Tag Archives: Glück

Der Wiedereinstieg ins Berufsleben (9): In jeder noch so bescheidenen Arbeit Gott ehren

Bavinck entwickelt innerhalb seines Werks ” “, in dem er sich mit der Bildung von Jugendlichen im Übergang zum Erwachsenen widmet, eine christliche Vision von Arbeitsethik. Am Tag der Arbeit tut es gut, sich daran zu erinnern. Ich habe den Eindruck, dass mittlerweile auch viele Dienstleistungen “industrialisiert” worden sind und manche Arbeitnehmer Bezug und Sinn zu ihrer Arbeit verloren haben. Während der Arbeit leben sie nur im Gedanken an die nächste Freizeitbeschäftigung auf.

Das Bewusstsein des moralischen Charakters eines Berufs ist verloren gegangen, z. T. auch durch die Industrialisierung und der damit verbundenen Arbeitsteilung mit ihren stark monotonen Abläufen. … Der Arbeiter wird in der Fabrik ein Teil der Maschine und verliert die Freude an der Arbeit. Er sieht im Beruf nur ein Mittel des Lebensunterhalts, eine Last, die er trägt, eine Notwendigkeit. Sein Ziel ist es, möglichst viel freie Zeit zu bekommen, um sich Vergnügungen zu widmen.  … Die hohen Moralvorstellungen des Berufs finden im Christentum ihren Ursprung und ihr Fundament. Der griechische Dualismus zwischen Geist und Materie … hatte einen Gegensatz zwischen geistiger Arbeit und Handarbeit aufgebaut. Dieser Kontrast wurde durch die kirchliche Askese und die aristokratische Renaissance wiederbelebt. Das ursprüngliche Christentum kannte diesen Gegensatz nicht, und die Reformation hatte den Beruf als göttliche Berufung wieder neu betont. … Täglich dienen wir, wenn auch in einer noch so bescheidenen Arbeit, Gott und leben für die Ehre seines Namens. Jeder Arbeit bekommt im Licht seines ewigen Standes Preis und Ehre, welche  menschliche Kultur niemals verleihen kann. … Jeder Beruf verlangt moralische Eigenschaften, die zu seiner Ausübung nötig sind: Einsicht, Verständnis, Wissen, Weisheit, aber nicht minder treue Pflichterfüllung, Fleiss, Ehrlichkeit, Engagement.

Herman Bavinck. De opvoeding der rijpere jeugd. J.H. Kok: Kampen 1916. S. 181-186 (keine wörtliche Übersetzung)

Unverschämtes Wachstum

Welche Wachstumswünsche hegen wir bewusst und unbewusst? Soll unser Bankkonto anwachsen, unsere Büchersammlung, unsere Bekanntheit zunehmen, die Anzahl unserer Facebook-Freunde?

Paulus hegt für die Gemeinden ganz andere Wachstumsziele! Und er wünscht sich kein zögerliches, sondern unverschämtes Wachstum in gegenseitiger Liebe, in einem Gott-gefälligen Lebensstil, im Glauben, in Erkenntnis und Urteilsvermögen, in Freigebigkeit.

Euch aber lasse der Herr wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu jedermann… 1Thess 3,12

Über die Bruderliebe aber braucht man euch nicht zu schreiben; denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, einander zu lieben, … Wir ermahnen euch aber, ihr Brüder, daß ihr darin noch mehr zunehmt. 1Thess 4,9-10

…daß ihr in dem noch mehr zunehmt, was ihr von uns empfangen habt, nämlich wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt. 1Thess 4,1

Wir sind es Gott schuldig, allezeit für euch zu danken, Brüder, wie es sich auch geziemt, weil euer Glaube über die Maßen wächst und die Liebe jedes einzelnen von euch zunimmt allen gegenüber… 2Thess 1,3

es geschieht alles um euretwillen, damit die zunehmende Gnade durch die Vielen den Dank überfließen lasse zur Ehre Gottes. 2Kor 4,15

um das bete ich, daß eure Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und allem Urteilsvermögen. Phil 1,9

daß ihr in allem reich werdet zu aller Freigebigkeit, die durch uns Gott gegenüber Dank bewirkt. Denn die Besorgung dieses Dienstes füllt nicht nur den Mangel der Heiligen aus, sondern ist auch überreich durch die vielen Dankgebete zu Gott. 2Kor 9,11+12

