Tag Archives: Geistliches Leben

Gemeinde: Wenn der Zufluchtsort zur Bedrohung wird

Ich habe im Twitter ein kurzes Statement abgegeben: Viele verlassen den Schutzraum einer Gemeinde gerade dann, wenn sie den Schutz am dringendsten nötig hätten. Dieser Gedanke ist mir schon oft durch den Kopf gegangen. Kevin DeYoung twitterte vor einigen Tagen: Das „Beharren“ der Heiligen ist nicht nur ein Geschenk Gottes, es ist ein Gemeinschaftsprojekt.

Darauf gab es berechtigte Einsprache. Lass mich zuerst versuchen, den Einwand zusammen zu fassen: Just der Ort, an dem Menschen Schutz suchen sollten, wird zum Platz der Bedrohung. Gemeindeglieder erfahren von ihren geistlichen Mitstreitern Unverständnis und Verletzungen. Das heisst, die Gemeinschaft kann zum Alptraum werden, gerade dann, wenn die Sünden mit frommen Argumenten kaschiert werden. Ich habe schon erlebt, dass eine Seite bereit war Vergebung zu üben und in Anspruch zu nehmen, die andere sich jedoch weigerte nur schon von einem „Fehler“ zu sprechen, geschweige denn von „Sünde“. Wo keine Verfehlung eingestanden wird, können auch keine Beziehungen wiederhergestellt werden

Francis Schaeffer schreibt in seinem letzten Buch „Die grosse Anpassung“:

Es mag einfältig scheinen, unsere Liebe mit der Entschuldigung und der Bitte um Vergebung zu beginnen, aber das Gegenteil ist der Fall. Nur so können wir nämlich die Gemeinschaft wiederherstellen, sei es zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kind, innerhalb einer christlichen Gemeinde oder zwischen den einzelnen Gemeinden. Wenn wir den anderen nicht genug geliebt haben, sind wir von Gott aufgefordert, hinzugeben und zu sagen: ‘Es tut mir leid … es tut mir wirklich leid.’ Wenn ich nicht bereit bin, ‘es tut mir leid’ zu sagen, wenn ich jemandem Unrecht getan habe – und besonders, wenn ich ihn nicht geliebt habe –, dann habe ich noch nicht einmal darüber nachzudenken begonnen, was für die Welt sichtbare christliche Einheit bedeutet. Dann kann sich die Welt mit Recht fragen, ob ich überhaupt ein Christ bin. Und, lassen Sie es mich noch einmal betonen, es steht noch mehr auf dem Spiel: Wenn ich diesen einfachen Schritt nicht tun will, hat die Welt das Recht zu bezweifeln, dass Jesus von Gott gesandt war und dass das Christentum wahr ist. Wieweit haben wir bewusst so gehandelt? Wie oft sind wir unter der Leitung des Heiligen Geistes zu Christen in unserem Kreis gegangen, um ihnen zu sagen: ‘Es tut mir leid’? Wie viel Zeit haben wir aufgewendet, um die Verbindung mit Christen in anderen Kreisen wiederherzustellen und ihnen zu sagen: ‘Ich bereue, was ich getan, was ich ausgesprochen oder was ich geschrieben habe’? Wie oft ist eine Gruppe nach einem Streit zu einer anderen Gruppe gegangen und hat gesagt: ‘Es tut uns leid’? Dieses Verhalten ist so wichtig, dass es tatsächlich ein Teil der Evangeliumsverkündigung selbst ist. Sichtbar praktizierte Wahrheit und sichtbar praktizierte Liebe gehen mit der Verkündigung der frohen Botschaft von Jesus Christus Hand in Hand. Ich habe in den Auseinandersetzungen unter wahren Christen in vielen Ländern eines beobachtet: Was wahre christliche Gruppen und einzelne Christen trennt und voneinander scheidet – was über 20, 30 oder 40 Jahre hinweg (oder über 50 bis 60 Jahre im Gedächtnis der Söhne) dauernde Bitterkeit hinterlässt – ist nicht die Frage der Lehre oder des Glaubens, an der sich der Streit entzündete. Immer ist es der Mangel an Liebe und die hässlichen Worte, mit denen wahre Christen einander während des Streites bedachten. Die bleiben im Gedächtnis hängen. Im Laufe der Zeit erscheinen die sachlichsten Gegensätze zwischen den Christen oder den christlichen Kreisen nicht mehr so scharf wie zuvor, es bleiben aber die Spuren jener bitteren, hässlichen Worte, die in einer – wie wir meinten – berechtigten und sachlichen Diskussion gefallen sind. Genau darüber aber – über die lieblose Haltung und die harten Worte in der Kirche Jesu Christi, unter wahren Christen – rümpft die nichtchristliche Welt die Nase. Könnten wir, wenn wir als wahre Christen einander widersprechen müssen, einfach unsere Zunge hüten und in Liebe sprechen, so wäre die Bitterkeit in fünf oder zehn Jahren vorbei. So aber hinterlassen wir Narben – einen Fluch für Generationen. Nicht nur ein Fluch innerhalb der Kirche, sondern ein Fluch in der Welt. In der christlichen Presse macht es Schlagzeilen, und manchmal kocht es in die weltliche Presse über – dass Christen solch hässliche Dinge über andere Christen sagen. Die Welt schaut zu, zuckt die Achseln und wendet sich ab. Sie hat inmitten einer sterbenden Kultur nicht einmal den Funken einer lebendigen Kirche gesehen. Sie hat nicht einmal den Ansatz dessen gesehen, was nach Jesu Worten die überzeugendste Apologetik ist – sichtbare Einheit unter wahren Christen, die doch Brüder in Christus sind. Unsere scharfen Zungen, der Mangel an Liebe unter uns, verwirren die Welt zu Recht – weit mehr als die notwendigen Hinweise auf Unterschiede, die es zwischen echten Christen geben mag.“ (S. 199-200)

