Tag Archives: Kirche

Zur Kirche gehen ist gesund

So titete die NY Times unlängst die Kolumne einer Anthropologin.

A study conducted in North Carolina found that frequent churchgoers had larger social networks, with more contact with, more affection for, and more kinds of social support from those people than their unchurched counterparts. And we know that social support is directly tied to better health.

VD: NP

In der Predigt: Was springt für mich ab?

Aus meiner beruflichen Tätigkeit weiss ich um die Ungeduld von Seminarteilnehmern, wenn es um die Herleitung eines Modells oder die Erarbeitung von Grundlagen einer bestimmten Denkschule geht. Besser lässt Mann dies gleich weg und beginnt induktiv, das heisst in ihrem Alltag, bei ihren unmittelbaren Problemstellungen. Erst nachdem Betroffenheit geschaffen worden ist, steigt die Bereitschaft für Herleitungen im Sinne von Hilfestellungen an. – Szenenwechsel: Sonntagmorgen, Predigt, Bibeltext. Keine Anekdote aus dem Leben des Verkündigers, kein Anspiel oder Filmausschnitt, keine Lebensgeschichte – sondern “einfach” der Bibeltext. Es dauert fünf, zehn Minuten, um den Hintergrund des Bibeltextes so zu erhellen, dass der Zusammenhang für einen nicht eingeführten Zuhörer einigermassen gebahnt ist. Dann folgt die Erklärung über die Aussage des Textes. Diese Erklärung dreht sich nicht um uns, sondern um Gott. Es geht um seine Eigenschaften, seinen Plan, sein Wirken. Die Unruhe steigt an, die Gedanken schweifen ab, der Blick geht verstohlen zur Uhr. Gib uns noch schnell einige Anleitungen für unser Leben. Sag uns schnell, wie wir uns besser fühlen können. Genau diese Erwartungshaltung ist durch die Unterhaltungsindustrie in uns gezüchtet worden. Doch: Es entgeht uns genau dann viel, wenn wir denken, ein Bibeltext oder gewisse Aussagen daraus würden uns nichts angehen. Weshalb? All das, was Gott über sich aussagt, hilft uns dabei, unsere Gesamtsicht zu verändern. Ganz abgesehen davon, dass der Heilige Geist im Christen das Verlangen weckt, ihn besser kennen zu lernen, gilt: Durch das, was wir über Gott lernen, gewinnen wir indirekt auch für unser Leben. Ich wage sogar zu behaupten: Solche Einsichten können eine To-Do-Liste oder einen Fünf-Punkte-Plan glatt ersetzen.

Die Karnevalisierung des Gottesdienstes

Nachdem ich zwei Jahrzehnte moderne und postmoderne Gottesdienstgestaltung miterlebt habe, stehe ich diesen Formen heute sehr skeptisch gegenüber. Die offensichtliche mittel- und langfristigen Folgen: Gottesdienst-Konsumkultur, erschreckend zurückgehende Bibelkenntnis, hoher Besucherumschlag. Insbesondere können – von grossen Sammelgemeinden abgesehen – auf diese Art kaum Jugendliche integriert und schon gar nicht langfristig gehalten werden.

Ich stimme der Analyse von Ron Kubsch über zeitgemässe Gottesdienstformen zu.

Gottesdienste sind heute vielerorts eine Spielfläche für Experimente geworden. Der Mensch ist das Maß aller Dinge, auch bei der Ausgestaltung der Gottesdienste. Dieser Anthropozentrismus sorgt dafür, dass wir in den Gottesdiensten immer häufiger dem begegnen, was wir sowie- so gut kennen, nämlich unsere Alltagskultur.

Es ist ratsam, sich über die Erneuerung des Gottesdienstes Gedanken zu machen. Wir sind aufgefordert, dies mit viel Mut und Kreativität zu tun. Natürlich muss es uns dabei ein Anliegen sein, dass die „Gute Nachricht“ von den Hörern verstanden werden kann. Als Luther die Bibel in deutscher Sprache unters Volk brachte und deutsch predigen ließ, wurden mehr Menschen erreicht und die geistliche Mündigkeit der Gemeindeglieder immens gestärkt. Aber Innovationen der Gottesdienstordnung können geistliche Aufbrüche nur dann fördern, wenn sie schriftgemäß sind. Nicht wir Menschen und der Zeitgeist gehören ins Zentrum. Das Evangelium von Jesus Christus muss die Mitte des Gottesdienstes sein. Wir brauchen vor allem den Mut, das Evangelium zu verkündigen. Das Wort Gottes muss Raum erhalten: durch Predigt, Schriftlesungen, Lieder, Gebete und die Sakramente. Das, was die Menschen brauchen und geist- liche Erneuerung möglich macht, liegt nicht in uns, sondern kommt von Gott.

