Tag Archives: Sexualethik

Wenn die Tore der Hölle von innen zugehalten werden

Sophie Dannenberg, Jahrgang 1971, Kind der 68-er Jahre, schreibt als indirekt Mitbetroffene über die im Rahmen der “sexuellen Befreiung” praktizierte Pädophilie:

Ich habe es einmal probiert mit dem Reden und meine Eltern auf die Szenen von damals angesprochen. In meiner Sprache, nicht in ihrer. Ich war siebzehn, und die peinlichen Erinnerungen störten mich in meiner Pubertät. Meine Eltern waren entsetzt – über mich. Sie fanden mich destruktiv und hysterisch und taten so, als würde ich phantasieren. Für mich war die Verleugnung tatsächlich schlimmer als der Übergriff selbst.

Ich bin jetzt älter als unsere Eltern damals waren. Sie könnten fast meine Kinder sein. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ich so gern verzeihen möchte. Und dann fällt mir wieder ein, dass zum Verzeihen immer zwei gehören. Wo sich ein Täter vor der Barmherzigkeit verschließe, da werden die Tore der Hölle von innen zugehalten, las ich in einem Interview mit der Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz. Ich bin es leid, von außen an diesen Toren zu rütteln. Die 68er haben entschieden, uns nichts zu geben. Keine Wahrheit, keine Demut. Ich glaube nicht mehr an die Möglichkeit, aber manchmal wünsche ich es mir noch immer – ein einziges ehrliches, trauriges Gespräch. Und danach wieder die Erinnerung an hohes Gras und Apfelbäume.

Es geht nicht um einen Schutzwall, sondern darum, die wahre Freude an Gott wieder zu erlangen

“Jungs, lasst die Finger von der Maus.” Es geht nicht darum, einen Schutzwall an Massnahmen aufzurichten, sondern die Freude des Heils wieder zu erlangen (Psalm 51,10).

Der Missbrauch der wunderbaren Gabe der Sexualität ist ein Symptom des Leidens, nicht das Leiden selbst.

Der Josia-Blog hat einen Clip von John Piper mit deutschen Untertiteln versehen.

Wenn der Mann untreu ist

One who travels the forbidden path and pursues forbidden fruit can no longer pray. He can no longer pray at mealtime and he can no longer pray in solitude. He might still mumble a few sentences for a time, but he is no longer praying. His praying is no longer coming from his heart and therefore no longer reaches up into heaven; it is soulless and dead, it dies on his lips and finds no way up. In the bordello people don’t pray, they only curse.

Herman Bavinck. The Christian Family. Kindle 2012 (Pos. 1519)

Christliche Ratgeber für besseres Sexualleben?

Im Vorwort zur neu erschienenen englischen Übersetzung “The Christian Family” von Herman Bavinck schreibt Bavinck-Experte James Eglington:

In the context of mainstream evangelicalism, we are not short of moralistic “ten-step guides” aimed at building better marriages, or promise-based programs designed to create better spouses and parent-child relationships. Thanks to the influence of Mark Driscoll on evangelical attitudes towards marriage, the more recent trend has been to shift the focus towards sex, albeit still in the form of fairly crude “how to” guides. To a cynical eye, this shift looks like the evangelical subculture aping its secular host-culture’s views on sex and relationships (the center of which being its uncritical adoption of secular society’s assumption of hypersexuality as the norm for all). As such, the gospel becomes a means to what secular values on hypersexuality tell us we should all want: more and “hotter” sex. The current evangelical preoccupation with sex, and its accompanying reinvention of the celebrity pastor as a Christian sex guru, risks creating a new kind of prosperity gospel: Christianity might not make you healthy or wealthy, the idea goes, but it is the key to a far better sex life. Its gospel promises to fulfill the carnal longings of your (essentially secular) heart. In short, current evangelical attitudes towards sex within marriage appear less and less radically different from their contemporary secular equivalents. In their spoon-fed approach to sex, both are increasingly banal and formulaic.

Diese Worte haben mich nachdenklich gestimmt.

