Podcast: Mit Verstorbenen mittels Granny Bot weiter korrespondieren?

Ich bin begeisterter Hörer der Podcast-Serie „Silicon Spiritualities“ mit Chris Watkin als klugem Host. Aus der Folge „The Grace of Limits“:

Zum Granny Bot, der digitalen Nachbildung verstorbener Liebster

Trauer ist eine angemessene, reale Reaktion auf Verlust; sie erkennt an, dass der Tod nicht dem entspricht, wie die Welt sein sollte.

Christen dürfen nicht vorschnell zur Auferstehungshoffnung springen und die Trauer überspringen – beides gehört zusammen.

Ein Bot verändert und verzerrt die Erinnerung, weil er auf Mustern beruht und antworten kann, wie die Person es nie getan hätte.

Mit C.S. Lewis: Sich den anderen „für das eigene Bedürfnis“ zurückzuwünschen, ist eine verdrehte, auf das Selbst zentrierte Form der Trauer.

Legitim sind bewahrte Spuren – Sprachnachrichten, Texte, Fotos, ein handgeschriebener Gebetszettel –, weil sie auf die reale Person zurückweisen, statt sie neu zu generieren.

Zum Glauben gehört, die Grenze des Todes anzunehmen: Der Trauernde ist nicht allein, weil Christus mit ihm ist.

Erinnerung, an das Ewige gebunden, verbindet mit der „Wolke der Zeugen“ und den Heiligen in der Herrlichkeit – ein Blick nach vorn, nicht nur zurück.

Unterschied zwischen Vorstellung und Bot: „Was würde Großmutter sagen?“ schöpft aus ihrem bekannten Charakter; der Bot ist eine digitale Projektion, die zurückspiegelt, was man selbst hineinlegt.

Mit Sherry Turkle: Der Bot hat keine echte Alterität; die Beziehung wird zur Projektion eigener Wünsche statt zur Begegnung mit einem echten Anderen mit eigenem Ziel und Gut.

Neugier vs. Weisheit

Augustinus‘ Begriff des „Spektakels“ beschreibt eine ungeordnete Neugier – das Genießen einer Erfahrung um ihrer selbst willen ohne rechtes Ziel.

Algorithmen kennen unsere Vorlieben und spielen sie aus; man rutscht in endloses, oberflächliches Scannen.

Mit Nicholas Carr: Das darwinistische „Absuchen des Horizonts“ wird vom Internet befeuert und erzeugt die Angewohnheit schneller Urteile.

Dating-Apps sind ein Musterfall: Sie sind darauf angelegt, das Suchen aufrechtzuerhalten, nicht das Finden – sie trainieren flüchtige Urteile.

Jede echte Entscheidung ist Begrenzung und zugleich Möglichkeit: Wer wählt (Ehe, Spezialisierung), verzichtet auf anderes und gewinnt Tiefe.

Tiefes Denken und Bindung stehen gegen das erschöpfende, oberflächliche Dauerscannen.

Entscheidend ist die Einsicht, dass Algorithmen unsere Gewohnheiten formen und uns zu Zuschauern statt zu Lernenden machen.

Ironie der Anbieter-Logik: Der einzige „Bund“, den die KI-Firmen wollen, ist die Nutzung ihres Modells – bei sonst maximal offener, ungebundener Neugier.


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