Hier geht es zum Download des Artikels “Gottesdienst als Spielfläche –  Geistlicher Aufbruch durch neue Gottesdienstkulturen?” Interessant finde ich insbesondere den Vergleich zwischen reformatorischem, modernem und postmodernem Gottesdienst (siehe Seite 24).

Warum wir Interesse an der Katholischen Kirche haben sollten

Carl Trueman von Westminster Seminary beschreibt, warum Evangelikale Interesse an der Katholischen Kirche haben sollten:

Some may wonder what the point of reflecting on Rome is for a Protestant.  At least threefold, I would respond.  First, Protestants benefit from a conservative papacy: on public square issues such as abortion, marriage and religious freedom, the RCC has a higher profile and more power – financial, legal, institutional – than any Protestant group.  We all benefit from the cultural and legal power of the RCC in these areas.  Second, your neighbours probably do not distinguish between Christian groups.  A sleazy, morally corrupt RCC is like a sleazy, morally corrupt televangelist ministry: we are all marked with the same brush in the public eye and our task of evangelism becomes that much harder.  Third, RC authors often offer more penetrating insights into secular culture than their evangelical equivalents.  Comparing George Weigel to Rob Bell in such circumstances is akin to comparing Michelangelo to Thomas Kinkade.

VD: JT.

Den ewigen Sabbat schon in diesem Leben anfangen

Wenn es etwas gibt, das ich nochmals bewusster begehe, dann ist es den Sabbat bzw. Sonntag. Einen Tag hat Gott in der Woche reserviert, um in besonderer Weise an ihn zu denken und Gemeinschaft untereinander zu haben. Im Heidelberger Katechismus, 103. Frage, steht:

Was will Gott im vierten Gebot?

Gott will zum einen, dass das Predigtamt (Tit 1, 5 / 1. Tim 3, 14-15)
und die christliche Unterweisung erhalten bleiben (1. Tim 4, 13-16;  5, 17 / 1. Kor 9, 11-14 / 2. Tim 2, 2 / 3, 15)
und dass ich, besonders am Feiertag, zu der Gemeinde Gottes fleissig komme. (Ps 40, 10-11; 68, 27 / Apg 2, 42.46 / 1. Kor 14, 19.29-31)

Dort soll ich Gottes Wort lernen, die heiligen Sakramente gebrauchen, (1. Kor 11, 33 / 1. Tim 2, 1-3.8-10 / 1. Kor 14, 16)
den Herrn öffentlich anrufen und in christlicher Nächstenliebe für Bedürftige spenden. (1. Kor 16, 2)
Zum andern soll ich an allen Tagen meines Lebens von meinen bösen Werken feiern und den Herrn durch seinen Geist in mir wirken lassen. (Jes 66, 23)
So fange ich den ewigen Sabbat schon in diesem Leben an.

 

10 Top-Gründe, warum unsere Kinder die Kirche verlassen

Warum verlassen so viele “fromm” aufgewachsene Kinder ihre (evangelikalen) Gemeinschaften? Mir bleibt nichts übrig, als dieser Auflistung (unter Schmerzen) beizupflichten. Hier ist die Hitparade in eigenen Worten:

10. Das ständige Gerede von der “relevanten” Kirche hat sie “irrelevant” gemacht. Der historische, 2000 Jahre alte Glaube wurde peppig eingepackt.

9. Sie haben alles erlebt – von Rock-Konzerten über Pizza-Partys – ausser dem, was wirklich Kirche ist.

8. Irgendwann werden sie “smart”, weil die anderen sie für voll nehmen, z. B. die Angostiker in den höheren Ausbildungen.

7. Sie werden ungerüstet in die Welt gesandt, geradezu ignorant im Glauben.

6. Wir haben unser Bestes getan, sie stets wissen zu lassen, dass der Glaube aus Gefühlen besteht und ihnen nie gesagt, dass auch unsere Gefühle “evangelisiert” werden müssen.

