Meine beiden Ältesten haben den Sackmessertest bei Opa bestanden. Stolz präsentierten sie mir ihr neues Messer. Mein Zweiter meinte abends vor dem Schlafen: “Das war einer der schönsten Tage in meinem Leben.”
Ungewöhnlich, aber nicht ungehörig: Freude am Lernen
Meine Mutter fragt meinen Sohn, was er denn am liebsten mache. – Die Antwort: “Schule?” – Sie fragt verdutzt nach: “Wie bitte?” – Er nochmals: “Schule.”
Es ist ungewöhnlich, jedoch nicht ungehörig: Freude am Lernen.
Papis Vortrag…
war sehr lang, aber gut.
Schmunzelnd lese ich den Reisebericht meines Ältesten durch und entdecke diesen Satz – er hat mich auf einer Reise begleitet. Danke für die Rückmeldung!
Geben ist…
weniger als nehmen.
Getreulich hatte mein Dritter den Vers aufgesagt, so wie er ihn verstanden hatte – und damit die Meinung vieler Menschen getroffen: Sie erwarten die Seligkeit vom Empfangen und nicht vom Geben. In den älteren Generationen ist dieses Prinzip, so scheint mir, noch viel eher verankert. Von einem Freund habe ich die Lektion gelernt: Das, was du wirklich besitzt, ist das, was du weggegeben hast.
P. S. Jesus sagte: Geben ist seliger als nehmen.
Darf man einen Achtjährigen an eine zweistündige Vereinsversammlung mitnehmen?
Ich meine: Man darf. Und: Wir unterschätzen unsere Kinder. Meine beiden Ältesten sassen die beiden Stunden nicht nur brav ab, sondern sie gingen inhaltlich (zumindest phasenweise) mit. Etwas zappeln zwischendurch? Das ist doch normal, welcher Erwachsener hängt nicht ab und zu ab?
Es gab für mich mehrere Momente des Staunens: Beim Punkt 7 “Statutenänderung” stiess mich mein Junior an und meinte aufgeregt: “Das ist so spannend.” Das lag einerseits am Vortragenden (ein Vorbild für meines Jungs), andererseits an der Sache. Ich fragte meinen Zweiten hinterher, was ihn interessiert habe. Er antwortete: “Alles.” (Das heisst bei ihm: Es hat ihm grundsätzlich gefallen.) Ich fragte nach: “Und was besonders?” Er antwortete: “Als sie über die Games sprach.” (Die Leiterin der Kinderarbeit sprach über Regeln bezüglich Gamen in der Kirche.) Ich bohrte nochmals nach. Er: “Sie meinte, dass es auch gute Games gibt.”
A propos Computerspiele: Die bisher wichtigste Erkenntnis dazu habe ich in diesem Post festgehalten: Reale Erlebnisse sollen die Ersatzerlebnisse vor dem Bildschirm ablösen. Das bedeutet für uns Väter: Raus aus der Komfortzone. Oder wie jemand es ausgedrückt hat: “Bewege deinen Hintern und schalte den Fernseher ab.”
Momente im roten und im grünen Bereich: Serie Woche 12
Rot
- Wir stehen vor der Poststelle. Ich habe meine beiden Söhne losgeschickt, um ein Ticket für den Schalter lösen. Beide kommen zurück, der kleinere weinend, der ältere mit mehreren Ticktets in der Hand, erzürnt. Am Telefon erklärt der junge Mann meiner Frau, dass er getröstet werden möchte. Und er erklärt auch gleich wie: „Mich auf den Schoss nehmen und über die Haare streichen.“
- Ich warte auf meinen Sohn, der in der Gesangsstunde ist. In Hördistanz bekomme ich mit, wie Musikschüler kommen und gehen. Der Lehrer zu einer Mutter: „Ihre Tochter hat Fortschritte gemacht. Wie oft übt sie?“ – Die Mutter, etwas verlegen: „Unterschiedlich.“ Nach einer Pause: „Einmal, vielleicht zweimal die Woche.“ Der Lehrer schweigt. Was er sich wohl denkt? Die nächste Schülerin kommt eine Viertelstunde zu spät. Bei Hinausgehen die Grossmutter des Kindes: „Ist es gut gegangen?“ Der Lehrer antwortet leise: „Nein, gar nicht.“ In einem kleinen Abstand: „Es war sehr mühsam.“ Die Grossmutter entnervt zum Kind: „Ja, es klappt bei dir im Moment weder in der Schule noch hier. Hör doch lieber auf mit dem Unterricht.“ Noch eine Weile redet sie (grob) auf das Kind ein. Hier wird ein Urteil gefällt – doch stimmt die Diagnose?