Die Rückkehr in die Familie (14): Gesundheit ist nicht das höchste Gut

Ich habe mir länger überlegt, was ein geeigneter Schlusspunkt für diese Serie sein könnte. Es sind die Worte einer Zuschrift, die ich erhalten habe: Gesundheit ist nicht das höchste Gut. Als Hiobs Besitz weggenommen wurde, trug er dies mit Fassung. Als seine Gesundheit angegriffen wurde, empfahl ihm seine Frau, sich von Gott loszusagen. Gesundheit ist das Gut, das uns am ehesten daran erinnert, dass wir letztlich nichts in der Hand halten. In den vergangenen Wochen habe ich manche Menschen erlebt, die für Gesundheit alles drangeben. Doch genau in dieser Bewegung steckt eine Selbsttäuschung: Wir haben unser Leben nicht in der Hand, so viel wir auch dafür aufwenden mögen. Gesundheit ist wertvoll, Prävention sinnvoll. Doch das wichtigste ist es, Gewissheit über den ewigen Schatz zu haben. Was nützt es dir, wenn du die ganze Welt gewinnst und deine Seele verlierst?

Diese Erde ist für mich Einsatz- und Zurüstungsort. Sie ist für mich insofern nicht fremd, als sie der Besitz meines Vaters ist und ich überall Spuren seines wunderbaren Wirkens entdecke. Gleichzeitig befremdet sie mich, weil sie unter der Last der Entfremdung von Gott und unter der Herrschaft von Gottes Gegenspieler seufzt. Paul David Tripp bemerkt treffend: “Vielleicht beklagen wir uns deshalb über Gott, weil wir diese Erde als unsere Destination ausgewählt haben anstatt sie als Vorbereitung für unsere definitive Bestimmung zu sehen.” Insofern betrachte ich auch die vergangenen Tage nicht nur als Momente von Familienglück und gesunder Auseinandersetzung, sondern als Vorbereitung für die nächste Lebensetappe und mein ewiges Zuhause.

Die Rückkehr in die Familie (4): Als alle Anspannung abfiel

Läuft alles wie am Schnürchen? Nein, ein Tag geht es besser, der andere ist durchzogen. Als ich mich am Abend meiner Rückkehr aufs Bett setzte, holte mich der Tag ein. Die Anspannung fiel von mir ab, der Temperaturunterschied machte sich bemerkbar. Und ich bekam einen Krampf am ganzen Körper. Für mich war es weniger schlimm als für meine Familie, die den Vorfall nicht richtig einordnen konnte. Ich wusste, wie ich in solchen Momenten vorzugehen hatte, stand auf und versuchte tief in den Bauch zu atmen. Nach drei, vier Minuten war es vorüber. Ich machte es mir im Bett bequem und besprach den Vorfall mit meiner “Mannschaft”. Angehörige tendieren dazu anzunehmen, dass es stets bergauf gehen muss bei Rekonvaleszenten. Das Leben verläuft anders, nämlich in Kurven, bergauf und -ab.

Dieses Erlebnis gemahnte mich an eine wichtige Tatsache des christlichen Lebens. Was passiert, wenn die Freude nicht mehr da? Was geschieht, wenn mein Herz nicht von Sehnsucht nach meinem Herrn und Retter überfliesst? John Piper schreibt im ersten Kapitel seines Folgebuches zu “Sehnsucht nach Gott”, “Wenn die Freude nicht mehr da ist”:

Es ist nicht das Ziel, Kissen weicher zu machen, sondern Opfer zu tragen
In diesem Buch möchte ich am meisten dem Missverständnis aus dem Wege gehen, dass ich schreiben würde, damit wohlhabende westliche Christen es bequem haben, als ob die Freude, an die ich denke, das psychologische »Tüpfelchen auf dem i« eines schon oberflächlichen Christentums sei. Daher sage ich gleich zu Beginn deutlich, dass ich schreibe, um eine Freude zu erwecken, die die tragende Kraft der Barmherzigkeit, der Mission und des Märtyrertods ist. Sogar jetzt beim Schreiben dieses Satzes werden Christen in der Nähe von Kano, Nigeria, zu Tode gehackt. Gestern wurde ein 26-jähriger amerikanischer Geschäftsmann im Irak von Terroristen enthauptet. Warum gerade er? Er war nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Diese Art des Todes wird besonders für Christen zunehmen. Im Sudan wird den Christen systematisch das Wasser vorenthalten, während sie an Verdursten und Unterernährung sterben, und verzweifelte Versuche, an die Brunnen zu gelangen, enden mit Mord, Vergewaltigung oder Entführung. Jeden Monat kommen neue Berichte über die Zerstörung christlicher Gemeinden und die Verhaftung von Pastoren in China. Im letzten Jahrzehnt wurden mehr als 500 christliche Gemeinden in Indonesien zerstört. Auf der ganzen Welt sind Missionare bedroht.

