Podcast: Über Umwege – säkulare Denker werden Kulturchristen

Podcast (40 Minuten): Über Umwege: Säkulare Denker werden (Kultur-)Christen

Weiterführend: Gibt es eine stille Erweckung? (E21-Podcast); Das neue Kulturchristentum (Ron Kubsch)

Bekannte Denker wenden sich dem Christentum zu. Ayaan Hirsi Ali, einst Gesicht des Neuen Atheismus, schrieb 2023 den Essay „Why I Am Now a Christian“. Im September 2024 liess sie sich zusammen mit ihrem Mann, dem Historiker Niall Ferguson, taufen. Larry Sanger, Mitgründer von Wikipedia, bekannte im Februar 2025 seinen Glauben. Im August 2026 erklärte der Princeton-Philosoph Joe Schmid seine Rückkehr zur katholischen Kirche. Der britische Moderator Justin Brierley sieht darin eine „überraschende Wiedergeburt des Gottesglaubens“. Er selbst ist vorsichtig: Er spricht nicht von einer Erweckung, sondern höchstens von möglichen Vorbedingungen.

Die Wege dieser Menschen unterscheiden sich stark. Die Journalistin Louise Perry beobachtete, dass christliche Sexualethik gesellschaftlich trägt, und schloss: Wäre das Christentum übernatürlich wahr, müsste es sich auch soziologisch bewähren. Der Philosoph Pat Flynn merkte, dass sein Materialismus Moral, Bewusstsein und Sinn nicht erklärte. Die Bloggerin Leah Libresco stiess auf die Frage, woher das Moralgesetz kommt. Paul Kingsnorth, einst Öko-Heide, wurde 2021 orthodox getauft. Sohrab Ahmari ging über Nietzsche und Marx und fand zuletzt in die Messe.

Hier hilft eine Ordnung, die ich im Beitrag über Joe Schmid festgehalten habe. Die Letztursache jeder Bekehrung ist Gott srlbst, der Heilige Geist wirkt. Das handelnde Subjekt ist nicht der Mensch, sondern Gott. Philosophie, Moral, Wunder oder Soziologie sind nur Werkzeuge. Schmid sagt es selbst: Er sei „einfach mit göttlicher Gnade überschüttet“ worden.

Ebenso nötig ist Vorsicht. Ein Kulturchrist ist noch kein Christ. Tom Holland hat in Dominion gezeigt, wie sehr das Christentum unsere Werte geprägt hat, und nennt sich in Moral und Ethik „thoroughly and proudly Christian“. Ob er an den Gekreuzigten glaubt, lässt er offen. Jordan Peterson antwortet auf die Frage, ob er Christ sei: „I haven’t claimed that.“ Roger Scruton spielte Orgel in der Dorfkirche und blieb bis zu seinem Tod Abendmahlsgast, aber ob er voll glaubte, ist umstritten. Wer nur das Erbe verteidigt, hat noch nicht das Evangelium. Hirsi Ali selbst nannte als zweiten Grund, dass sie ein Leben ohne geistlichen Trost unerträglich fand.

Zwei Folgerungen. Erstens: Bleiben wir bescheiden. Die Zahl der Konvertiten sagt wenig über eine Gesamtentwicklung aus, und Brierleys Kritiker weisen zu Recht auf fehlende Statistiken hin. Zweitens: Bereiten wir für unsere Gemeinden, dass sie Suchende tragen. Wer fragt, soll gute Antworten finden, nicht Spott. Bei Larry Sanger begann der Abschied vom Glauben mit der enttäuschenden Reaktion eines Pastors auf seine Fragen.

Manche Menschen wagen sich in den Vorhof des Glaubens. Ob daraus ein Haus wird, entscheidet der Allmächtige, der Menschen zieht. Unsere Aufgabe ist, die Tür offen zu halten und ihnen zu zeigen, wer drinnen wohnt.


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