Das ist die eine Seite. Es gibt jedoch noch eine andere, die mich zu diesem Statement veranlasst hat. Auch diese ist mit bald 40 Jahren Freud‘ und Leid‘ innerhalb der Gemeinschaft einer Gemeinde verbunden. Ich habe unzählige Menschen die Gemeinde verlassen sehen. Die Gemeinde, in der ich seit 16 Jahren bin, hat sich in dieser Zeit bestimmt schon zweimal „erneuert“. Die Gründe, sich von der Gemeinschaft zurückzuziehen, sind vielfältig. Drei Szenarien:

  • Die einen haben, wie Johannes das ausdrückt, „die Welt liebgewonnen“. Sie sind so am Diesseits orientiert, dass ihre Prioritäten mit der Zeit lauter sprechen als ihr Bekenntnis. Über die Jahre schwimmen sie buchstäblich mit Arbeit und Freizeitbeschäftigungen davon.
  • Andere leben im Widerspruch zu Gottes Normen, zum Beispiel in sexuellen Sünden. Sie wissen innerlich um die zerstörerische Kraft ihres Lebensstils, wollen dies ändern, können aber mit der Zeit nicht mehr. Irgendwann – entschuldige den Ausdruck – spült es sie hinaus.
  • Wieder andere gehören beanspruchen über Jahre Leitungspositionen. Irgendwann widerrufen sie ihr Bekenntnis und kehren der Gemeinde – oft in grosser Hast – den Rücken.

Als ich obiges Statement schrieb, waren mir die Stellen aus dem Hebräerbrief vor Augen: Wir sind zu grosser Wachsamkeit aufgerufen, um nicht abzugleiten. Es geht um das wichtigste, nämlich um eine grosse Errettung (Hebr 2,1-4). Diese Wachsamkeit gilt auch gegenseitig. Wir sollen achtgeben, ob jemand ein „böses, ungläubiges Herz“ hat und einander jeden Tag ermutigen (Hebr 3,12-13). Wir sollen uns davor fürchten, dass jemand nicht in die ewige Ruhe eingeht und darum kämpfen (Hebr 4,1+11). Es gibt Menschen innerhalb der Gemeinschaft, die alle Vorzüge des künftigen Zeitalters schon genossen haben und sich dann abwenden. Sie gleichen einem Stück Land, das Regen empfängt, und Dornen und Disteln trägt (Hebr 6,4-8). Wer den Sohn Gottes mit Füssen tritt, soll sich fürchten. Denn die Ablehnung des rettenden Opfers wird Vergeltung nach sich ziehen (Hebr 10,26-31). Seht also zu, dass ihr nicht widerstrebt. Wir werden dem nicht entkommen, der uns auf diese Art warnt (Hebr 12,25-29). Darum sollen wir die Zusammenkünfte nicht verpassen, sondern einander auf dem Weg ermutigen (Hebr 10,24-25). Ich persönlich habe diese Ermutigung am stärksten dann erfahren, als ich a) Sünden bekannte, b) zurechtgewiesen wurde, c) die Ältesten mich an einer Wendestelle des Lebens mit Öl salbten (Jak 5,14). Alle drei dieser Situationen waren im Moment unangenehm und von mir lieber vermieden.