Wenn ich über die Frage spreche: »Was soll ich machen, wenn ich kein Verlangen nach Gott habe?«, dann spreche ich über die Frage: »Wie kann ich eine Freude in Christus erlangen oder wiederbekommen, die so tief und so stark ist, dass sie mich von der Sklaverei westlicher Bequemlichkeit und Sicherheit befreit, und die mich zu den Opfern der Barmherzigkeit und der Mission antreiben wird und mich im Angesicht eines Märtyrertods tragen wird?« Verfolgung ist für Christen normal. »Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden« (2. Timotheus 3,12). »Geliebte, lasst euch durch das Feuer der Verfolgung unter euch, das euch zur Prüfung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes« (1. Petrus 4,12). »Wir [müssen] durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen« (Apostelgeschichte 14,22). Im Neuen Testament verkleinert diese ernüchternde Wahrheit nicht das Zentrum der Freude – sie vergrößert es. »Wir rühmen uns auch der Trübsale, da wir wissen, dass die Trübsal Ausharren bewirkt« (Römer 5,3). »Glückselig seid ihr, wenn sie euch … verfolgen. … Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln« (Matthäus 5,11-12). »Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet, indem ihr erkennt, dass die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt« (Jakobus 1,2-3). »Sie nun gingen aus dem Hohen Rat fort, voller Freude, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden« (Apostelgeschichte 5,41).

Der Kampf um Freude in Christus ist kein Kampf, um die Kissen westlicher Bequemlichkeit weicher zu machen. Es ist ein Kampf um Stärke, damit man ein Leben der aufopfernden Liebe führen kann. Es ist ein Kampf, um Jesus auf dem Weg des Kreuzes zu begleiten und mit ihm dort zu bleiben, ganz egal was passiert. Wie wurde er auf diesem Weg getragen? Hebräer 12,2 antwortet: »… der um der vor ihm liegenden Freude willen … das Kreuz erduldete«. Der Schlüssel zur Ausdauer in der Angelegenheit der aufopfernden Liebe ist nicht heldenhafte Willenskraft, sondern tiefe, unerschütterliche Zuversicht, dass die Freude, die wir in der Gemeinschaft Christi geschmeckt haben, uns im Tod nicht enttäuschen wird. Opfer der Liebe wurden im Neuen Testament nicht durch Willenskraft getragen, sondern durch freudige Hoffnung. »Ihr habt sowohl mit den Gefangenen gelitten als auch den Raub eurer Güter mit Freuden aufgenommen, da ihr wisst, dass ihr für euch selbst einen besseren und bleibenden Besitz habt« (Hebräer 10,34).

Danke, John Piper, diese Theologie passt zu jedem Tag von mir, aber auch zu jeder Zeit, jedem Land und jeder Situation.

Weshalb wir uns für einen Minimal Lifestyle entschieden haben (6): Viel Schönes kostet nichts

Edith Schaeffer, die Frau des bekannten Apologeten Francis Schaeffer, hat ein anregendes Buch “Mit Phantasie und Liebe. Von der Kunst, den Alltag zu verschönern” geschrieben (Haus der Bibel/Oncken Verlag: Genf/Zürich/Basel, Wuppertal 1977 (3. Auflage). Sie entwickelt darin viele Ideen, den Schönheiten des Alltags auf die Spur zu kommen. Das ist kaum möglich, wenn unser Leben damit besetzt ist, dem nächsten Konsumgegenstand nachzujagen.

