Category Archives: Standpunkt Bezogen

Wenn der Alltag wieder Einzug gehalten hat

Wie schnell sind tiefe Einschnitte in unserem Leben wieder vergessen! Drei Monate nach meiner Operation kann ich bezeugen:

  • Das Bewusstsein des Getragenseins ist in den schwierigsten Stunden am intensivsten. Nur 90 Tage später spüre ich nicht mehr dieselbe Intensität. (Und ich bin mir bewusst, dass meine Gefühle kein zuverlässiger Gradmesser für die Gottesbeziehung sind.)
  • Ich bin dankbar für den medizinischen Fortschritt und die ausgezeichnete ärztliche Versorgung. Beide finden ihren Ursprung in Gottes unverdienter Güte.
  • Bewegung lässt sich auf kreative Art in den Alltag integrieren.
  • Die Zielsetzung nicht zu “quetschen”, sprich alle Leerzeiten vollzustopfen, begleitet mich täglich.
  • Gott bemisst genau, was er uns auferlegt. Abends denke ich oft: Danke, es hat eben gereicht.
  • Jeder Tag hat an seinem Übel genug. Sorgen für den nächsten Tag sind überflüssig.
  • Die anspruchsvollste Zeit beginnt dann, wenn alle das Gefühl haben, es sei alles wieder beim alten.
  • Wer am meisten vergessen geht, sind die nächsten Angehörigen, in aller Regel die Ehepartner.

Wir leugnen die Katze

Doug Wilson nimmt Stellung zu einer Kontroverse zwischen John Piper (welcher Tweets entfernt hat) und Rachel Held Evans (die sich entschuldigt hat) und der Souveränität Gottes der Katastrophe von Oklahoma.

Er zitiert Chesterton…

If it be true (as it certainly is) that a man can feel exquisite happiness in skinning a cat, then the religious philosopher can only draw one of two deductions. He must either deny the existence of God, as all atheists do; or he must deny the present union between God and man, as all Christians do. The new theologians seem to think it a highly rationalistic solution to deny the cat.

…und meint zu John Piper:

John Piper lives in a universe where terrible things happen, but he knows that when we come to know the whole story, we will stop our mouths, and bow before a holy God in order to worship Him — and all manner of things shall be well. To acknowledge God’s sovereignty in such things does not keep our hearts from breaking in the midst of such devastation. The sovereignty of God is a hard shell case that carries and protects the tender heart.

Mir fällt es schwer, dies zu anerkennen. Doch nur diese Sicht hält dem Gesamtzeugnis der Bibel stand. Unglückliche Hilfskonstruktionen, die sich Menschen erfinden, wenn sie sich nicht beugen, habe ich schon genug gelesen.

ADHS als Folge professioneller Vernachlässigung

Dieser Meinung ist Jesper Juul, dänischer Familientherapeut. In diesem Interview meint er:

ADHS ist ein Lebensstilsymptom. Kinder werden heute gezwungen, den Lebensstil ihrer Eltern nachzumachen – obwohl die Eltern merken, dass sie selbst unglücklich sind. Vor 30 Jahren hatte unsere Gesellschaft noch mehr Zeit und Raum für Kinder. Wir haben den Kindern in den letzten Jahren dann rund zwölf Stunden Freizeit pro Woche weggenommen. Mit Freizeit meine ich wirklich freie Zeit, die nicht mit Aktivitäten verplant ist.

Juul empfiehlt möglichst viel unstrukturierte, unverplante Zeit:

Für diese Kinder ist es unheimlich schwierig, Empathie zu entwickeln, alleine zu spielen oder sich selbst zu beschäftigen, weil sie es gewöhnt sind, dauern abgelenkt zu werden. Sie verlieren den Kontakt zu ihren Wünschen und Bedürfnissen. Deshalb empfehle ich Eltern, ihren Kindern möglichst viel unstrukturierte Zeit zu ermöglichen und sie nicht ständig in durchgeplante Tagesabläufe einzuspannen. Eltern sollten sich Zeit für die Kinder nehmen, ohne diese Zeit ständig mit Aktivitäten zu füllen. Das ist sehr wichtig.