Lass mich das mit einer Herde vergleichen:  Der Alltag in einer Herde ist hart. Da gibt es Futterneid, Kämpfe, Wunden. Kevin meint zu Recht: In der Gemeinde Gottes gibt es nur zwei Sorten von Menschen – gerechtfertigte Sünder und sündige Sünder. Nur zu gern nehmen einige Reissaus und weiden auf vermeintlich saftigeren Wiesen. Doch Achtung: Es kommt auf den Schutz des Hirten an! Nicht die Herde zählt, sondern der Hirte. Der Aufenthalt ausserhalb seines Schutzbereiches ist lebensgefährlich. Lieber mit einigen Narben auf der Ziellinie anlangen, als ausserhalb zerrissen zu werden.

Die herausforderndste Ermahnung stammt aus der Feder von Dietrich Bonhoeffer (Gemeinsames Leben, 1935, S. 23-26):

Gemeinschaft ist von Gott geschaffene Realität. Voraussetzung zum Er-Leben dieser Realität ist der Zerbruch unserer Wunschbilder von Gemeinschaft:

Unzählige Male ist eine ganze christliche Gemeinschaft daran zerbrochen, dass sie aus einem Wunschbild heraus lebte. … Die grosse Enttäuschung über die Andern, über die Christen im Allgemeinen und, wenn es gut geht, auch über uns selbst, muss uns überwältigen, so gewiss Gott uns zur Erkenntnis echter christlicher Gemeinschaft führen will. … Wer seinen Traum von einer christlichen Gemeinschaft mehr liebt als die christliche Gemeinschaft selbst, der wird zum Zerstörer der christlichen Gemeinschaft. … Wer sich das Bild einer Gemeinschaft erträumt, der fordert von Gott, von dem Andern und von sich selbst die Erfüllung.

Wer Klage gegen eine Gemeinschaft erhebt, ruft Bonhoeffer daher zu einer Selbstprüfung auf:

Wer an einer christlichen Gemeinschaft, in die er gestellt ist, irre wird und Anklage gegen sie erhebt, der prüfe sich zuerst, ob es nicht eben nur sein Wunschbild ist, das ihm hier von Gott zerschlagen werden soll, und findet er es so, dann danke er Gott, der ihn in diese Not geführt hat. Findet er es aber anders, dann hüte er sich doch, jemals zum Verkläger der Gemeinde Gottes zu werden; sondern erklage viel mehr sich selbst eines Unglaubens an, der bitte Gott um Erkenntnis seines eigenen Versagens und seiner besonderen Sünde, der bete darum, dass er nicht schuldig werde an seinen Brüdern, der tue in der Erkenntnis seiner eigenen Schuld Fürbitte für seine Brüder, der tue, was ihm aufgetragen ist und danke Gott.

Sich in dieser Welt verlieren

While Christians formerly forgot the world for themselves, we run the danger of losing ourselves in the world.

Herman Bavinck, The Certainty of Faith, 94

Nicht zum Komfort oder Erfolg, sondern zum Gehorsam gerufen

Der Bericht von Karen Watson, 1997 zum Glauben gekommen, ausgesandt als Missionarin nach Jordanien und Irak, hat im heutigen Gottesdienst mein Herz berührt. 2004 kam sie in einem Hinterhalt im Irak ums Leben. Der Brief, den sie ihrer Gemeinde zurückliess und nur im Falle ihres Todes zu öffnen bat, hat schon bei ihrer Beisetzung grosse Wellen ausgelöst:

March 7, 2003

Dear Pastor Phil & Pastor Roger,

You should only be opening this letter in the event of death.
When God calls there are no regrets. I tried to share my heart with you as much as possible, my heart for the Nations. I wasn’t called to a place. I was called to Him. To obey was my objective, to suffer was expected, His glory was my reward, His glory is my reward.