‘Verborgene Kunst’ definiert Edith Schaeffer als Kunst, die sich in den wenig beachteten Gebieten des Lebens verbirgt. Sie meint damit das, was mit dem täglichen Leben zusammenhängt, und nicht jemandes Karriere oder Beruf.

Ich glaube, dass jeder Mensch Gaben hat, die in einem verborgenen Winkel seines Innern schlummern und die entfaltet werden können.

Schaeffer beginnt mit der Musik. Diese sollte ein fester Bestandteil im Leben jeder Familie oder Gruppe sein.

Es liegt ein Zauber darin, gemeinsam zu musizieren. Alle Aufregung, alles Geplärre legt sich, und die Luft wird gereinigt. Dies gilt sowohl für Erwachsene wie für Kinder.

Wenn in einer Familie überhaupt keiner musikalisch begabt ist, dann kann eine Familie trotzdem in den Genuss von Musik kommen, indem sie eine langsam wachsende Sammlung von Schallplatten (richtig gelesen, keine MP3-Sammlung im iTunes) anlegt, die dann gemeinsam gehört und diskutiert werden. Oder sie besuchen gelegentlich ein Konzert oder hören sich ein ausgewähltes Konzert im Radio an.

„Ich kann nicht zeichnen.“ Schaeffer dementiert die Standardausrede. Man muss kein grosser Künstler sein, dessen Gemälde in den Galerien ausgestellt werden, um das befriedigende Gefühl zu haben, sein Mal- und Zeichentalent richtig zu nutzen.

Sie brauchen sich nicht so hohe Ziele zu stecken. Verzieren Sie einen Briefkopf oder schmücken Sie den Brief mit Skizzen. Listen können fröhlich gestaltet werden. Glückwunschkarten kann man selber zeichnen oder den Zuckerguss als einfache Zeichnung auftragen. Mit Kindern können Plakate gemalt oder Lieder mit Zeichnungen umrahmt werden.

Unter Innenarchitektur versteht Edith Schaeffer alles, was wir mit dem Ort anfangen, an dem wir für eine bestimmte Zeit wohnen. Gestalte dein Zuhause so, dass es dich auch künstlerisch befriedigt. Sieht es aus wie im Katalog oder ist es persönlich gestaltet? Warum sollen wir uns nicht mit Dingen umgeben, die etwas von unserem Geschmack und unseren Interessen verraten? Ob man selber eine Tischplatte zurecht schneidet, einen Stuhl schmirgelt, Leder schneidet oder etwas webt – es geht nicht um die künstlerischen Anstrengungen, sondern um den Zustand, in dem sich ein Zuhause (oder auch ein Büro) befindet.

Fast jeder kann sich ein Stückchen Erde, genügend Licht und Samen beschaffen, um den Zauber zu erfahren, der im Ziehen von Pflanzen liegt. Und sei es nur ein winziges Plätzchen, das hinter dem Haus zur Verfügung steht!

Der Mensch wurde geschaffen, damit er Umgang mit lebendigen Dingen habe, und nicht, um in einem Betonklotz inmitten verpesteter Luft zu leben und zu sterben.

Der Gartenbau führt uns zurück zur Erde. Und er ist eine ausgezeichnete Art körperlicher Betätigung!

Heutzutage (notabene vor knapp 40 Jahren) serviert man gern ein tischfertiges Essen aus der Tiefkühltruhe, das im Backofen aufgewärmt und auf einem Tablett vor das Fernsehgerät gebracht wird. Es gibt keine Unterhaltung, kein Tischgebet, man dankt niemandem, weil es niemandem im Weltall gibt, dem man danken müsste. Man nimmt schnell einen Happen und hastet dann weiter zur nächsten Verabredung. Die Kunst des Zusammenlebens, das Gefühl, eine Familie zu sein, ist weithin verloren gegangen.

Um wirklich zu einem Zusammenleben, zu echter Kommunikation zu kommen, sind gemeinsame Mahlzeiten ein guter Ausgangspunkt.

Gott schuf auf vielen Gebieten eine enorme Vielfalt, und für unsere Freude am Essen eine enorme Auswahl an Nahrungsmitteln. Nun hat die Sünde zwar viel verdorben, so dass ein vollkommener Genuss unmöglich geworden ist. Und doch will Gott, dass wir bis zu einem gewissen Grad mit Freude geniessen, was er geschaffen hat, und auch dies als ein Vorgeschmack dessen, was er verheissen hat.