- Nochmals zum Thema Musikunterricht: Es besteht ein grosser Unterschied zwischen „durchspielen“ und „üben“. Manche Kinder kommen – so meine Beobachtung – gar nie in den eigentlichen Übungsmodus. Widerwillig wird das Stück durchgespielt, und dann wendet man sich der nächsten Beschäftigung zu.
- Mein Vierter ist nachhaltig beeindruckt von der Filmserie „Unsere kleine Farm“. Manchmal kommt er zu mir und fragt mich: „Können wir wieder den krassen Film gucken?“ (Übrigens: Ein Dreijähriger kann schon ganz ordentlich nacherzählen.)
Grün
- Die ersten Worte meines Zweiten am Morgen sind oft: „Was machen wir heute?“ Er erhofft sich ein Spezialprogramm – einen Ausflug, einen Besuch. So könnte er dem täglichen Lernen entrinnen. (Hat er dann einmal begonnen, geht es ganz flott.)
- Das herrliche Wetter der vergangenen Tagen lud zum Frühlingsspaziergang. Mein Teilzeitengagement und der flexible Tagesablauf mit Home Education ermöglichte es uns, an zwei Mittagen draussen ein Feuer zu machen und zu grillieren. Wir waren weit und breit die einzigen.
- Mein Zweiter überlegt sich laut, ob seine Frau ihm später wohl auch einen solch leckeren Reisauflauf zubereiten und auf die Seite tun würde. Er wägt ab und kommt zum Schluss: „Wohl eher nicht.“
- In der Sonntagschule war das Thema „Vergebung“. Die Jungs hatten Karten mit Klebern und der Aufschrift „Entschuldigung“ gebastelt. Zu Hause entwickelten sie ein lebhaftes Spiel daraus: Den anderen einfangen, ihn schlagen und dann schnell eine Entschuldigungskarte zeigen.
Momente im roten und im grünen Bereich: Serie Woche 11
Grün und drollig
- Unser Jüngster hat sich über mein Nachttischchen her gemacht. Meine Frau: „Aber, nein, was hast du denn gemacht?“ Als Antwort geht das kleine Maul auf, und ein gelber Würfel kullert aus seinem Mund.
- Die ersten Klavierlektionen meines Ältesten waren für ihn wie auch für uns inspirierend. Der Lehrer hörte sich einmal das Stück an, um dann stehend mit den Händen hinter sich zu greifen und das Stück so zu spielen. Die Veranschaulichung: Es genügt nicht, ein Stück einfach zu spielen. Es muss blind gespielt werden können. Die Lektion war so intensiv, dass unsere anderen Kinder, die dabei waren, still waren – das über 30 Minuten!
- In der Mittagspause hüten die Älteren unseren Jüngsten. Er beginnt zu weinen. Sie wissen sich zu helfen: Sie holen einen Nuggi (er braucht sonst nie einen), streichen ihn mit Honig ein – und er war wieder still. Meine Frau meint: „Das wird doch alles klebrig.“ – „Nein, er hat alles sauber abgeschleckt.“
- Meine Jungs beratschlagen untereinander, wie das Taschengeld investiert werden soll. Sie beschliessen, die „Ausschüttung“ in der Studentenpapeterie in Schreibwaren zu stecken. Ich lächle und erinnere mich an die eigene Kindheit: Auch mein Geld floss in Stifte, Hefte und Papier.
Rot und lehrreich
- Lernen hat (auch) mit dem Willen zu tun. Noch selten habe ich das so deutlich erlebt wie mit meinem Zweiten. Für viele Dinge muss er sich erst innerlich überwinden. Er hat seine Maschen, um den Aufwand zu umgehen. Er tut zum Beispiel so, als komme er nicht klar. Wie kann das sein: Im ersten Anlauf sind alle Rechnungen falsch, im zweiten alle richtig? (Wichtig ist es die Fehlerquellen herauszufinden. So wurde uns klar, dass ein Teil der Fehler darauf zurückging, dass er die Rechnungen von rechts nach links las.)
- Das Zusatzprogramm unseres Ältesten ist gut dotiert: Drei Gesangsproben, Doppellektion in Turnen und im Schwimmen sowie die Klavierstunde. Wir müssen immer wieder für freie „Spielzonen“ und für Erholung (vor-)sorgen.
- Meine Jungs stellen Forderungen immer häufiger im Rudel. So beschliessen sie, dass wir als Familie in B. übernachten könnten (unser Silvesterausflug). Sie bestürmen uns mit ihren Ideen. Sie wollen jeden Tag etwas Spezielles machen. Doch oft liegt einfach das Übliche drin.
- In struben Momenten habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine doppelte Anstrengung von mir als Vater notwendig ist: Entschieden und auch mal lautstark den Lauf der Dinge stoppen, Arbeiten zuteilen, sie am Anfang überwachen und mich dann sukzessive wieder rauszunehmen. Das lohnt sich – die nächsten Stunden verlaufen anders.
