neighbors, I believe, go back and forth between worldviews, changing them like clothes. Perhaps at university they talk as if they are rationalistic naturalists, saying that only that which is physical exists, while in private they jump into a realm of irrationality to find hope, love, and perhaps some type of faith. Some of the time our neighbors act as if they accept parts of the Christian worldview because God’s general revelation is constantly impinging on human experience; at the same time the same people may profess to accept some other belief system. It seems to be impossible for people to escape this situation of being of two minds if they are created in God’s image and live in God’s world, but do not acknowledge God.[3] But because our neighbors do not fully believe their own words, they assume we Christians do not honestly believe what we say we believe. Our world is filled with various games of manipulation, power, and control; our neighbors have to see that we have chosen not to play such games and that we honestly believe our own words.

  1. To our first thesis: We have to demonstrate to the world that we truly believe that creation and redemption bestow a unique dignity on humanity by helping those in need. The preferential option for the poor stands as a test for the Christian community so that the world can see that we truly believe and practice our professed beliefs.

Today, much more than in previous generations, thanks to modern media, we are constantly confronted with scenes of human suffering:  Refugees from wars, the victims of religious persecution, honor murders, natural disasters, people dying as a result of air or water pollution, some coping with generations of hunger and poverty, human trafficking.  All these scenes and more prompt a God-given sympathy reaction in the hearts of millions of people from across the globe. And even if few can formulate the words, many know that their sympathy reaction to human suffering is related to their natural awareness of God, their sensus divinitatis. As a part of God’s direct general revelation into human consciousness, even the person who claims to be an atheist will often have both a sense of the dignity of the other and an awareness of a moral duty to help the person in urgent need, in such a manner that the sense of moral duty has a vague but real reference to God. This moral/religious sympathy reaction will often stand in conflict with the claimed worldview or religion of the person reacting. If a person is truly convinced of atheistic evolution, one might be expected to say something about the survival of the fittest in reaction to human suffering, but almost no one says that. No one I have heard ever said, “we can be happy so many poor people die as a result of disasters, persecution, and pollution so that the strong can survive to perpetuate humanity.” The moral sympathy reaction of millions to others in urgent need shows that many may not fully believe their own worldviews which seem to deny human dignity. Their practiced beliefs, including their moral sympathy reactions, are better than their professed beliefs.

For us, as people of the Bible, we have always had good explanations of why we should help people in need, explanations for our moral intuitions when those intuitions are healthy. This started in creation when God created us male and female in his image. Even if we do not know all that this means, it is clear that people have a very special status and value in the universe. The status that people are created in God’s image provides an explanation for why our moral reactions to people are different from our reactions to a stone or a tree. And this theological basis for helping people in need is then emphasized at many points in the history of redemption, demonstrating how redemption is a restoration of creation. Indeed, all of redemption is God’s response to people in urgent need, and this theme is emphasized to become prominent at certain points in the history of redemption. The Exodus from Egypt shows God setting his love on poor slaves, while the wealthy, powerful army died under the water of the sea. With this background, the people of God received very high standards for care for the poor. Shortly after the Exodus they were told, “If you lend money to one of my people among you who is needy, do not be like a moneylender; charge him no interest.” (Exodus 22:25) In the Ten Commandments, the servants were specifically mentioned as not having to work on the Sabbath. And even the Old Testament institution that is sometimes called “slavery” was radically different from slavery in the surrounding nations. If properly applied, the Old Testament transformed slavery from an abuse of the poor to become a kind of safety net to keep the poor from starvation; if properly implemented, it would have led to renewed economic independence for those who passed through temporary servitude. God set high standards for protecting and restoring the poor within his covenant people. It seems to me that the protection of the poor, even the rehabilitation of the poor, was intended by God to be a distinguishing characteristic of his ancient people. The protection of the poor was emphasized much more in the Old Testament than in the other systems of law and ethics in the ancient near eastern world.[4] In this light it was especially wicked, as Amos mentioned, for the people of Israel to sell the needy for a pair of sandals and to trample on the heads of the poor. (Amos 2:6,7)

This moral theme continued directly into the New Testament, with the care of the poor becoming a crucial theme in the relations between Jewish and Gentile believers in the first century (Galatians 2:10), so that the wealthier Gentiles assisted poorer Jews. And John wrote, “If anyone has material possessions and sees his brother in need but has no pity on him, how can the love of God be in him?” (1 John 3:17) This principle was practiced to the extent that it was noticed in the unbelieving world. Christians have often quoted the pagan Emperor Julian (332-363) who complained that the Christian faith “was specially advanced through the loving service rendered to strangers, and through their care for the burial of the dead. It is a scandal that there is not a single Jew who is a beggar, and that the godless Galileans [Christians] care not only for their poor but for ours as well; while those who belong to us look in vain for the help that we should render to them.”[5] Christian care for the poor both confirmed that Christians really believed what they said they believed, challenged the belief system of the surrounding world, and thereby helped set new social standards for caring for people in need.

Whereas in the unbelieving world people often do better than they believe, so that their practiced belief is better than their professed belief and they practice sympathy though their worldview might call for ruthlessness, within the Christian churches we sometimes face the opposite problem. Our professed belief, which I just summarized, is wonderful. And at times our practice has been wonderful. But today informed people are much more aware of global human suffering than in previous generations; it fills our TVs and computer screens. Our neighbors will wonder if we really believe the poor and needy are created in God’s image if they do not see us practicing what we say we believe. The Christian community faces a continuous test on this question.

I have written and edited some philosophical materials about human rights and human dignity as based in creation and redemption, and I could wish that those materials would convince our world that God has truly given dignity to the poor and desperate. But I do not expect our books and journals to change the world very much. I think it has a far larger impact when people see Christians honestly caring for the poor and needy. And that has to be at every level, local, regional, and global. If our neighbors see that we truly care for the homeless, the boatpeople, the victims of trafficking, the refugees, and those suffering religious persecution, then they may question their secularism, which has real difficulty explaining human dignity, and consider our Creator and Redeemer. As a friend described it, caring for human needs can be the boat that carries the gospel as a passenger.


[1] Thomas K. Johnson, Ph.D. This is a lightly edited version of a speech presented to the Dignitatis Humanae Institute, meeting at the Pontifical Academy of Social Sciences, Vatican City, June 28, 2014.  Dr. Johnson also brought official greetings to the DHI from the World Evangelical Alliance and its 600 million members.

[2] I am consciously using the language of “sphere sovereignty.” God has created us such that with the unfolding of history different spheres or structures of society can and should be distinct from each other. The healthy functioning of a society in its many spheres, so that we move in a healthy direction within the structures God has created, is dependent on culture, which includes customs, theories, ideas, practices, habits, role models, slogans, proverbs and more, all of which are oriented around understanding and guiding our humanness. Healthy governments and healthy economies are always dependent on a healthy culture. The biblical message should always stand in a multifaceted relation with cultures. See Thomas K. Johnson, “Christ and Culture,” MBS Text 79 (2007), available online at www.bucer.eu. Religions and systems of belief always play pivotal roles in cultures.

[3] The everyday truths that all people learn as a result of God’s general revelation provide the transcendental conditions of human life and experience even if people suppress their knowledge of God. See Thomas K. Johnson, The First Step in Missions Training: How our Neighbors are Wrestling with God’s General Revelation, World of Theology vol. 1 (WEA Theological Commission, 2014). Available online at www.bucer.eu.

[4] Compare Old Testament ethics with the Code of Hammurabi to see this contrast.

[5] Quoted in Bruce L. Shelley, Church History in Plain Language, 4th edition, (Thomas Nelson, 2013) p. 38.

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