Kochen sollte nicht als Plackerei, sondern als Kunst angesehen werden. Es tut gut, mit den Händen einen Teig zu kneten. Überhaupt ist die Küche ein interessanter Raum, in dem sich Mutter und Kind, aber auch Erwachsene, miteinander austauschen können.

Die Dinge, die Sie sagen möchten, die Ideen, die Ihnen zufliegen, sollten nicht für die Veröffentlichung aufgespart werden. Schreiben Sie jetzt! Teilen Sie sich jemandem mit! Beginnen Sie mit einem Brief und schreiben Sie dann auch anderen, die auf ein Lebenszeichen von Ihnen warten! (…) Wer enttäuscht ist, dass er keine Karriere als Schriftsteller machen kann und nicht gleichzeitig eine Unmenge Briefe schreibt, gehört zu den verkümmerten Menschen.

Die Menschen verderben und zerstören nicht nur die Natur, sie ziehen sich auch von ihr zurück. Immer befinden sie sich in einem Gebäude, auf einer Strasse, in einem Auto, auf einer gepflasterten Terrasse – immer ist da etwas zwischen ihnen und der Erde. Der Mensch wurde geschaffen, um die Dinge der Erde zu gebrauchen, den Sauerstoff, die Minerale, die Minerale, Pflanzen und Tiere. Alles in unserer Zivilisation ist aus Rohmaterial unserer Erde hergestellt und abgeleitet, und doch haben wir uns mehr und mehr von den elementaren und erdhaften Dingen entfernt.

Wir befinden uns in der Natur unter all den Dingen, die Gott geschaffen hat, in der richtigen Umgebung, um inspiriert zu werden. Darum sind regelmässige Ausflüge in die Natur ideale Gelegenheiten zur Erholung und Gemeinschaft.

„Familienschläuche“, schlechte Stimmung, „vertane“ Zeit? Schaeffer ist anderer Meinung:

Man könnte Familienzusammenkünfte planen, bei denen alle anwesend sind; Mahlzeiten, bei denen den Kindern der Vorrang gegeben wird und die Ereignisse in der Welt so besprochen werden, dass es nicht über ihre Köpfe hinausgeht, und wo die Erwachsenen selbst dem Fünfjährigen genau erklären, worum es geht. Zur freien Meinungsäusserung sollte ermutigt werden, so dass zum Beispiel der Standpunkt des Fünfundneunzigjährige – der in seinem langen Leben viele Erfahrungen gesammelt hat – mit dem der Siebzehnjährigen verglichen wird, die mit ihren Bemerkungen ihre Altersgenossen vertritt.

Jeder von uns ist “Umgebung”

Es geht nicht nur um unsere Umgebung, wir selber sind wichtiger Bestandteil unserer Umgebung. Das ruft Schaeffer am Schluss ihres Buches in Erinnerung.

Jeder von uns ist “Umgebung” für die Menschen, mit denen er zusammenlebt, mit denen er zusammenarbeitet, mit denen er Gemeinschaft hat. Und in diesem Sinne sind wir selbst “Kunstform”. Gerade wie die Umgebung, die die modernen Künstler schaffen, die Leute in einer bestimmten Richtung beeinflusst, wenn sie den Raum nur betreten, so sind wir “Umgebung” dar, ob wir es wollen oder nicht. Wir schaffen die Umgebung, in der andere leben müssen.

Kinder brauchen Ermutigung und Anleitung

All die genannten Bereiche und gemeinsamen Aktivitäten – Musik, Zeichnen und Malen, Innenarchitektur, Gartenbau, kochen, schreiben, gemeinsame Mahlzeiten, Ausflüge in der Natur und Familientreffen – sind Gelegenheiten, die Gaben unserer Kinder zu entdecken und sie dabei zu unterstützen, diese zu entfalten: 

Kinder sind von Natur aus schöpferisch begabt, aber sie brauchen Ermutigung und Anleitung. Sie müssen erkennen, dass sie als ein Bild des Schöpfers geschaffen wurden und schöpferisch sein sollten. Sie werden verstehen lernen, dass da ein Unterschied ist zwischen dem Unendlichen (Gott) und dem Endlichen (Menschen). Sie werden feststellen, dass sie nicht alles können, aber deshalb brauchen sie nicht aufzugeben und vor dem Bildschirm das Leben anderer Leute mitzuleben und eines Tages an einem Platz und in einem Beruf zu stehen, an dem sie kein Interesse haben und für den sie keine Begeisterung aufbringen.