Chick Fil-A: Was wir aus der Geschichte lernen können

Chick-fil-A, eine US-amerikanische Schnellimbisskette, sorgte in den vergangenen Tagen und Wochen für Schlagzeilen. Das pro Medienmagazin schreibt:

Die amerikanische Restaurantkette “Chick-Fil-A” handelt in vielen Dingen vorbildlich: Da der Unternehmensgründer Truett Carthy engagierter Christ ist, bleiben die mehr als 1.000 Filialen in den USA an Sonntagen geschlossen. Regelmäßig spendet die Firma an konservative christliche Organisationen wie “Focus on the Family”. Als Firmengründer Carthy kürzlich in einem Interview zu seiner Haltung zur “Homo-Ehe” befragt wurde, erklärte er, die “traditionelle Ehe” zu befürworten.

Ein Sturm der Entrüstung brach los. Boykotte, Drohungen und eine Flut von Medienmitteilungen gab es. Es gibt einige hilfreiche Artikel zur ganzen Geschichte, z. B.

  1. die vorbildliche Reaktion einer Angestellten, die von einem Kunden beleidigt wurde
  2. der Vorschlag einer dreifachen Reaktionsweise (No Retreat, No Reversal, No Reviling) von Kevin DeYoung
  3. was sie mit Jesus zu tun hat (Trevin Wax).
  4. warum sie die Religionsfreiheit gefährdet (Albert Mohler auf CNN)

Sex vor der Ehe: Gibt es keine eindeutigen Bibelstellen?

Wenn wir davon ausgehen, dass die Bibel Gottes Selbstoffenbarung ist, dann haben wir bei ethischen Fragen vorrangig sie zu befragen. Welche normativen Aussagen finden wir darin? Ich glaube, dass die Sexualethik eines der Themen ist, die in unserer konsumorientierten, vergnügungssüchtigen Welt stark unter Beschuss ist. Ein unter Evangelikalen beliebtes Thema ist der “Sex vor der Ehe”. Die Standardantwort: “Es gibt keine Schwarz-Weiss-Stellen dazu.” Stimmt das?

Ein Schlüssel zur Beantwortung dieser Frage ist der Gebrauch des Wortes “Unzucht” (sowie der verwandten Worte “Ausschweifung” und “Unreinheit”). Es gilt, die Wortfelder dieser Begriffe abzustecken:

  • Paulus befürchtet diese Sünden bei seinem nächsten Korinth-Besuch anzutreffen: …daß ich Grund haben werde, traurig zu sein über viele, die schon früher Sünder waren und sich trotz ihrer Unreinheit, Unzucht und Ausschweifung noch nicht zur Umkehr entschlossen haben. (2Kor 12,21)
  • Er bezeichnet sie als Werke des Fleisches. Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben… (Gal 5,19)
  • Die Epheser sollten nicht einmal über diese Dinge reden. Von Unzucht aber und Schamlosigkeit (Unreinheit) jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heilige gehört, nicht einmal die Rede sein. (Eph 5,3)
  • Es ist Gottes moralischer Wille sich von der Unzucht zu enthalten. Das ist es, was Gott will: eure Heiligung. Das bedeutet, daß ihr die Unzucht meidet, (1Thess 4,3)
  • Der Ausnahmegrund bei Scheidung ist Unzucht. Ich sage euch aber, daß, wer immer seine Frau entläßt, außer wegen Hurerei, und eine andere heiratet, Ehebruch begeht… (Mt 19,9)
  • Unzucht in der Korinth-Gemeinde: Jemand lebt mit der Frau seines Vaters. Übrigens hört man von Unzucht unter euch, und zwar von Unzucht, wie sie nicht einmal unter den Heiden vorkommt, daß nämlich einer mit der Frau seines Vaters lebt. (1Kor 5,1)
  • Die Korinther gingen ins Bordell und begingen damit Unzucht. Hütet euch vor der Unzucht! Jede andere Sünde, die der Mensch tut, bleibt außerhalb des Leibes. Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib. (1Kor 6,18)
  • Unzucht kommt aus unserem Inneren. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, (Mk 7,21)
  • Eine Ehe schützt vor Unzucht. Wegen der Gefahr der Unzucht soll aber jeder seine Frau haben, und jede soll ihren Mann haben. (1Kor 7,2)

Unzucht lässt sich nicht auf Ehebruch eingrenzen. Das Wort hat eine breitere Bedeutung. Ich denke, dass es korrekt ist sie so zu beschreiben: Jede sexuelle Aktivität ausserhalb der Ehe.