Momente im roten und im grünen Bereich: Serie Woche 10
Essenszeit als Rote Zone
- Wir sitzen am Mittagstisch. Es kann nicht schnell genug gehen. Die Jungs drängen auf Nachschub. Ich gebe mir Mühe, allen Wünschen in Ruhe nachzukommen. Mein Dritter versucht’s mit einem Extra-Argument: „Papi, ich will dich nicht drängen.“
- Während dem Essen gibt es Gefechte aus den Gewehren (= Finger). Ich muss gehörig aufpassen, dass die Rivalitäten sich nicht innert Sekunden verschärfen.
- Mein Dritter: „Papi, lies uns aus der kleinen Bibel vor.“ Freudig nehme ich den Vorschlag auf. Ich muss mich durchsetzen – gegen drei bis vier andere, die etwas erzählen möchten. Da gilt es: Sich durchsetzen und sich kurz halten.
- Das Klatschen gehört auch zu den Ritualen, um sich Gehör zu verschaffen. Meistens geschieht es just in dem Moment, als (endlich) alles ruhig ist.
- Am Schluss brüllt die Bande: „Danke, Mami, für das feine Essen.“ Es kommt von Herzen, und wir halten uns die Ohren zu.
Grün und drollig
- Meine Frau zu meinem Vierten: „Ich lasse dich nicht alleine nach draussen. Ich möchte sehen, was du machst.“ Er: „Jetzt sitze ich am Boden.“ Einige Momente später: „Jetzt stehe ich.“
- Meine Frau tritt auf den Balkon und ruft meinem Vierten, der mit Jauchzen das erste Mal an den Sandkasten durfte. Als er sie sieht, ruft er: „Nein, ich will noch länger bleiben.“ Sie wirft ihm den Zvieri zu. Er strahlt. Was für eine (positive) Überraschung!
- Der Winter neigt sich dem Ende zu – Zeit für das letzte Fondue. Wir sind am Zubereiten, als mein Vierter ruft: „M. einladen!“ Stimmt, meine Schwester gehört jeweils zur fröhlichen Ruhe mit dazu. Ich stelle die Pfanne auf den Tisch und denke: Wir müssen nicht heizen, der Inhalt ist schnell genug weg…
- Mein Zweiter bekommt einen Franken, um einen Znüni für sich zu kaufen. Er kommt mit einem ganzem Paket Farmer zurück. Er hatte den Zuschuss mit eigenem Geld ergänzt. Typisch für ihn! Mein Dritter kommt aufgeregt mit dem Portemonnaie zu mir. Er will unbedingt nachziehen.
- Mein Jüngster robbt nicht mehr, er kriecht. Alle anderen wollen auch zeigen, dass sie kriechen können. Mein Dritter kriecht gar in der „Grätsche“. Am Schluss wollten sie alle Mami umarmen.
- Nach dem Schwimmunterricht kommt mein Zweiter mit ernster Miene auf mich zu: „Ich will wirklich schwimmen lernen.“ Man merkt’s. Doch wehe, er will etwas wirklich NICHT…
Momente im roten und im grünen Bereich: Serie Woche 9
Grün
- „Hat dir dein Geburtstag gefallen?“ – Mein Vierter wiegt den Kopf: „Der Kuchen war zu klein.“
- Ich sitze mit meinem Dreijährigen im Musical, in dem seine Brüder mitsingen und Theater spielen. Sein Bruder fällt vor seinen Augen in der Rüstung eines Soldaten um. Ein Erdbeben. Sicherlich zwanzigmal hörte ich den Tag über die Frage: „Warum ist der Soldat umgefallen?“
- Im Seminarhotel wurde mir am frühen Morgen eine kleine Bibel geschenkt – was mich sehr freute. Ich erzählte beim Abendessen davon. Mein Dritter: „Das ist eine Bibel für die Hosentasche. Lies uns daraus vor.“
- Meine Jungs erzählen vom Tag bei Opa und Oma. Sie sind fischen gegangen – mit einer Schnur, einem Brötchen und einem Stein (damit die Schnur sinken konnte).
Rot
- Ich sass eines Abends dreiviertel Stunden am Bettchen meines Jüngsten, er brüllte. Ich wollte ihm zeigen, dass ich bei ihm bin, und dass ich erwarte, dass er wieder einschläft. (Nach dreiviertel Stunden löste mich meine Frau ab, und er schlief sofort ein.)
- Nochmals zum Thema Schlaf: Mein Jüngster weigerte sich, im Liegen einzuschlafen. Er wankte vor-, rück- und seitwärts, um schliesslich sitzend vom Schlaf übermannt zu werden. Die Bedeutung seines Namens scheint zuzutreffen: „Stein“.