Weshalb wir uns für einen Minimal Lifestyle entschieden haben (5): Geschickt wirtschaften

Jedes Mal, wenn ich mich auf konkrete Ratschläge einlasse, komme ich ins Zögern. Denn es entsteht sehr schnell eine eigene Messlatte, die ich mir so zurecht lege, dass ich darüber springen kann. Auch wenn es ums Geld geht, ist Moralin die falsche Verschreibung. Erst wer wirklich verstanden hat, wo das wahre Glück zu finden ist und durch die Kraft des Heiligen Geistes danach lebt, kann solchen unten beschriebenen Leitlinien befreit nachleben.

  1. Die Fixkosten tief halten: Viele Anschaffungen ziehen Folgekosten (Unterhalt, Versicherungen, Abschreibungen, Wiederbeschaffungskosten) mit sich. Überlege, welche Fixkosten du senken kannst, indem du dich von Hab und Gut trennst.
  2. Ehrlich rechnen: Ich erlebe manche Menschen, die sich in ihrer eigenen Argumentation verstricken, die lautet: “Das kostet mich nur…” Nehmen wir zum Beispiel den Wagen: Wer nur laufende Kosten (Benzin, Versicherung, Steuern, Unterhalt) berechnet statt Vollkosten inkl. Abschreibung, macht sich selbst etwas vor. Ein Beispiel: Wer in vier Jahren 25’000 abschreibt, den kostet nur schon diese Wertverminderung monatlich 500.
  3. Monatlich rechnen: Wer von Monat zu Monat nur das rechnet, was effektiv rausgeht, der betrügt sich selbst. Es ist viel geschickter, alle übers Jahr anfallenden Kosten (inkl. Steuern, Versicherungen, Mitgliederbeiträge etc.) auf den Monat umzulegen und so zu budgetieren. Dazu gehören auch Rückstellungen, das heisst Vorsorge für unregelmässig und überraschend anfallende Kosten wie Krankenkassen-Selbstbehalt oder Zahnarzt.
  4. Weil ich es mir leisten kann: Manche Menschen sehen es als logisch an, sich alles zu beschaffen, weil sie es sich leisten können. Wer jedoch wirklich als Verwalter Gottes lebt, der wird merken, dass dieses Motto einem “Leben vor Gott” widerspricht. Zudem ist es nachgewiesen, dass jeder, der wirtschaftlich unterhalb seinen Möglichkeiten lebt, entspannter und glücklicher ist.
  5. Geben ist seliger als nehmen: Viele – und ich schliesse mich darin ein – tun sich schwer damit, nur schon einige wenige Prozente ihres Einkommens wegzugeben. Sie berufen sich auf “Grosszügigkeiten” in der Vergangenheit. Eine solche Mentalität zeugt von einer “klein karierten”, mit ungleich langen Spiessen messenden Einstellung: Mit sich selbst bin ich grosszügiger als mit anderen.

Siehe auch “10 Hinweise für ein finanziell gesundes 2013″ und “Die Ausgaben im Griff behalten – 10 Hinweise”

 

Weshalb wir uns für einen Minimal Lifestyle entschieden haben (4): Auf Kompensationshandlungen verzichten

Der römische Philosoph Seneca schrieb: “Glück ist die Fähigkeit zum Verzicht.” Cicero schrieb eine lange Unterredung, um zu widerlegen, dass Lust das höchste Gut ist. Wie ist das aus christlicher Sicht zu beurteilen? Sprach Jesus nicht davon, täglich das Kreuz auf sich zu nehmen und sich selbst zu verleugnen? Gebot er nicht, dem zu geben, der von dir borgen will? Der entscheidende Punkt ist: Gilt es zu verzichten um des Verzichts willen? Wird der Verzicht an sich zur Tugend erhoben, gleiten wir zu schnell in einen Moralismus ab. Nicht mehr das Werk von Jesus und seine Gnade stehen an oberster Stelle, sondern unsere Bereitschaft zu verzichten und unseren Geist und Körper unter Kontrolle zu halten. Meist ist dies verbunden mit dem intensiven Wunsch, uns mit anderen zu vergleichen und unser Selbstwertgefühl über diesen “Benchmark” zu steigern.