Gottes Ordnungen nicht zu beachten hat immer Folgen:

Ein Kommentator hat mich auf die Wichtigkeit von 1Kor 7,2 hingewiesen: “1. Kor 7,2 betont, dass es etwas gibt, das ausserhalb der Ehe Unzucht ist, aber in der Ehe legitim ist. Und in Vers 9 wird dann deutlich, dass man sich von diesem “etwas” ausserhalb der Ehe enthalten soll (aber man es dabei mit einer sehr starken Begierde) zu tun hat … diese aber wiederum in der Ehe ausgelebt werden kann.”

Ich bin auf die Bibel verpflichtet

Es tobt ein Streit um das Pfarrdienstgesetz im deutschen Bundesland Sachsen (hier die Zusammenstellung der Ereignisse in idea). Theo Lehmann, der bekannte Jugendpfarrer und Evangelist, beschreibt seinen Standpunkt so:

Worum es in der Diskussion um das Pfarrdienstgesetz geht, ist kurz gesagt: um das Wort Gottes. Genauer: Es geht nicht um die Frage der Homosexualität. Dieses Thema ist nur der Auslöser zur Debatte, bei der inzwischen alle Argumente ausgesprochen sind. Neu ist, dass über die rein theologische Debatte hinaus Gesetzesregelungen geschaffen wurden, die das, was die Bibel überein- stimmend im Alten und Neuen Testament als Sünde bezeichnet, in der Kirche als Möglichkeit zulassen. Das Verwirrende ist nun, dass auch die Befürworter homosexueller Partnerschaften im Pfarrhaus sagen, dass alle Aussagen der Bibel zur Homosexualität eindeutig negativ sind. Und dann kommt ein „Ich aber sage euch“, bei dem am Ende rauskommt, dass das, was die Bibel als Sünde ablehnt, keine Sünde ist. Und dieses „Aber“ mache ich nicht mit, weil Gottes Wort ohne Wenn und Aber gilt.

Ich bin auf die Bibel verpflichtet: Ich stimme überein mit dem Münchener Theologieprofessor Wolfhart Pannenberg, der über eine Kirche, die homosexuelle Lebensgemeinschaften neben der Ehe anerkennt, sagt: „Eine solche Kirche stünde nicht mehr auf dem Boden der Schrift, sondern im Gegensatz zu deren einmütigem Zeugnis. Eine Kirche, die einen solchen Schritt tut, hätte darum aufgehört, evangelische Kirche in der Nachfolge der lutherischen Reformation zu sein.“ Und weil ich in der Nachfolge der lutherischen Reformation stehe und als Pfarrer auf Schrift und Bekenntnis verpflichtet wurde, kann ich all diese Schrift und Bekenntnis widersprechenden Aussagen nicht mit- tragen und deren Verfechter nicht anerkennen. Ich halte mich an das lutherische Grundbekenntnis, die Confessio Augustana (CA) von 1530: „Man soll auch den Bischöfen, so ordentlich gewählt, nicht folgen, wo sie irren oder etwas wider die heilige göttliche Schrift lehren oder ordnen.“ Ich unterstelle Gott nicht, dass er nicht in der Lage war, sich verständlich auszudrücken. 3. Mose 18,23: „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Greuel.“ Was ist daran unverständlich? Ich gedenke, wenn Gott mich im Gericht nach meinem Schriftverständnis befragt, mich nicht auf interpretierende Menschenworte zu berufen, sondern auf ihn selbst. Das hast du, Gott gesagt, und das habe ich gepredigt.

Was für ein kraftvolles Zeugnis!

Wenn Bekenntnis und Leben voneinander abweichen

Kevin DeYoung hat eine Blogserie zum Thema Homosexualität veröffentlicht. Sie betrifft eine aktuelle Debatte innerhalb der Reformed Church of America (RCA). Kevin scheut sich nicht davor, die Dinge beim Namen zu nennen – und dies mit der nötigen Sorgfalt.