5. Sie lagen stets in einem hausgemachten Nest der “Gemeinschaft”.

4. Glaube ist innerlich und subjektiv, nicht historisch und objektiv.

3. Sie sind müde immer zu hören, dass der Glaube “das Beste überhaupt” ist. Kein Platz für Leid, Depression, Kampf und Zweifel.

2. Sie kennen die Wahrheit. Diese lautet: Versuch’s ein bisschen härter, dann wirst du ein bisschen besser (= Moralin).

1. Sie finden diese Art von Kirche (inkl. dieser Meta-Botschaften) überflüssig.

Vielen Dank, AW, für den Hinweis!

Falsche Lehrer haben Führerqualitäten und sind wundervolle Persönlichkeiten

Thomas Schreiner hat zur Einsetzung von John Pipers Nachfolger Jason Meyer über Hebräer 13,7 gepredigt:

Erinnert euch immer wieder an die, die einst die Verantwortung für eure Gemeinde trugen und euch die Botschaft Gottes verkündeten. Haltet euch vor Augen, wie sie Gott bis ans Ende ihres Lebens vertrauten, und nehmt euch ihren Glauben zum Vorbild. (NGÜ)

Schreiners mahnende Worte hallen nach:

  • Watch out for elders in your midst who subvert the gospel. False teachers may have leadership gifts, and wonderful personalities, and psychologically healthy children, but they are false if they place their confidence in their own wisdom instead of the word of God.
  • Most false teachers are nice guys with great personalities.

VD: JT

44 Ideen für die Zukunft der Schweiz

Der Thinktank Avenir Suisse hat vor einigen Tagen 44 Ideen für die Schweiz für morgen und übermorgen präsentiert. Hier können die einzelnen Reformvorschläge einzeln studiert werden.

Ich habe mir überlegt, was die 44 Ideen für die (Frei-)Kirchen in der Schweiz wären. Dies könnte sogar ein Vorgehen für eine einzelne Gemeinde werden, sich über morgen und übermorgen Gedanken zu machen.

Vier Kurzberichte über den Dienst in Gottes Reich

Unglaublich, was Paulus alles erlebt und erduldet hat! Interessanterweise schreibt er diese vier Kurzberichte alle der Korinthergemeinde.

Ich glaube nämlich, Gott hat uns Apostel auf den letzten Platz gestellt, wie Todgeweihte; denn wir sind zum Schauspiel geworden für die Welt, für Engel und Menschen. 10 Wir stehen als Toren da um Christi willen, ihr dagegen seid kluge Leute in Christus. Wir sind schwach, ihr seid stark; ihr seid angesehen, wir sind verachtet. 11 Bis zur Stunde hungern und dürsten wir, gehen in Lumpen, werden mit Fäusten geschlagen und sind heimatlos. 12 Wir plagen uns ab und arbeiten mit eigenen Händen; wir werden beschimpft und segnen; wir werden verfolgt und halten stand; 13 wir werden geschmäht und trösten. Wir sind sozusagen der Abschaum der Welt geworden, verstoßen von allen bis heute. (1Korinther 4,9-13)

8 Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; 9 wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. 10 Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird. (2Korinther 4,8-10)

4 In allem erweisen wir uns als Gottes Diener: durch große Standhaftigkeit, in Bedrängnis, in Not, in Angst, 5 unter Schlägen, in Gefängnissen, in Zeiten der Unruhe, unter der Last der Arbeit, in durchwachten Nächten, durch Fasten, 6 durch lautere Gesinnung, durch Erkenntnis, durch Langmut, durch Güte, durch den Heiligen Geist, durch ungeheuchelte Liebe, 7 durch das Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit in der Rechten und in der Linken, 8 bei Ehrung und Schmähung, bei übler Nachrede und bei Lob. Wir gelten als Betrüger und sind doch wahrhaftig; 9 wir werden verkannt und doch anerkannt; wir sind wie Sterbende und seht: wir leben; wir werden gezüchtigt und doch nicht getötet; 10 uns wird Leid zugefügt und doch sind wir jederzeit fröhlich; wir sind arm und machen doch viele reich; wir haben nichts und haben doch alles. (2Korinther 6,4-10)

23 Ich ertrug mehr Mühsal, war häufiger im Gefängnis, wurde mehr geschlagen, war oft in Todesgefahr. 24 Fünfmal erhielt ich von Juden die neununddreißig Hiebe; 25 dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See. 26 Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer, gefährdet durch falsche Brüder. 27 Ich erduldete Mühsal und Plage, durchwachte viele Nächte, ertrug Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße. 28 Um von allem andern zu schweigen, weise ich noch auf den täglichen Andrang zu mir und die Sorge für alle Gemeinden hin. (2Korinther 11,23-28)

Eine erschütternde Diagnose über Gottes Volk

Jeremia 6+7 enthält eine erschütternde Diagnose über Gottes damaliges Volk. Ich frage mich, ob die Beurteilung heute anders ausfallen würde.