One of the most important things to remember right now is to preserve the work. … I am writing this as if I am still working among my people group.

I thank you all so much for your prayers and support. Surely your reward in Heaven will be great. Thank you for investing in my life and spiritual well being. Keep sending missionaries out. Keep raising up fine young pastors.

In regards to any service, keep it small and simple. Yes simple, just preach the gospel. If Jason Buss is available or his dad have them sing a pretty song. Be bold and preach the life saving, life changing, forever eternal GOSPEL. Give glory and honor to our Father.

The Missionary Heart:

Care more than some think is wise.

Risk more than some think is safe.

Dream more than some think is practical.

Expect more than some think is possible.

I was called not to comfort or success but to obedience.

Some of my favorite scriptures are: Isaiah 6, you know the one. 2 Cor. 5:15-21, 1 Peter 1:3, Col. 4:2-6, Romans 15:20, Psalm 25 and 27. You can look through my Scofield and see where it is marked. Please use only what you want or feel is best.

There is no Joy outside of knowing Jesus and serving Him. I love you two and my church family.

In His care,
Salaam, Karen

23 Gründe zur Freude

Paul Tautges zählt 23Gründe zur Freude aus dem Philipperbrief auf:

  1. You have grace and peace from God (1:2)
  2. God will finish the good work of transformation into the image of Christ that He began through the gospel (1:6)
  3. Fellow believers are a gift from God, partakers with you of grace (1:7)
  4. In Christ, you are filled with the fruit of righteousness (1:11)
  5. God works your circumstances to His glory (1:12)
  6. Christ is proclaimed, whether or not the preacher’s motives are always pure (1:18)
  7. Christ will be exalted in your body, whether by your life or by your death (1:20)
  8. Your death will be gain (1:21)
  9. True, likeminded believers who live in love and unity (2:2)
  10. Setting your mind on the humility of Christ (2:5-11)
  11. The privilege of serving in gospel work (2:17-18)
  12. One loyal friend and co-worker (2:20)
  13. The mercy of God in the sorrows of life (2:28-30)
  14. The Lord himself is reason to rejoice (3:1; 4:4)
  15. The surpassing value of knowing Christ (3:7-8)
  16. Pressing toward the goal of Christ (3:13-16)
  17. Your true citizenship is in heaven (3:20)
  18. True brothers and sisters who are loved by God and who love you (4:1)
  19. God hears your thankful prayers and gives you peace (4:6-7)
  20. Developing godly thought patterns is possible in Christ (4:8)
  21. You are loved by other believers (4:11)
  22. Contentment is yours in Christ (4:12)
  23. God faithfully meets your needs and the needs of your fellow believers in Christ (4:17-19)

Wie würde sich ändern, wenn diese Freude unser Leben durchdringt?

Lasst das Wort des Christus reichlich unter euch wohnen

Vor einigen Wochen habe ich bereits über das Verlangen nach Gottes Wort geschrieben, das Gott nach meiner OP in mir verstärkt hat. In der ersten Zeit waren es einzelne Verse, welche mir Familie, Gemeindemitglieder und Freunde weitergaben, über die ich nachdachte. Zudem kamen mir manche Stellen in den Sinn, die ich nachschlug. Auch das Beten von Psalmen (siehe dieser Post) war mit grosser Freude und Erleichterung verbunden. Es war mir, als ob jemand vor mir schon meine tiefsten Gedanken und Empfindungen aufgeschrieben hätte. Daraus entstanden heilsame Selbstgespräche - heilsam deshalb, weil ich nicht nur in meinen eigenen Gedanken hängen blieb.

So bald es die Kraft zuliess, begann ich in meiner neuen ESV Studienbibel einen neuen Durchgang durch Gottes Wort. Es ist sehr ermutigend, immer wieder einen neuen Anlauf zu nehmen, um Gottes Wort im Zusammenhang zu lesen.