Kinder müssten sich auch langweilen können, meint Juul in einem weiteren Interview:

Viele Institutionen, die Nachmittagsbetreuung, Sportcamps und auch die Medien sind voll von Animationsangeboten. Sie haben alle eines gemeinsam: Sie bieten Eltern Ideen und Strategien an, um Langeweile bei ihren Kindern zu vermeiden. Ich möchte eine Lanze für die Langeweile brechen. … Eltern und Kinder sind Konsumenten geworden. Das führt dazu, dass vielen Kindern langweilig wird, sobald die externe Stimulation fehlt. Es ist ihnen fad ohne Computerspiele, DVDs und Fernsehen. Auch Kindertagesstätten und Schulen setzen auf externe Stimulation. Wenn Kinder dem den ganzen Tag lang ausgesetzt sind, erhalten sie eine Überdosis davon.

Hier geht es zum Interview mit Beat Tanner, der ADHS oft als Beziehungsstörung sieht. Die Symptome enthielten wichtige Botschaften für die Bezugspersonen.

Wenn sich ein Tornado eine Schneise frisst

Da frisst sich ein Tornado eine Schneise durch eine Stadt und tötet 20 Kinder. Ein Mann taucht aus den Trümmern auf und bemerkt: “Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen.” (Info via Twitter, Denny Burk). Für andere ist es ein Anlass, einmal mehr zu fragen: Wo warst du, Gott?

Sam Storms listet in seinem lesenwerten Beitrag “Tornadoes, Tsunamis, and the Mystery of Suffering and Sovereignty” sieben Beobachtungen auf:

(1) It will not accomplish anything good to deny what Scripture so clearly asserts, that God is absolutely sovereign over all of nature.

(2) God is sovereign, not Satan.

(3) Great natural disasters such as this tell us nothing about the comparative sinfulness of those who are its victims.

(4) Events such as this should remind us that no place on earth is safe and that we will all one day die (unless Jesus returns first).

(5) We should not look upon such events and conclude that the Second Coming of Christ and the end of history are at hand, but neither should we conclude that the Second Coming of Christ and the end of history are not at hand.

(6) We must learn to weep with those who weep.

(7) Pray that God will use such an event to open the hearts and eyes of a city and a state immersed in unbelief and idolatry

Wenn die Tore der Hölle von innen zugehalten werden

Sophie Dannenberg, Jahrgang 1971, Kind der 68-er Jahre, schreibt als indirekt Mitbetroffene über die im Rahmen der “sexuellen Befreiung” praktizierte Pädophilie:

Ich habe es einmal probiert mit dem Reden und meine Eltern auf die Szenen von damals angesprochen. In meiner Sprache, nicht in ihrer. Ich war siebzehn, und die peinlichen Erinnerungen störten mich in meiner Pubertät. Meine Eltern waren entsetzt – über mich. Sie fanden mich destruktiv und hysterisch und taten so, als würde ich phantasieren. Für mich war die Verleugnung tatsächlich schlimmer als der Übergriff selbst.

Ich bin jetzt älter als unsere Eltern damals waren. Sie könnten fast meine Kinder sein. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ich so gern verzeihen möchte. Und dann fällt mir wieder ein, dass zum Verzeihen immer zwei gehören. Wo sich ein Täter vor der Barmherzigkeit verschließe, da werden die Tore der Hölle von innen zugehalten, las ich in einem Interview mit der Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz. Ich bin es leid, von außen an diesen Toren zu rütteln. Die 68er haben entschieden, uns nichts zu geben. Keine Wahrheit, keine Demut. Ich glaube nicht mehr an die Möglichkeit, aber manchmal wünsche ich es mir noch immer – ein einziges ehrliches, trauriges Gespräch. Und danach wieder die Erinnerung an hohes Gras und Apfelbäume.