Sie wollen nicht hören

ihr Ohr ist unbeschnitten; sie können nicht darauf achten. Siehe, das Wort des Herrn ist ihnen zum Hohn geworden; sie haben keine Lust daran. (6,10)

sie wissen nicht mehr, was sich schämen heißt, und empfinden keine Scham. (6,15)

Sie aber sprechen: »Wir wollen nicht darauf wandeln!« … Sie aber sprechen: »Wir wollen nicht darauf achten!« (6,16+17)

weil ihr alle diese Werke verübt habt, spricht der Herr, und weil ich zu euch geredet habe, indem ich mich früh aufmachte und [immer wieder] redete, ihr aber nicht hören wolltet; weil ich euch gerufen habe, ihr aber nicht geantwortet habt… (7,13)

Aber sie gehorchten nicht und neigten mir ihre Ohren nicht zu, sondern sie wandelten nach den Ratschlägen, nach dem Starrsinn ihres bösen Herzens, und sie wandten mir den Rücken zu und nicht das Angesicht. Von dem Tag an, als eure Väter aus dem Land Ägypten zogen, bis zu diesem Tag habe ich euch alle meine Knechte, die Propheten, gesandt, [und zwar] täglich, indem ich mich früh aufmachte und sie [immer wieder] sandte, aber sie haben mir nicht gehorcht und mir kein Gehör geschenkt, sondern sie zeigten sich noch halsstarriger und böser als ihre Väter. (7,24-26)

Oberflächliche Diagnose und falsche Heilungsversprechen

sie heilen den Schaden der Tochter meines Volkes leichthin, indem sie sprechen: »Friede, Friede!«, wo es doch keinen Frieden gibt. (6,14)

Verlaßt euch nicht auf trügerische Worte wie diese: »Der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn ist dies!«  (7,4)

Der Gottesdienst läuft weiter wie immer

Was soll mir der Weihrauch von Saba und das köstliche Gewürzrohr aus fernem Land? Eure Brandopfer sind mir nicht wohlgefällig, und eure Schlachtopfer sind mir nicht angenehm! (6,20)

Meint ihr denn, nachdem ihr gestohlen, gemordet, die Ehe gebrochen, falsch geschworen, dem Baal geräuchert habt und anderen Göttern nachgelaufen seid, die ihr nicht kennt, daß ihr dann kommen und vor mein Angesicht treten könnt in diesem Haus, das nach meinem Namen genannt ist, und sprechen: »Wir sind errettet!« — nur, um dann alle diese Greuel weiter zu verüben? (7,9+10)

So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Bringt nur eure Brandopfer zu euren Schlachtopfern hinzu und eßt Fleisch! Denn ich habe zu euren Vätern nichts gesagt und ihnen nichts befohlen in bezug auf Brandopfer und Schlachtopfer an dem Tag, als ich sie aus dem Land Ägypten herausführte, sondern dieses Wort habe ich ihnen befohlen: Gehorcht meiner Stimme, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein; und wandelt auf dem ganzen Weg, den ich euch gebieten werde, damit es euch wohlergehe!  (7,21-23)

Der Aufruf zur Umkehr bleibt.

Tretet hin an die Wege und schaut und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, welches der gute Weg ist, und wandelt darauf, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! (6,16)

Bessert euren Wandel und eure Taten, so will ich euch an diesem Ort wohnen lassen!  … nur wenn ihr euren Wandel und eure Taten ernstlich bessert, wenn ihr wirklich Recht übt untereinander,  wenn ihr die Fremdlinge, die Waisen und Witwen nicht bedrückt und an dieser Stätte kein unschuldiges Blut vergießt und nicht anderen Göttern nachwandelt zu eurem eigenen Schaden — dann will ich euch an diesem Ort wohnen lassen (7,3+5-7)

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