- Der Keller ist Gefahrenzone. Es lauern dunkle Gestalten hinter den Türen. Nachdem ich die Jungs einige Male eskortiert hatte, traute ich ihnen den Gang alleine zu. Dafür investierte ich eine halbe Stunde Zureden. Ich bot Bewaffnung an: Eine Kartonrolle, eine Kelle und schliesslich das Wallholz.
- In den letzten Tagen griffen wir immer wieder an die Schublade: Sie blieb zu. Man konnte drücken, schütteln, betteln, rütteln – sie blieb geschlossen. Mein Ältester: „Hast du schon mal gebetet?“ Am gleichen Abend war sie offen. Das ohne Wunder, aber mit Schraubenzieher.
Momente im roten und im grünen Bereich: Serie Woche 8
Rot
- Bedingter Gehorsam: “Wenn du dies und das gemacht hast, dann darfst du…” Mit dieser unglücklichen Formel halte ich nur zu oft meine Jungs in Schach. So entwickelt sich ein wenn-dann-Gehorsam: Wenn ich jetzt ruhig bin, erhalte ich ein zweites Stück Kuchen. Wenn ich die Mathematikaufgaben erledige, darf ich mit zur Tennisstunde. Wenn ich mein Zimmer aufräume, dann erhalte ich die Zwischenverpflegung. So schwer es meiner Natur auch fällt, muss ich immer wieder Abstand nehmen von einer solchen Verknüpfung. Es geht mir ja nicht um den bedingten Gehorsam und um meine Ruhe, sondern um eine Herzensänderung des Kindes.
- Unbelehrbar: Mein Zweiter stand zum ersten Mal auf den Langlauf-Skiern. Mit grosser Freude lief er einige Runden. Einzig am Berg ging es nicht mehr weiter. Doch er wollte nicht auf unsere Anweisung zur Verbesserung seiner Technik eintreten. So liessen wir ihn gewähren. Er mühte sich ab, die Steigung zu überwinden. Verschiedene Fahrer, die vorbeikamen, versuchten ihm zu helfen – letztlich mit Erfolg. Als Eltern gilt es immer wieder abzuwägen, wann wir ihm helfen, den eigenen Widerstand zu überwinden, und wann wir ihn einfach gewähren und ausprobieren lassen sollen.
- Ein Plan und Flexibilität ihn anzupassen: Erneut liegt eine Woche Urlaub hinter mir. Wie ich schon an anderer Stelle ausgeführt habe, helfen uns als Familie: Zwei, drei Regeln, ein Wochen- sowie Menueplan. Hinzu kommt eine wichtige Komponente: Meine eigene Bereitschaft, den Plan zum Wohl des Ganzen laufend anzupassen. Ich neige eher zur Sturheit, worunter meine Frau am meisten zu leiden hat!
- Wachen über dem Familienklima: Es gibt Tage, die ausgefüllt sind mit steter Wachsamkeit über dem Familienklima. Unter meinen Jungs gibt es wechselnde Koalitionen, die eine Gemeinsamkeit haben: Alle gegen einen. Das tolerieren wir als Eltern nicht. Solche Konfliktmuster verhärten sich nur zu oft mit bleibenden Folgen für das Familiengefüge. So gilt es, wechselweise die Interessen der Schwächeren zu vertreten und auszugleichen. Die Kinder können nicht alles alleine regeln!
- Die eigenen Anforderungen loslassen: Meine Ideen und Interessen sind so breit, dass sie nie und nimmer in meinen Tagen Platz finden. Auch wenn ich schon viele Zeitkiller ausfindig gemacht habe, bleibe ich knapp an der Zeit. Da gilt es immer wieder im Gebet die eigenen Anforderungen (und den daraus entstehenden Druck) loszulassen.
Grün
- Es war wunderschön: Mein Zweiter war das erste Mal in Einsiedeln (www.schwedentritt.ch). Auf dem Rückweg meinte er strahlend zu mir: „Jetzt weiss ich, warum du so gerne nach Einsiedeln gehst. Es ist wunderschön.“
- Unbekümmerter Vorwärtsdrang: Ich bleibe beim Skifahren: Mein Ältester erfreut mich immer wieder mit seinem zuversichtlichen Vorwärtsdrang. Er schnallt die Skier an, geht los, fällt um, steht wieder auf und geht weiter. Manchmal (nicht immer) hört er auch auf meinen und anderer Rat (smile).
- Gut gemacht: Mein Vierter hatte Geburtstag. Erst am Folgetag packt er unser Geschenk aus – Duplo, die wir ersteigert und gemeinsam als Familie eines Abends abgeholt hatten. In freudiger Erwartung wickelt er das Paket aus, hält es in die Höhe und meint (mit gewichtiger, erwachsener Stimme): „Papi, Mami, das habt ihr gut gemacht.“