Nicht zum Komfort oder Erfolg, sondern zum Gehorsam gerufen

Der Bericht von Karen Watson, 1997 zum Glauben gekommen, ausgesandt als Missionarin nach Jordanien und Irak, hat im heutigen Gottesdienst mein Herz berührt. 2004 kam sie in einem Hinterhalt im Irak ums Leben. Der Brief, den sie ihrer Gemeinde zurückliess und nur im Falle ihres Todes zu öffnen bat, hat schon bei ihrer Beisetzung grosse Wellen ausgelöst:

March 7, 2003

Dear Pastor Phil & Pastor Roger,

You should only be opening this letter in the event of death.
When God calls there are no regrets. I tried to share my heart with you as much as possible, my heart for the Nations. I wasn’t called to a place. I was called to Him. To obey was my objective, to suffer was expected, His glory was my reward, His glory is my reward.

One of the most important things to remember right now is to preserve the work. … I am writing this as if I am still working among my people group.

I thank you all so much for your prayers and support. Surely your reward in Heaven will be great. Thank you for investing in my life and spiritual well being. Keep sending missionaries out. Keep raising up fine young pastors.

In regards to any service, keep it small and simple. Yes simple, just preach the gospel. If Jason Buss is available or his dad have them sing a pretty song. Be bold and preach the life saving, life changing, forever eternal GOSPEL. Give glory and honor to our Father.

The Missionary Heart:

Care more than some think is wise.

Risk more than some think is safe.

Dream more than some think is practical.

Expect more than some think is possible.

I was called not to comfort or success but to obedience.

Some of my favorite scriptures are: Isaiah 6, you know the one. 2 Cor. 5:15-21, 1 Peter 1:3, Col. 4:2-6, Romans 15:20, Psalm 25 and 27. You can look through my Scofield and see where it is marked. Please use only what you want or feel is best.

There is no Joy outside of knowing Jesus and serving Him. I love you two and my church family.

In His care,
Salaam, Karen

Cybermobbing als Kompensation von Sorgen und Nöten in der realen Welt

Cybermobbing gehört zum Alltag unserer Kinder und Jugendlichen. Das Medienmagazin pro berichtet:

Ein Großteil der Lehrer und Eltern sind der Ansicht, dass sich Gewalt unter Jugendlichen durch die Neuen Medien verändert hat. Durch die Anonymität des Internets seien junge Menschen weniger gehemmt.

Was beinhaltet Cybermobbing?

Das heißt, sie haben andere im Internet beschimpft und beleidigt, Lügen und Gerüchte verbreitet, peinliche Fotos oder Videos veröffentlicht, sich über andere lustig gemacht oder sie aus sozialen Gruppen ausgegrenzt.

Hier geht es zur Studie über Cybermobbing. Nachdenklich gemacht hat mich der Satz:

Soziale Netzwerke dienen Schülerinnen und Schülern immer häufiger der Kompensation von Sorgen und Nöten in der realen Welt.

Sollen unsere Kinder einmal willfährige Arbeitnehmer und harmlose Konsumenten sein?

Kleine Kinder sind süss, besonders wenn sie der eigenen Linie entstammen:

There is no getting around it—little kids are cute. Some are cuter than others (depending, of course, on whether or not they are one’s own direct lineal descendants).

Doch Psalm 127,3-5 spricht davon, dass Söhne die Pfeile im Köcher des Vaters sind. Wer seinen Köcher gefüllt hat, braucht sich nicht zu fürchten, wenn er im Tor (damals Ort der Beratung, des Gerichts und des Vertragsabschlusses) mit seinen Feinden spricht.

Instead of saying that they are like a row of stuffed bunnies in a well-decorated crib, he says that children from the Lord are like a fistful of arrows. Children are arrows for the fist, and even more arrows for the quiver. For what occasion? Target practice? Costume parties?

Wir schützen unsere Kleinen vor Gefahr, doch wehe wir bleiben in diesem Modus gefangen:

Kids are adorable when they are little, and when they are little, they are also largely defenseless. Because of this, good parents are constantly watching out for threats to them. This is obviously a good thing, as far as it goes, but it is not a good thing if we get stuck in that mode.

Was ist das Ziel unserer Erziehung? Sollen sie einmal willfährige Arbeitnehmer und harmlose Konsumenten sein?