  • Ich begann mit Psalm 119. Was hängen blieb: Korrektur (durch die ständige Konfrontation mit Gottes Wort) und Kontinuität (dranbleiben im Lesen und Reflektieren)
  • Meine Reise setzte ich mit dem Buch Prediger fort. Die schonungslose und detaillierte Analyse eines sinn-entleerten Lebens ohne bzw. eines sinn-erfüllten Lebens mit Gott beeindruckte mich.
  • Parallel dazu las ich das Johannesevangelium. Insbesondere die Reden (z. B. Joh 5 + 8) faszinieren mich und bleiben mir gleichzeitig vom Stil her etwas fremd. Ich hege die Absicht, sie mit dem Kommentar von D. A. Carson erneut vorzunehmen.
  • Ausgelöst durch eine Predigt über Jeremia 1 las ich den gesamten Propheten durch. Ich bin ermutigt und beunruhigt durch seine Botschaft. Ermutigt durch die Treue des Propheten, beunruhigt durch die Menge an falschen Propheten und die Resistenz von Gottes Volk gegen Gottes Botschaft.
  • Das Studium von Esra war ein Aufsteller: Gott bewegt Herzen von Weltherrschern, so wie er “seine gute Hand” (Refrain) über seinem Diener hält.
  • Ebenso ermutigte mich das Buch Nehemia, das einen betenden und handelnden Führer zeigt. Ich teilte die Früchte meines Lesens in einer Andachtsserie mit meiner Familie.
  • Im Buch Esther zählte ich all die vielen kleinen Begebenheiten, die Gottes Wirken bis ins kleinste Detail zeigen. Ein Bericht seines souveränen Wirkens.
  • Die Thessalonicherbriefe ermutigen durch das schöne Zeugnis der Christen (z. B. am Anfang des zweiten Briefes); die Gebete von Paulus (1Thess 3,13; 5,23; 2Thess 1,11; 2,16+17; 3,5; 3,16) sind es wert studiert und nach-gebetet zu werden.
  • Die Psalmen lese ich in Etappen. Es ist wichtig, sich die Gattung des einzelnen Gedichts gut vor Augen zu halten (Dank oder Bitte, persönlich oder gemeinsam etc.).
  • Der Hebräerbrief beeindruckt durch seine Verflechtung mit dem Alten Testament. Er macht mir deutlich, um wen es zuerst und zuletzt geht: Um IHN.

P. S. Ich verstehe diesen Bericht nicht als Selbstdarstellung, sondern als Ermutigung: “Lasst das Wort des Christus reichlich unter euch wohnen!” (Kolosser 3,16)

Nachgefragt: Persönliches

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift des Mitternachtsruf (Mai 2013) durfte ich unter der Rubrik “Nachgefragt” auf sechs Fragen antworten:

Wie sind Sie zum Glauben an Jesus Christus gekommen?

Durch das Zeugnis meiner Eltern, insbesondere meines Vaters. Ich kann mich gut daran erinnern, wie er jeden Morgen in der Stube betete und die Bibel las. Als ich etwa sechs Jahre alt war, fing er mit täglichem Unterricht in der Bibel an.

Was sind Ihre drei Lieblingsbücher, abgesehen von der Bibel?

Es fällt mir schwer, mich festzulegen. Sehr geprägt haben mich als Kind mehrere hundert Vorträge zu biblischen Büchern von W. J. Ouweneel, die ich ab Kassette anhörte. Als junger Erwachsener las ich fasziniert die zehn Bände “Der Zweite Weltkrieg” von Winston Churchill. Und wenn ich meine Lektüre der vergangenen Jahre betrachte, dann fallen mir “Unterricht in der christlichen Religion” von Johannes Calvin, die “Bekenntnisse” und “Der Gottesstaat” von Augustinus sowie die “Reformed Dogmatics” von Herman Bavinck ein.

Welches Buch der Bibel lesen Sie am liebsten? Und warum?

Ich kehre immer wieder zum Ersten Buch Mose zurück. Es ist das Buch der Anfänge. In der heutigen nach-christlichen Zeit ist es wichtig, das grosse Panorama von Gottes Heilsgeschichte nicht zu vergessen. Dazu gehört, wie alles angefangen hat.

Welche historische Person des Christentums schätzen Sie am meisten? Und warum?

Wenn unter „historischen Person“ auch ein Christ des 20. Jahrhunderts gemeint sein kann, dann nenne ich Francis Schaeffer (1912-1984). Als „Evangelist der Intellektuellen“ verstand er es, die biblische Botschaft mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. Sein prophetisch anmutendes Reden gegen die Lieblosigkeit unter Christen einerseits und gegen den Liberalismus anderseits ist hochaktuell.

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie das Versprechen Jesu hören: „Ja, ich komme bald“?