Jesus ist punkto Verzicht ein ideales Beispiel: Er erduldete das Kreuz nicht um des Kreuzes, sondern um der vor ihm liegenden Freude willen (Hebräer 12,2). Er wurde nicht arm um der Armut willen, sondern um uns reich zu machen (2. Korinther 8,9). Er entäusserte sich nicht um der Entäusserung willen, sondern um durch seinen Gehorsam seinen Vater zu ehren (Philipper 2,6-11). Wir stehen in der Gefahr den Verzicht zu sehr überzubetonen, anstatt vom übergeordneten Ziel her unsere Wünsche zu beurteilen.

Von diesen Grundsatzüberlegungen ausgehend wechseln wir in unseren Alltag. Wenn ich etwas konsumieren oder mir etwas anschaffen will, stelle ich mir die Frage: Was treibt mich dazu an? Was möchte ich kompensieren? Was wäre das passende “Original” der Freude in Jesus? Ich bin mir bewusst, dass mein Herz unergründlich erfinderisch darin ist, selbstsüchtige Wünsche vor mir selbst und anderen zu rechtfertigen. Wie wäre es, wenn wir hier und da die (oft kurz andauernde) Leere aushalten und um die Freude in Jesus bitten würden? Ich glaube, dass sich daraus eine befriedigende Gewohnheit entwickeln kann – befriedigend auch für unsere Nächsten.

Weshalb wir uns für einen Minimal Lifestyle entschieden haben (2): Etwas rein, etwas raus

Ich kann mich gut an zwei Erlebnisse erinnern, die mittlerweile gut zehn Jahre zurückliegen. Da war zunächst die Sache mit unserem Wagen. Meine Frau und ich vereinbarten beim Umzug in die Stadt, dass wir nach einem halben Jahr unseren Wagen verkaufen würden, wenn wir eine bestimmte Anzahl Kilometer unterschreiten würden. Bei der Abmachung dachte ich mir noch: “Diese Mindestkilometer werden wir sowieso erreichen.” Doch ein halbes Jahr später stiessen wir unseren Wagen ab. Dazu muss ergänzt werden: Wir wohnen an einer verkehrstechnisch äusserst günstigen Lage. Unsere Gemeinde ist in einer Gehdistanz von 15 Minuten erreichbar, manche Freunde wohnen in der Umgebung, wir können um die Ecke einkaufen, für den Arbeitsweg kann ich zwischen Tram, Bus und Zug auswählen. Ausserdem gibt es einige hundert Meter von unserem Haus entfernt einen Postauto-Knotenpunkt. Wir können einsteigen und sind in 20 Minuten an einer Feuerstelle im Grünen. Für einige Urlaube durften wir den Wagen meiner Eltern benützen.

Weiter kommt mir eine Räumungsaktion unseres Dachbodens in den Sinn. Ich schleppte während einem halben Tag schweisstriefend Kiste um Kiste nach draussen. Was ich mir in meinen Junggesellenjahren nicht alles angeschafft hatte! Meine Sammlernatur hatte sich nicht nur fröhlich Bücher angeschafft, es gab auch CD’s, Filme und viele weitere Gegenstände. Heute teilen wir uns als siebenköpfige Familie eine grosszügige 5 1/2-Zimmer-Wohnung. Wenn jeder mit Sammeln beginnen würde, wäre die Wohnung im Handumdrehen gefüllt und verstellt. Wir haben darum über die Jahre ein Prinzip etabliert: Wenn etwas Grösseres rein kommt, geht etwas anderes raus. Dies hat sich sehr bewährt. Meine Frau und ich lieben beispielsweise unser unverstelltes Entrée (Eingangsraum). Er steht fast symbolisch für den Raum, der durch die Etablierung der neuen Gewohnheit entstanden ist.