What is the ultimate goal you have in mind? Is it faithful service to God when they are adults? … are you just hoping they make enough money to get by, are generally nice people, and always come home for the holidays?

Das Mindset sei entscheidend, meint Doug Wilson in diesem wundervollen kurzen Artikel.

The mindset that parents have (or do not have) will be one of the main factors in how they decide how they will educate the kids, which is a decision that arrives pretty durn early.

Schlüsselerlebnisse mit Kindern (56): Wir sind Teil von Gottes weltweitem Volk

Als Vater einer Familie mit christlichem Bekenntnis gehören wir zum weltweiten Volk Gottes. Das bedeutet einerseits, dass wir an den Segnungen teilnehmen, indem wir erbauliches Material von Christen aus anderen Ländern und anderen christlichen Konfessionen verwenden, vom ermutigenden zahlenmässigen und geistlichen Wachstum lesen, einzelne von Gott gefügte Lebensschicksale mitverfolgen und Christen, die verfolgt werden, kennenlernen. Ich nehme aber nicht nur am Wohl, sondern auch am Wehe teil. Es erfüllt mich mit Sorge und Schmerz, dass Christen aus einzelnen Ländern gänzlich vertrieben werden (siehe diese Meldung von Christian Post). Wir beten seit Monaten für die Christen in Nordkorea und Syrien. Über Open Doors informieren wir uns regelmässig zur Lage. Es berührt mich immer wieder die Gebete meiner Söhne zu hören. Wenn ich vergesse zu beten, denken sie bestimmt daran. Hintergrundinformationen wie diese Pressemeldung des deutschen Islaminstituts helfen, die Hintergründe besser zu verstehen.

Die Generation Praktikum, der globale Arbeitsmarkt und die Zukunftsaussichten

Glücks- oder Katastrophengeneration? Katharina Nocun hat einen nachdenklich stimmenden Gastbeitrag in der ZEIT geschrieben:

Meine Generation, so scheint es auf den ersten Blick, ist mit Glück gesegnet. Wir wachsen in Frieden auf, in einem der reichsten Länder der Welt. Doch in Wahrheit steht es schlecht um uns. Das verraten schon die Embleme, die man mir und meinen Altersgenossen aufklebt: Generation Praktikum. Generation Burnout. Generation Politikverdrossenheit. Generation Altersarmut. Das klingt nicht nach Glückskindern, das klingt nach Zukunftsangst. Leider stimmt es bei vielen.

Schon früh werden sie in den Wettbewerb eingebunden:

Als wir zur Schule gingen, sagten uns die Lehrer, uns stünde die Welt offen. An der Universität rechneten uns dann unsere Professoren, die noch umsonst studiert und promoviert hatten, die Vorzüge von Bildungsgebühren vor. Wir nahmen Kredite auf. Wir gingen auf die Jagd nach Bildungsscheinchen. Soft Skills probten wir im Ehrenamt. Und dann noch Auslandssemester und Sprachkurse, Zusatzqualifikationen. Der Arbeitsmarkt sieht das gerne. Die Psyche weniger. Die Wartezeiten bei psychologischen Beratungsdiensten wurden länger und länger. Haben wir unseren Abschluss, wetteifern wir in der globalisierten, deregulierten Wirtschaft um begehrte Arbeitsplätze. 

Wir sind Getriebene. Auf der Realschule sagte man uns: Bei der Sparkasse stellen sie nur noch mit Abitur ein. Bei der Hauptschule hieß es: Beim Handwerk erwarten sie eigentlich Realschulabschluss. Schon im ersten Semester wussten wir, nach dem Bachelor-Studium gibt es nicht genügend Master-Plätze. Eine ständige Entwertung unserer Zukunftschancen ist das, eine Inflation. Dem hecheln wir hinterher.  

Die Zeit gerader Erwerbsbiographien ist nicht nur für meine Generation vorbei. Doch wir spüren das bereits in unserer Ausbildung. Der neue Ideal-Arbeitnehmer ist ein durch und durch optimiertes Produkt, das ständig neue Features braucht, um nicht zu veralten. Das verursacht Stress, Unsicherheit und auch Zukunftsangst.

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