Was er beobachtet, stimmt mit meiner Wahrnehmung der hiesigen Gemeinden überein:

We have a position that says one thing and a practice that allows for another.

Ethische Kompromisse haben sich langfristig nie segensreich ausgewirkt:

We can dare to say that this issue is truly a gospel issue. We can realize that the church’s mission is never strengthened and blessed by God through doctrinal and ethical compromise. We can turn away from the easy “let’s all get along” option. We can turn from the convenient approach that says, “As long as I can do my ministry, why should I bother with all this controversy.”  If we do something-be it church discipline or some kind of amicable separation-it will come with a cost. It will mean strained relationships. You will hear words like “witch hunt” and “homophobic.” People will think you are mean and narrow. People will not believe you if you say love gays and lesbians. They may consider you oppressive, repressive, and reactionary. But if the integrity of our denomination, the glory of the gospel, the truthfulness of the Bible, and the spiritual well-being of homosexual persons (and heterosexual for that matter) are at stake, then we cannot afford to take the easy path.

Remix: Erfüllende und pervertierte Sexualität

Wir leben in einer sexualisierten Gesellschaft. Umso wichtiger ist die wiederkehrende Beschäftigung mit den biblischen Grundlagen für erfüllende Sexualität.

  1. Mangels übergeordneter Normen herrscht bezüglich Partnerschaft und Familie immer mehr Verwirrung.
  2. Christen haben viel über Sex zu sagen, weil sie den Erfinder kennen.
  3. Was ist der Zweck der Sexualität? Diese grundsätzliche Überlegung verschiebt unsere Perspektive.
  4. Die Voraussetzung für erfüllende Sexualität: Sich dem anderen schenken. 
  5. “Alles ist erlaubt, aber nicht alles ist nützlich”. Dieser Satz aus 1. Korinther 6,12 wird oft falsch verstanden. Paulus behandelt hier eine Aussage der Korinther.
  6. Ein unwürdiger, schädigender Ersatz – mit Folgen für das ganze Umfeld: Internetpornographie.

Für weitere Beiträge siehe den Tag „Sexualethik“.

Internetpornografie und ihre Folgen

Thomas Schirrmacher hat eine Vorlesung an der Theologischen Fakultät der Uni Paderborn online gestellt.

Was lehrt Internetpornografie Kinder und Jugendliche?

  1. Sex ist überall möglich und gut, zu jeder Zeit und mit jedermann.
  2. Sex hat keine Konsequenzen.
  3. Sex ist ein Zuschauersport, der möglichst öffentlich stattfinden sollte.
  4. Treue ist langweilig.
  5. Frauen müssen immer zu allem bereit sein.
  6. Frauen sind nackte Wesen und vor allem zur Befriedigung geschaffen.
  7. Männer sind die Bestimmenden und es hat nach ihren Wünschen zu gehen.
  8. Das Aussehen bestimmt den Wert der Menschen.
  9. Man kann den Partners nach eigenen Wünschen zusammenstellen oder wechseln.
  10. Oft tritt hinzu: Gewalt/Schmerzen und Sex gehören zusammen.

Tabus sind gefallen, durch andere Tabus ersetzt:

Man tabuisiert die Sexsucht. Man tabuisiert die Pornografiesucht. Man tabuisiert die Folgen, die es für die Entwicklung von Kindern hat, wenn sie im Alter von zum Beispiel zehn Jahren in Filmen und Bildern gemeinsam Dinge sehen, die andere nicht einmal zu denken wagen. Man tabuisiert, dass die Botschaft der Verfügbarkeit der Frau alle Erfolge der Gleichberechtigung zunichte macht. Man tabuisiert, wieviele Scheidungen auf Pornografie und Sexsucht oder durch sie ausgelöste Seitensprünge zurückgehen. Massenhafte Pornografie reduziert nachweislich den Wunsch auf langfristige Beziehungen und den Kinderwunsch. Aber es ist tabu, darüber zu sprechen, welche Rolle die sexuelle Verwahrlosung dabei spielt, dass die Deutschen immer weniger Kinder bekommen.

Switch to our mobile site