Ich sage meinen Söhnen ab und zu: „Stellt euch vor, Jesus kommt heute zurück. Was heisst das für den heutigen Tag?“ Für mich bedeutet es, jeden Tag so zu leben als wäre es der letzte.

Wenn Sie eine Sache in der Welt ändern könnten, was wäre das?

Da fällt mir als Erstes ein: Ich würde mit meiner ganzen Gemeinde in eine Weltgegend gehen, wo Christen stark verfolgt werden. Zurück in Europa, würden wir unsere Prioritäten ganz neu ordnen. Allerdings weiss ich: Solange ich in diesem Leben bin, bleibe ich begnadigter Sünder. Augustinus sagte: „Niemand ist einem anderen so gut bekannt wie sich selbst; und dennoch kennt sich niemand selbst so gut, dass er sich seines Verhaltens am folgenden Tage sicher wäre.“

Unverschämtes Wachstum

Welche Wachstumswünsche hegen wir bewusst und unbewusst? Soll unser Bankkonto anwachsen, unsere Büchersammlung, unsere Bekanntheit zunehmen, die Anzahl unserer Facebook-Freunde?

Paulus hegt für die Gemeinden ganz andere Wachstumsziele! Und er wünscht sich kein zögerliches, sondern unverschämtes Wachstum in gegenseitiger Liebe, in einem Gott-gefälligen Lebensstil, im Glauben, in Erkenntnis und Urteilsvermögen, in Freigebigkeit.

Euch aber lasse der Herr wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu jedermann… 1Thess 3,12

Über die Bruderliebe aber braucht man euch nicht zu schreiben; denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, einander zu lieben, … Wir ermahnen euch aber, ihr Brüder, daß ihr darin noch mehr zunehmt. 1Thess 4,9-10

…daß ihr in dem noch mehr zunehmt, was ihr von uns empfangen habt, nämlich wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt. 1Thess 4,1

Wir sind es Gott schuldig, allezeit für euch zu danken, Brüder, wie es sich auch geziemt, weil euer Glaube über die Maßen wächst und die Liebe jedes einzelnen von euch zunimmt allen gegenüber… 2Thess 1,3

es geschieht alles um euretwillen, damit die zunehmende Gnade durch die Vielen den Dank überfließen lasse zur Ehre Gottes. 2Kor 4,15

um das bete ich, daß eure Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und allem Urteilsvermögen. Phil 1,9

daß ihr in allem reich werdet zu aller Freigebigkeit, die durch uns Gott gegenüber Dank bewirkt. Denn die Besorgung dieses Dienstes füllt nicht nur den Mangel der Heiligen aus, sondern ist auch überreich durch die vielen Dankgebete zu Gott. 2Kor 9,11+12

Der Wiedereinstieg ins Berufsleben (6): Gott in meine Arbeit einbeziehen

Das Bewusstsein, wer auch an der Arbeit am Steuerruder ist, entlastet ungemein.

  1. Vor wem fürchte ich mich wirklich – im positiven Sinn? „Die Furcht des Herrn ist die Schule der Weisheit, und der Ehre geht Demut voraus.“ (Spr 15,33)
  2. Menschenfurcht ist gefährlich: „Menschenfurcht ist ein Fallstrick; wer aber auf den Herrn vertraut, der ist geborgen.“ (Spr 29,25)
  3. Ohne seinen Segen laufe ich vergebens: „Der Segen des Herrn macht reich, und (eigene) Mühe fügt ihm nichts hinzu.“ (Spr 10,17)
  4. Besser wenig und ein gutes Gewissen vor ihm: „Besser wenig mit der Furcht des Herrn, als großer Reichtum und ein unruhiges Gewissen dabei!“ (Spr 15,16)
  5. Meine Motive sind längst nicht immer lauter: „Alle Wege des Menschen sind rein in seinen Augen, aber der Herr prüft die Geister.“ (Spr 16,2)
  6. Planen und abgeben: „Befiehl dem Herrn deine Werke, und deine Pläne werden zustandekommen.“ (Spr 16,3)
  7. Gerüstet sein – und im übrigen vertrauen: „Das Ross ist gerüstet für auf den Tag der Schlacht, aber der Sieg kommt von dem Herrn.“ (Spr 21,31)
  8. Gott steuert Entscheidungsträger: „Gleich Wasserbächen ist das Herz des Königs in der Hand des Herrn; er leitet es, wohin er will.“ (Spr 21,1)
  9. Er kann das Herz meiner Widersacher kehren: „Wenn die Wege eines Menschen dem Herrn wohlgefallen, so läßt er selbst seine Feinde mit ihm im Frieden leben.“ (Spr 16,7)
  10. Er ist erste Anlaufstelle in Schwierigkeiten: „Der Name des Herrn ist ein starker Turm; der Gerechte läuft dorthin und ist in Sicherheit.“ (Spr 18,10)