Weshalb wir uns für einen Minimal Lifestyle entschieden haben (1): Unser tägliches Brot gib uns heute

Bei uns lautet das Motto anders: Beschaffe dir das, wozu du im Moment Lust hast? In den Kästen türmen sich so viel Kleider, manche davon nie oder kaum getragen. Auf dem Estrich stapeln sich längst vergangene Konsumfreuden, manche Wohnungen füllen sich mit Sammelstücken. Neue Möbel werden ohne Aufheben um der Laune willen ausgewechselt, ebenso ganze Inneneinrichtungen. Es geht nicht um den Bedarf, sondern um das Stillen von Bedürfnissen, die oft erst künstlich geschaffen worden waren.

Das Motto aus der Bergpredigt “Unser tägliches Brot gib uns heute” ist für uns in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Es bedeutet: Nach dem Bedarfsprinzip zu leben beginnen. Was benötigen wir wirklich für einen Sommer oder einen Winter? Wir schreiben den Bedarf aus, sprechen und verhandeln darüber. Wir beziehen auch unsere Kinder in den Entscheidungsprozess mit ein. Es geht nicht darum (das ist die Kehrseite), ängstlich, besserwisserisch oder gar um des Verzichts willen auf bestimmte Dinge zu verzichten. Es geht vielmehr um eine positive Herangehensweise: Was benötigen wir wirklich? Das bringt etliche erstrebenswerte Vorteile mit sich: Zuerst einmal Dankbarkeit für das, was Gott gibt; ein zuversichtliches, fröhliches Investieren in den täglichen Bedarf; und vor allem frei gesetzte Ressourcen (Zeit, Kraft und Geld).

Über der Herzgrenze (13): Übermässige Geschäftigkeit

Endlich geht er ans Eingemachte. Wir wussten es doch alle: Er war übermässig geschäftig. Ich lasse die Diagnose von andern einmal Diagnose der andern sein. Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Ich packe die Gelegenheit beim Schopf und denke über die übermässige Geschäftigkeit unserer Tage und unserer Umgebung nach. Zürich gilt neben New York und Tokyo als Stadt mit der höchsten Gehfrequenz. Die Anzahl Reize pro Zeiteinheit steigt kontinuierlich an, und das schon bei den Jüngsten. Es überlastet unsere Seele.

Kevin DeYoung, vielbeschäftiger Pastor, Ehemann, Vater von fünf Kindern, Buchautor, Blogger und Konferenzredner und zudem gleicher Jahrgang wie ich hat sich mit dem Thema Geschäftigkeit ausführlich auseinander gesetzt (siehe diese drei Posts). Die Geschäftigkeit tötet unsere Freude, erstickt unser geistliches Wachstum und deutet auf eine tiefer liegende Wurzel quer liegender Motivation hin.

Manche bleiben ihr Leben lang gesund, ja, gerade die Geschäftigkeit hält sie aufrecht. Doch Achtung:

When we are crazy busy we put our souls at risk. The challenge is not merely to make a few bad habits go away. The challenge is not to let our spiritual lives slip away. When we are crazy busy we put our souls at risk. The challenge is not merely to make a few bad habits go away. The challenge is not to let our spiritual lives slip away.

Eine schlechte Gewohnheit der übermässig Geschäftigen ist das Planen ohne Reserve. Im besten Fall kann alles in den Tag gepackt werden, was auf der Agenda steht.

I see the meetings I need to have, the sermons I need to prepare, the emails I need to write, the blogs I need to post, the projects I need to complete, the people I need to see and figure that if everything goes a little better than expected, I’ll be able to squeeze it all it in.

Unsere Geschäftigkeit folgt einem vorgegebenen Muster. Sie wird zur schlechten Gewohnheit.

Busyness is like sin: kill it or it will be killing you. Most of us fall into a predictable pattern.

Jesus vergleicht die “Sorgen des Lebens” und die “Sorge nach den übrigen Dingen” (Markus 4,19) mit Dornen, welche den Samen von Gottes Wort ersticken. Die Geschäftigkeit kann unser geistliches Wachstum ersticken.

For most of us, it’s not heresy or rank apostasy that will derail our profession of faith. It’s all the worries of life.

Die übermässige Geschäftigkeit weist auf Motive hin, die nicht gesund sein – mögen das überzogene Ambitionen wie gefühlte Bedeutungslosigkeit sein.

The presence of extreme busyness in our lives may point to deeper problems—a pervasive people pleasing, a restless ambition, a malaise of meaninglessness.

Herr, heile uns von übermässiger Geschäftigkeit!

Switch to our mobile site