Der Wiedereinstieg ins Berufsleben (4): Aufblicken

Wer neu mit einer Aufgabe beginnt oder mit entsprechendem Abstand auf seine Arbeit blickt, dem kann es ähnlich wie mir geben: Die Aufgaben des Alltags verwischen oder überlagern die längerfristige Perspektive. Wohin führt der Weg? Was ist das vereinbarte Endresultat?  Wer hat welche Erwartungen? Gehen meine eigenen Erwartungen denen der anderen einher oder habe ich mir eine eigene Messlatte auferlegt? Einem Passanten gleich, der gedankenverloren vor sich hinsieht und die Umgebung nicht mehr wahrnimmt, gleichen wir oft Arbeitskräften, die vor sich hin arbeiten. Es lohnt sich um sich zu blicken. Als Christ füge ich hinzu: Es lohnt sich auch aufzublicken und diese Fragen im Gebet zu erwägen.

  • Worin besteht meine Aufgabe?
  • Was sind die gelebten Prioritäten?
  • Welches sind fremde und eigene Ansprüche?
  • Über die Funktion hinaus gesehen: Welche Menschen begegnen mir?
  • Wie kann ich anderen dienen?

Der Wiedereinstieg ins Berufsleben (2): Die Arbeit vor der Arbeit

Der Schweizer Volksmund hat den Satz geprägt “mit em lätze Bei zum Bett uus”, um auszudrücken, dass der Start eines Tages entscheidend für den weiteren Verlauf sein kann. Der Evangelist Markus schildert voll bepackte Tage des Dieners Jesus. Er begann sie frühmorgens im Gebet (Markus 1,35). Menschen erzählen mir, dass sie die schönsten Momente des Tages während des morgendlichen Waldspaziergangs erlebten. Wieder andere schildern mir, dass sie am Morgen absichtlich genügend Zeit einplanten, um ausgiebig zu frühstücken. Von D. A. Carson habe ich die Aussage aufgeschnappt, dass er noch nie einen mürrischen Menschen getroffen hat, der ein erquickendes Gebetsleben führt. – All diese Aussagen deuten auf die Wichtigkeit des Tagesstarts hin. Der Wiedereinstieg ins Berufsleben war die ideale Gelegenheit, meine Gewohnheiten vor Beginn der Arbeit zu überdenken und wenn nötig neu zu gestalten.

  • Weiterhin beginne ich den Tag im Gebet zusammen mit meiner Frau.
  • Neu habe ich eine Zeit für die tägliche Bibellese direkt danach eingeplant. Wenn die Zeit reicht, lesen meine Frau und ich uns einen Abschnitt gegenseitig laut vor.
  • Bevor ich mich für den Tag bereit mache, frühstücke ich ausgiebig.
  • Die erste Hälfte der Strecke zur Arbeit ist mit dem zweiten Teil der Bibellese belegt.
  • Neu baue ich den ersten Teil der täglichen Bewegung in Form eines 30-minütigen zügigen Spaziergangs zum Arbeitsplatz ein.
  • Wichtig ist es mir, am Morgen meine Arbeitskollegen persönlich und wertschätzend zu begrüssen.

Was hindert mich an der Umsetzung? Es gibt mehrere Hemmer: Erstens kommen mir meine eigenen Gedanken in die Quere. Manchmal jagen mir am Morgen schon so viel Überlegungen und Ideen durch den Kopf, dass ich ihn kaum für Gebet und Bibellese frei bekomme. Ich nenne dies “geistliche Spurverengung”, weil ich beginne mich um mich selbst zu drehen. Natürlich hängt dieser Start auch von der Disziplin ab mich am Vorabend rechtzeitig schlafen zu legen. Drittens merke ich, dass die Umsetzung auch einer beherzten Entscheidung bedarf, der ersten Zeit des Tages Priorität in der Planung zu geben.

Switch to our mobile site